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Attacke am Schlosshotel: Hund beißt Passantin - Besitzerin soll nicht geholfen haben

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Von: Thomas Thiele

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Schwierige Situation in Wilhelmsthal: Die Zufahrt zum Schlosshotel ist abgesperrt, aber ohne Zaun. Der Zugang zum privaten Wohnhaus vorne links ist praktisch nur über den Parklatz rechts möglich. Der Hundebiss ereignete sich vor den gelben Häusern in der Mitte. Das Schlosshotel (weiß) steht – kaum sichtbar – ganz hinten.
Schwierige Situation in Wilhelmsthal: Die Zufahrt zum Schlosshotel ist abgesperrt, aber ohne Zaun. Der Zugang zum privaten Wohnhaus vorne links ist praktisch nur über den Parklatz rechts möglich. Der Hundebiss ereignete sich an den gelben Häusern in der Mitte. Das Schlosshotel (weiß) steht – kaum sichtbar – ganz hinten. © Thomas Thiele

Eine Frau aus Calden soll nahe des ehemaligen und derzeit im Umbau befindlichen Schlosshotels Wilhelmsthal von einem Hund attackiert und dabei erheblich verletzt worden sein.  

Wilhelmsthal – Den Samstag vor einer Woche (26. November) wird Anne-Katrin Meyer-Scholder aus Calden so schnell nicht vergessen: Auf dem Baustellengelände am Schlosshotel Wilhelmsthal sei die 50-Jährige von einem Hund attackiert und erheblich verletzt worden. Sie konnte das Tier nach eigenen Angaben nur loswerden, indem sie sich ins Auto rettete und das Tier am Türrahmen von ihrem Bein abdrängte.

Hunde-Attacke am Schlosshotel - das ist laut der Verletzten passiert

Sie habe gesehen, wie zunächst eine weiße Englische Bulldogge auf sie zustürmte. Dann habe sie begonnen, beruhigend auf sie einzureden und sei langsam auf ihr Auto zugegangen, das zehn Meter entfernt auf dem Parkplatz stand. „Der Hund kam bellend, knurrend immer näher, anstatt, wie ich es von Hunden kenne, sich langsam zu beruhigen und das Interesse zu verlieren“, berichtet sie.

„Ich hatte kaum zwei Meter hinter mich gebracht, als eine zweite, braune Bulldogge herangeschossen kam, mich einmal wild knurrend umkreiste und mir schneller ins Bein biss, als ich es begreifen konnte. Ich schrie, schrie aus Leibeskräften um Hilfe – ich hatte totale Panik.“

Schmerzhaft: Wunden in der Wade.
Schmerzhaft: Wunden in der Wade. © privat

Irgendwie habe sie es bis zum Auto geschafft, der Hund habe die ganze Zeit an ihrem Bein gehangen, einmal kurz losgelassen, um dann wieder zuzubeißen. „Am Auto riss ich die Tür auf und beim Reinziehen des Beines ließ der Hund zum Glück los.“

Die Tiere gehörten zum noch nicht wieder eröffneten Schlosshotel Wilhelmsthal, aus dem die Hunde hinausgelaufen waren. Nach dem Vorfall habe die Besitzerin die Tiere zurückgepfiffen. Als Anne-Katrin Meyer-Scholder noch mal aus dem Auto stieg, um der Besitzerin zuzurufen, dass sie verletzt sei, habe diese geantwortet, dass die Baustelle Privatgelände sei und das Betreten verboten. Die Hunde hätten sich dann erneut aus der Tür gedrängt und seien wieder auf die 50-jährige Caldenerin zugestürmt, die ins Auto stieg und – da nur vier Minuten entfernt – sofort nach Hause fuhr.

Die Attacke ereignete sich kurz nach 14 Uhr, beim Eintreffen zuhause wurde sie von ihrem Ehemann erstversorgt, dieser alarmierte die Polizei, dann fuhren sie in eine Klinik, wo ab 14.45 Uhr die zwei tiefen Fleischwunden am Unterschenkel genäht wurden. Gegen 16 Uhr schilderte Anne-Katrin Meyer-Scholder bei sich zuhause der Polizei den Vorfall. Diese fuhr zum Schlosshotel, traf dort aber weder die Hunde noch die Besitzerin an.

