Security wegen Flüchtlingen: Testkauf im Caldener Supermarkt

Unsere Testkäufer: Aykut (22) und Anur (25) haben im Caldener Edeka eingekauft. Sie sind beide türkischstämmig. Foto: B.F.

Calden. Wie fühlt man sich, wenn man als Kunde mit ausländischen Wurzeln misstrauisch beäugt wird? Wir haben mit zwei türkischstämmigen Personen den Test gemacht.

Kann es wirklich sein, dass ein Supermarktbetreiber Sicherheitsleute vor seinem Geschäft postiert, um vermeintlich rüden Einkaufsmethoden von Flüchtlingen ein Garaus zu machen? Es kann, wie aktuell in Calden zu beobachten ist.

Zwei kräftige junge Männer der Sicherheitsfirma Protex haben sich da vor Edeka Neukauf am Ortsrand Richtung Flughafen aufgebaut. Marktleiter Ewald Eckert hat sie bestellt, weil er sich mit dem Kundenansturm aus dem benachbarten Flüchtlingslager am alten Flugplatz allein gelassen fühlt. Gerüchte von Diebstählen, aufgerissenen Verpackungen und gebrauchten Kosmetikartikeln machen seit Tagen die Runde. Ob tatsächlich was dran ist, lässt sich nur schwer sagen.

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Fakt ist: Einkaufen darf nur, wer am Türsteher vorbei kommt. Wie der Inhaber öffentlich erklärt hat, dürfen immer nur zwei Flüchtlinge gleichzeitig die Security passieren. „Das ist wirklich diskriminierend, ich kann es gar nicht glauben“, erzürnt sich sich der türkischstämmige Aykut (22) und will es genau wissen. Gemeinsam mit Freund Anur (25) und der HNA machte er Montagmittag die Probe aufs Exempel.

Seine Devise: nicht groß auffallen, einfach das Geschäft betreten und zum Test ein paar Softdrinks kaufen. Gesagt, getan: Ohne Probleme huschen die Zwei durch die elektrischen Schiebetüren. Von Security ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür schallt ihnen direkt eine Lautsprecherdurchsage entgegen: „Bitte jetzt Einkaufskörbe verteilen.“ Die werden dann zwei Flüchtlingen in die Hand gedrückt. Um einen neuen Kundenservice handelt es sich dabei wohl kaum, wird dieser doch offensichtlich ausschließlich Marktbesuchern zuteil, die rein vom Erscheinungsbild keine Deutschen sind.

Unbeeindruckt starten Aykut und Anur ihren Einkauf, schlendern ruhig durch die Gänge, um schließlich unbehelligt zwei Flaschen Cola zu kaufen. Keine skeptischen Blicke, keine Taschendurchsuchung, nicht ein böses Wort. Sind die Testkäufer womöglich aufgeflogen oder ist das Auftreten der Security tatsächlich so zurückhaltend und das Thema einfach nur künstlich hochgekocht worden?

Wir wissen es nicht, beobachten aber wenig später, dass die Aufpasser beim Verlassen zweier echter Flüchtlinge die Anweisung bekommen, sie genauer unter die Lupe zu nehmen. „Die haben ganz sicher nichts“, sagt einer und lässt sie ohne Kontrolle ziehen. Dass Ewald Eckert sein Geschäft und die Kunden schützen will, ist für unsere Testkäufer durchaus nachvollziehbar, „das geht aber sicher auch anders“, sagt Aykut.

„Herr Eckert sollte sich mal in die Menschen hineinversetzen, die er aufgrund ihrer Herkunft vorverurteilt und übel diskriminiert.“ Aykut weiß, wovon er spricht, denn auch er hat vor einer Kasseler Disco schon ähnliche Erfahrungen gemacht. „Aufgrund meiner Nationalität bin ich nicht am Türsteher vorbei gekommen, und ich kann Ihnen sagen, das ist wirklich kein schönes Gefühl.“

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