Interview: Finanzminister Thomas Schäfer (CDU)

„Die letzte Chance für Calden“: Minister zum Kassel Airport

Wiesbaden. Der Airport Kassel-Calden ist seit dem Start im Jahr 2013 krisengeschüttelt. Nach dem Rückzug von Germania wird nun die Fluggesellschaft Sundair zum Hoffnungsträger des Regionalflughafens. Über dessen Perspektiven sprachen wir mit Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU).

Hohe Kosten – mangelnde Auslastung. Müssen Sie die Suppe auslöffeln, die Roland Koch mit dem Airport Kassel-Calden eingebrockt hat?

Thomas Schäfer: Der Flughafen war ein gemeinsam von der Regierung getragenes Projekt. Insofern ist es keine Frage des Auslöffelns, sondern des Versuchs, die bestehenden Probleme zu bewältigen.

Beerdigt die hessische Landesregierung den Flughafen zugunsten des grünen Koalitionspartners?

Schäfer: Nein. Union und Grüne hatten und haben unterschiedliche Positionen zum Kassel Airport, aber wir haben in der Koalitionsvereinbarung klare Verabredungen getroffen, an die wir uns halten.

Die Fluggesellschaft Sundair wird ab 2017 touristische Ziele ansteuern. Ist das die Lösung der Probleme?

Landtag Hessen - Thomas Schäfer

Schäfer: Die neue Entwicklung ist eine sehr gute Chance. Aber allen Beteiligten ist auch klar, dass es die letzte Chance ist, an diesem Flughafen touristischen Verkehr auf Dauer zu etablieren. Wenn das nicht funktioniert, dann ist auf Landesseite klar, dass am Ende die Herabstufung zu einem Verkehrslandeplatz steht.

Dann wären 280 Millionen Euro verbrannt.

Schäfer: Ich rede im Moment nicht über die Herabstufung, sondern darüber, dass wir jetzt die Chance nutzen, den touristischen Flugverkehr zu entwickeln. Das Konzept von Schauinsland ist gut für den Flughafen und gut für die Region. Zudem hätte auch der alte Flughafen so nicht weiter bestehen können, sondern von Grund auf saniert werden müssen. Das wäre auch nicht sehr viel günstiger geworden. Jetzt gilt: Blick nach vorne!

Plant Sundair über den Sommer 2017 hinaus?

Schäfer: Wer ein Flugzeug in Kassel stationiert, plant langfristig. Darin sind sich beide Beteiligten einig. Aber natürlich schauen beide Seiten auch auf die jeweiligen Ergebnisse einer Flugperiode. Läuft der Sommer aber gut an, dann kann sich die Region auch auf einen Flugplan zum Winter 2017 freuen.

Bislang haben sich alle Fluggesellschaften aus Calden zurückgezogen. Warum sollte Sundair sich etablieren?

Schäfer: Weil Sundair erstmalig mit Schauinsland einen großen etablierten Reiseveranstalter an seiner Seite hat. Das ist erstmals die Chance, dort in einer durchgehenden Vermarktungskette erfolgreich sein zu können. Dass es das Potenzial dazu in der Region gibt, ist ja in der Vergangenheit häufig untersucht und bestätigt worden. Es gilt, dieses Potenzial zu heben.

Welche Auswirkungen hat die neue Entwicklung auf die Evaluierung 2017?

Schäfer: Wenn Sundair erfolgreich fliegt, ist es eine völlig andere Ausgangssituation, als wenn dort für den touristischen Verkehr kein Bedarf mehr wäre. Beides wären eindeutige Fingerzeige für die Evaluierung: entweder in Richtung Verkehrsflughafen oder Verkehrslandeplatz.

Wie lang ist Airport-Chef Ralf Schustereder nach den Turbulenzen um ihn noch tragbar?

Schäfer: Die Frage finde ich vor dem Hintergrund, dass es der Geschäftsführung gerade gelungen ist, mit etablierten Geschäftspartnern einen nachhaltigen Vertragsabschluss zu erreichen, ungewöhnlich. Für die Beurteilung der Arbeit einer Geschäftsführung muss deren Leistungsbilanz herangezogen werden. Im Moment sehe ich, dass die Geschäftsführung erfolgreich einen bedeutenden Vertragsabschluss getätigt hat.

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Rubriklistenbild: © dpa

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