Das jedoch war für die Verletzte wichtig, um zu erfahren, ob der Hund gegen Tollwut geimpft ist. Die Impfung bestätigte sich am nächsten Abend, nachdem die Beamten nochmals in Wilhelmsthal waren und die Besitzerin antrafen. Dort hätten sie aber selbst erlebt, dass die Geschichte realistisch sei: Als die beiden Beamten ausstiegen, sei ihnen besagter Hund bereits zähnefletschend entgegengekommen und einer der Beamten hatte für alle Fälle ein Pfefferspray parat.

Anne-Katrin Meyer-Scholder habe die Befürchtung, dass es auch lebensgefährlich hätte ausgehen können: „Wäre ich ein Kind gewesen oder wäre ich bei der ersten Attacke gestürzt oder wäre es der zweiten Bulldogge eingefallen, sich an mein linkes Bein zu hängen, ich wäre nicht mehr zu meinem Auto gekommen.“ In der Nähe sei auch eine Bushaltestelle und es gebe Spaziergänger.

Nach der Hunde-Attacke laufen die Ermittlungen der Polizei

Die Polizeistation Hofgeismar bearbeitet jetzt eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung und die Staatsanwaltschaft werde prüfen, ob auch ein Fall von unterlassener Hilfeleistung vorliege. Die Beamtin, die den Fall bearbeitet, bestätigte der HNA den Vorfall. Sie habe in ihrer Dienstzeit, zum Teil in Frankfurt, schon viele Hundebisse gesehen, aber ein solcher Vorfall sei sehr selten. Die englischen Bulldoggen seien „eigentlich liebe Familienhunde“, erklärte sie auf Anfrage der HNA weiter. Die Rasse sei nicht als gefährlich eingestuft. In dem Fall dürfte sie nur in eingezäunten Grundstücken gehalten werden, sagt Janine Kloppmann vom Ordnungsamt der Gemeinde Calden. Das Grundstück ist wegen der Bauarbeiten derzeit eine Baustelle und nur mit Warnschildern und Flatterband abgesichert.

Hotel bestätigt Vorfall mit dem Hund

Eine Sprecherin der Hotelbesitzerin bestätigte den Vorfall gegenüber der HNA. Es sei gerade eine neue Zufahrt zum hinteren Bereich angelegt worden und es werde eine Mauer um das Gelände errichtet. Im Übrigen sei das Problem erledigt: „Einer der Hunde hat uns verlassen.“

Gemeinde klärt Übergangs- oder Wegerechte

Anne-Katrin Meyer-Scholder war in Wilhelmsthal, um einen Termin abzusprechen mit einem ehemaligen Lehrerkollegen, dem das Jugendstil-Wohnhaus an der Einmündung der von Ahnatal kommenden Rasenallee in die Straße vor dem Schlosspark gehört. Das Haus hat eine meist verschlossene Zufahrt von der Rasenallee, aber die meisten Besucher und Lieferanten gehen, auch aus Sicherheitsgründen, über den Hotelparkplatz zu dem Wohnhaus. Das tat auch die 50-Jährige aus Calden und als sie an dem davor stehenden denkmalgeschützten, aber verfallenden Offiziantenhaus und dem Schmiederhaus vorbeikam, wollte sie davon ein Foto machen. Dabei erfolgte die Hundeattacke.

Die beiden Häuser aus der Barockzeit, die schon der frühere Hotelbesitzer sanieren wollte, aber nicht dazu kam, gehören wie die Parkplatzstraße davor zum Hotelgrundstück. Ein Wegerecht dazu hatte die Forstverwaltung zu dem dahinter gelegenen Forsthaus, das aber inzwischen aufgegeben wurde. Ob es weitere Übergangs- oder Wegerechte für Fußgänger gibt, konnte die Gemeinde Calden nicht klären. Frühere Hotelbesitzer hätten es bisher geduldet, dass nicht nur Hotelgäste, sondern auch Wanderer und Schlossparkbesucher den Parkplatz mit nutzen konnten. (Thomas Thiele)

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