Vertrauliche Unterlagen aufgetaucht

Kassel Airport auf dem Prüfstand: Auch nach 2024 wohl keine Trendwende

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Im Fokus: Die schwarz-grüne Landesregierung evaluiert derzeit, wie es mit dem Kassel Airport weiter gehen soll. 

Calden. Die Evaluierung des Kassel Airport ist in vollem Gange. Nun sind vertrauliche Informationen zu den Prüfungsergebnissen des Hessischen Rechnungshofs aufgetaucht. Die Kritik wird lauter.

Der Airport Kassel steht auf dem Prüfstand. Die schwarz-grüne Landesregierung prüft gemäß ihres Koalitionsvertrages, wie es mit dem defizitär wirtschaftenden Regionalflughafen (6,2 Millionen Euro Verlust in 2016) weiter gehen soll. Mitten in der Prüfungsphase sind nun vertrauliche Informationen in Umlauf gekommen.

Sowohl im Wiesbadener Kurier als auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung waren in den vergangenen Tagen Teile der Prüfungsergebnisse des Hessischen Rechnungshofs zur wirtschaftlichen Situation und Prognose des Flughafens aufgetaucht.

Nach HNA-Informationen laufe der derzeitige Businessplan des Flughafens darauf hinaus, dass die Subventionssumme – also die Kosten des Landes für Ausbau und Betrieb des Flughafens – bis 2024 von 270,5 Mio. Euro (Ende 2015) auf 326,8 Mio. Euro ansteigt. Des Weiteren sei auch über 2024 hinaus keine Trendwende absehbar. Selbst bei einem positiven Jahresergebnis verbleibe ein strukturelles Defizit von jährlich fünf Millionen Euro.

Temporär positives Ergebnis

Lediglich durch Einmalerträge aus Grundstücksverkäufen in Höhe von 14,6 Millionen Euro sehe der Geschäftsplan im Jahr 2021 erstmals ein positives Ergebnis vor. Dass dieses Geschäft tatsächlich zustande komme, sei indes noch nicht sicher und selbst nach einem Verkauf der Grundstücke werde das geplante Ergebnis laut Businessplan im Jahr 2026 wieder negativ.

Nach den Feststellungen des Rechnungshofs blieben außerdem die aktuellen Passagierzahlen sowie die Entwicklung des Passagieraufkommens weit hinter den Zahlen anderer Regionalflughäfen und den Erwartungen zurück. Entscheidend für den Weiterbetrieb des Regionalflughafens sei die Frage, wie viele Arbeitsplätze in Folge des Ausbaus bereits geschaffen worden seien und noch geschaffen werden könnten. Nur diese Zahl sei für eine Entscheidungsfindung zweckdienlich.

Nach Einschätzung des Rechnungshofs könnten die für den Flughafen bereitgestellten finanziellen Mittel im Rahmen anderer Maßnahmen wirkungsvoller für die Förderung Nordhessens eingesetzt werden. Die Kosten seien im Verhältnis zum erwarteten Nutzen nicht angemessen.

Der Geschäftsführer des Flughafens, Lars Ernst, teilte auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass der Businessplan regelmäßig überprüft und aktuellen Entwicklungen angepasst werde. Zu laufenden, internen Prozessen wolle man sich jedoch nicht äußern. Dazu gehörten auch mögliche Grundstücksverkäufe, über die grundsätzlich erst gesprochen würde, wenn eine Realisierung bevorstehe.

„Wir arbeiten tagtäglich daran, Kassel Airport Schritt für Schritt voranzubringen“, sagte Ernst. Im Sommer sei man mit den Partnern Schauinsland-Reisen und Sundair große Schritte auf diesem Weg gegangen und habe einen erfolgreichen Sommerflugplan durchgeführt. Man freue sich, dass diese Zusammenarbeit auf Dauer angelegt sei und im Sommer 2018 ein noch umfangreicheres Urlaubsangebot gemacht werden könne.

Kritik wird lauter

Die hessische Linke und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen hatten in einer ersten Reaktion ihre Forderung untermauert, den Airport Kassel umgehend zum Verkehrslandeplatz zurückzustufen.

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