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Hof Tolle in Fürstenwald räumt noch einen Preis ab

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Von: Hanna Maiterth

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Die vier Junglandwirte Markus Müller, Tim Kramm, Marius Rau und Nils Tolle.
Klimapreis für die Junglandwirte vom Hof Tolle: von links Markus Müller, Tim Kramm, Marius Rau und Nils Tolle. © Hanna Maiterth

Der Bundespreis „Blauer Kompass“ in der Kategorie „Private und kommunale Unternehmen“ ging am Freitag an den Hof Tolle in Fürstenwald.

Fürstenwald – Damit erhielten die Nordhessen neben vier weiteren Projekten aus Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen die höchste Auszeichnung, die in Deutschland für Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise vergeben wird. Dotiert ist der Preis mit jeweils 25 000 Euro. Die Hessen punkteten mit ihrem Projekt „Integrierte und dynamische Agrarplanung für den Klimawandel“.

Zur Preisverleihung nach Berlin

Für die Preisvergabe ging es für Nils Tolle (29), Tim Kramm (28), Marius Rau (29) und Markus Müller (31), die zusammen den Hof bewirtschaften, nach Berlin. Der Hof, den es als Familienbetrieb seit 1846 gibt, liegt offiziell noch in den Händen von Georg und Beate Tolle. Die Zügel haben sie bereits an den jüngsten Sohn und seine drei Freunde übergeben.

Die vier machen den Hof fit für die Zukunft. Sie rüsten ihn um, stellen ihn breiter auf. Die Landwirtschaft soll den Folgen der Klimakrise standhalten. Nicht nur die Auszeichnung bestätigt die Junglandwirte, auch die Wetterextremen. „Ich denke mit diesem Jahr zeigt sich, wir sind aktueller denn je mit unseren Bemühungen“, sagt Nils Tolle.

Acht-Schritte-Modell

Dreh- und Angelpunkt ist ein Acht-Schritte-Modell, das er mit der Universität Hohenheim entwickelte und auf dem Hof in Fürstenwald anwendet: die Erarbeitung einer individuellen Klimastrategie mit Anleitung zur Betriebsplanung. Mit der Bestandsaufnahme und der Praxisüberwachung hat dies zwar einen Anfang und ein Ende. Gleichzeitig kann es immer wieder neu durchlaufen werden und lässt sich auf alle landwirtschaftlichen Betriebe übertragen.

Genau da soll in Zukunft angesetzt werden. Ihr Wissen wollen sie weitergegeben. Schon im Oktober beginnt für sie ein Projekt auf europäischer Ebene. „Wir schulen europäische Landwirte und Beratungskräfte im Bereich Klimaanpassung und regenerativer Landwirtschaft. Das Ziel ist, die europäische Landwirtschaft nachhaltig und resilient zu gestalten“, erklärt Tolle. Ihr Modell wird in Betrieben in Tschechien und Luxemburg angewandt. Eine Chance für das bislang noch „sehr theoretische Tool“, wie der 29-Jährige findet. „Wir bekommen Feedback und können es weiterentwickeln.“

Der Preis wird gefeiert

Mit dem Gewinn des „Blauen Kompass“ sowie des „Hessischen Demografie-Preises“, bei dem der Hof den mit 2000 Euro dotierten dritten Platz belegt hatte, will das Quartett seine Klimastrategie weiterverfolgen. Im Gespräch ist eine Kompostierungsanlage. „Der Gemüseanbau soll langfristig nachhaltig gestaltet werden. Mit einer eigenen Anlage stünde uns jederzeit guter Kompost zur Verfügung.“ Außerdem wollen sie Gutes tun. „Unsere Idee ist, Klimaschutzinitiativen in Entwicklungsländern zu unterstützen.“

Gefeiert werden sollen die Erfolge beim Hoffest. Dazu lädt Tolle für den 2. Oktober von 9.30 bis 17 Uhr auf den Hof in Fürstenwald ein. (Hanna Maiterth)

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