Calden

Massenansturm auf Impfzentrum im Kreis Kassel: Öffnungszeiten werden angepasst

Schlange bis zum Parkplatz: Die Impfwilligen stürmen derzeit das Impfzentrum in Calden. Um die Situation zu entspannen, sollen jetzt die Öffnungszeiten erweitert werden.
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Schlange bis zum Parkplatz: Die Impfwilligen stürmen derzeit das Impfzentrum in Calden. Um die Situation zu entspannen, sollen jetzt die Öffnungszeiten erweitert werden.

Die angespannte Corona-Lage in Deutschland führt aktuell zu einem Massenansturm auf das Impfzentrum in Calden (Kreis Kassel). Die Öffnungszeiten sollen nun erneut angepasst werden.

Calden/Wolfhager Land – Die massive Verschärfung der Pandemie löst einen Massenansturm Impfwilliger auf das Impfzentrum Calden, mobile Angebote und die Praxen der Ärzte aus. Die Kapazitäten sind erschöpft. Darauf reagieren Stadt und Landkreis Kassel jetzt mit einer erneuten Ausdehnung der Öffnungszeiten in Calden. Ab 22. November werde man das Impfzentrum an fünf Tagen in der Woche öffnen müssen, erklärt Landrat Andreas Siebert.

Außerdem sollen wieder Sonderimpftermine für Gruppen, wie beispielsweise die Feuerwehren, angeboten werden. „Ohne das Impfzentrum ist die Kampagne nicht zu bewältigen“, so Siebert, der betont, dass dies allein in Eigenregie des Gesundheitsamtes für die Region Kassel geschehe. Das Land Hessen hatte das Ende der Impfzentren Ende September eingeläutet. Seinerzeit beschlossen Stadt und Kreis Kassel, das Impfzentrum für einen Tag weiterhin geöffnet zu halten.

Impfzentrum im Kreis Kassel: Menschen aus ganz Nordhessen kommen nach Calden

Am 8. November wurden die Öffnungszeiten auf zwei Tage, am 18. November auf drei Tage ausgeweitet. Inzwischen werden laut Siebert pro Woche rund 1100 Menschen geimpft. Darunter seien die Hälfte Auffrischungsimpfungen und rund 300 Erstimpfungen. Mangels Angebot kämen die Menschen aktuell aus ganz Nordhessen nach Calden gereist.

Der Landrat ist optimistisch, dass für ein Hochfahren des Impfzentrums genügend Personal vorhanden sein wird. Auch an Impfstoff mangele es nicht. Er geht allerdings davon aus, dass sich die Kampagne im Impfzentrum nicht zu hundert Prozent finanziell tragen wird.

Neue Öffnungszeiten: Impfzentrum in Calden soll werktags öffnen

Das Impfzentrum soll voraussichtlich ab kommender Woche werktags von 13.30 bis 19 Uhr geöffnet sein und freitags von 9 bis 14 Uhr.

Auch bei den Hausärzten stehen die Impfwilligen Schlange. „Bis zum September haben wir die Impfungen noch wie sauer Bier angeboten“, so Ralf Wittwer von der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land. Jetzt würden die Menschen ihnen die Bude einrennen. Das sei im normalen Betrieb nicht zu schaffen. Die Hausarztgemeinschaft plant deshalb größere Impfaktionen außerhalb der Praxen.

Impfzentrum in Calden: Schlange reicht bis zum Parkplatz

Die Schlange der Wartenden vor dem Impfzentrum Calden reicht bis zum Parkplatz. Vorwiegend ältere Menschen stehen an diesem Montagmittag bei fünf Grad und zittern, einige im Rollstuhl, andere lehnen sich auf ihre Rollatoren. Einer Frau, die den Arm um ihre hochbetagte grauhaarige Mutter gelegt hat, reicht es. Sie geht nach vorn und wird auch eingelassen. „Wir gucken schon, dass wir sehr eingeschränkte Menschen aus der Schlange herausziehen“, sagt einer der Protex-Mitarbeiter.

Warme Mütze als Leihgabe: Barbara Leistner (rechts) hat beim Warten so sehr gefroren, dass ein junger Mann ihr seine Mütze geborgt hat. Über die gute Tat freut sich auch Nachbarin Käthe Beck (links).

Eine gute halbe Stunde warten die Impfwilligen, bis sie den Eingang zum Impfzentrum endlich erreicht haben. Landrat Andreas Siebert ist an diesem Montag auch draußen vor Ort und schaut sich kopfschüttelnd die lange Schlange der Wartenden an. Den Landkreis trifft derzeit wegen der erheblichen Wartezeiten der geballte Frust. Zu Unrecht, wie Siebert betont. Die Entscheidung vom Land, die Impfzentren zu schließen, sei ein Fehler gewesen. Stadt und Landkreis versuchten ja mit der Beibehaltung des Impfzentrums alles, um die Impfkampagne voranzutreiben. Um die Lage etwas zu entspannen, bespricht er an diesem Tag die Erweiterung der Öffnungszeiten auf fünf Tage.

Corona-Impfung im Kreis Kassel: Mobile Teams am Limit

Auch die mobilen Teams sind am Limit. Am Wochenende drängten sich in Baunatal 200 Impfwillige. 128 konnten am Ende nur geimpft werden. Dort und im Impfzentrum müsse man die zeitraubenden Standards, etwa die Aufklärung, weiterhin einhalten, so Siebert. Impfen könne man schließlich nicht am Fließband.

Barbara Leistner und ihre Nachbarin Käthe Beck aus Espenau haben den Eingang des Impfzentrums fast erreicht. Die Füße sind kalt, aber die Seniorinnen strahlen. „Wir hatten grad ein tolles Erlebnis“, sagt Beck. „Ich habe so sehr am Kopf gefroren, da hat mir ein junger Mann seine Mütze geborgt“, freut sich Leistner. Sie stützt sich auf ihren Rollator und zieht die violette Strickmütze immer wieder über die Ohren. Der junge Mann ist Lukas Dally aus Kassel. Er will sich die Boosterimpfung abholen. „Mit tat die frierende Frau einfach leid und ich habe ja noch meine Kapuze.“ (Bea Ricken)

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