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Kita im Kreis Kassel sucht offenbar auf Impfgegner-Portal nach neuen Mitarbeitern

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Von: Amira Sayed El Ahl, Matthias Müller

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Das Kinderhaus in Calden: Der Neubau wurde 2013 eingeweiht, die Einrichtung gilt als feste Institution in der Gemeinde – und steht aktuell in der Kritik. (Archivbild)
Das Kinderhaus in Calden: Der Neubau wurde 2013 eingeweiht, die Einrichtung gilt als feste Institution in der Gemeinde – und steht aktuell in der Kritik. (Archivbild) © Marcus Janz

Im Kreis Kassel sorgt eine Jobanzeige der privaten Kita „Kinderhaus“ für Wirbel. Es werden unter anderem Falschinformationen zu den Corona-Impfungen verbreitet.

Calden/Ahnatal – In der Stellenanzeige wurden pädagogische Fachkräfte für den Einsatzort Calden gesucht – auf einem Internetportal, das sich explizit an Menschen richtet, die nicht gegen Corona geimpft sind und das Falschinformationen zu den Impfungen verbreitet. Kurz nach einer Anfrage unserer Zeitung beim Kinderhaus wurde die Anzeige gelöscht.

„Impffrei.work – Die Alternative Jobbörse“ heißt das Portal. Die Internetseite ist mittlerweile bundesweit in den Blick von Medien wie Spiegel Online geraten. Dort wird gegen die Impfungen Stimmung gemacht. Von einer „sogenannten Pandemie“ ist die Rede, während vielerorts Fallzahlen dramatisch steigen und Klinikpersonal für die Versorgung von Covid-Patienten über die Belastungsgrenze gehen muss. Mit Aussagen wie „Experten gehen mittlerweile davon aus, dass Impfstoffe nicht nur unwirksam sind, sondern dass mRNA ,Impfstoffe’ dem Menschen schwere gesundheitliche Schäden zufügen können“ schürt die Seite Ängste, während der breite Konsens der Wissenschaft Impfen als Weg aus der Pandemie sieht.

Kreis Kassel: Kita „Kinderhaus“ äußert sich bisher nicht zu der Stellenanzeige

Warum ausgerechnet in einem solchen Umfeld eine Jobanzeige des Kinderhauses auftaucht, dazu hat sich die Einrichtung auf eine umfangreiche HNA-Anfrage nicht geäußert. Anderen Medien gegenüber verwies man auf die Gemeinde für Auskünfte – was in der Verwaltung, angesichts der privaten Trägerschaft der Kita, für Irritationen sorgte.

Auch beim Messengerdienst Telegram wurde ein ähnliches Jobangebot für eine „Kinderkrippe in Calden“ veröffentlicht – in der Gruppe der sogenannten „Freien Bürger Kassel“, wo unter anderem Verschwörungstheorien geteilt werden. Eltern wiesen die Redaktion zudem auf einen Aushang an der Tür der Kita in Calden hin, mit dem Unwahrheiten über die Corona-Impfung bei Kindern verbreitet werden – vom Verein „Kinderrechte Jetzt“, der im Internet Blanko-Strafanzeigen gegen Lehrer, Ärzte und Schulleiter bereithält, die sich an der Impfkampagne beteiligen, „wegen Körperverletzung bis hin zu Tötungsdelikten“.

Kreis Kassel: Kommunen distanzieren sich von Jobinserat

Die Kommunen, die für die Kinderbetreuung jährlich Hunderttausende Euro an das Kinderhaus zahlen, distanzieren sich von dem Jobinserat und sprechen von einem „völlig falschen Signal“. Rechtlich sehe man aber derzeit keine Möglichkeit einzuschreiten. Das sieht auch der Landkreis Kassel ähnlich, wo beim Fachbereich Jugend die Kita-Aufsicht liegt. Die beiden Bürgermeister Maik Mackewitz (Calden) und Stephan Hänes (Ahnatal) betonen allerdings in einer gemeinsamen Pressemitteilung: Es werde geprüft, wie man auf die Verantwortlichen Einfluss nehmen könne. „Wir verlangen von einer Einrichtung, die als Kooperationspartner in unseren Gemeinden Verantwortung für die Betreuung von kleinen Kindern hat, dass alles für den Schutz der Mitarbeiter und der Kinder getan wird.“

Aus der Elternschaft in Calden hat man sich aufgrund des Aushangs und des Jobinserats namentlich an die HNA gewandt, bei einer Veröffentlichung aber um Anonymisierung gebeten, da man sonst Probleme für den eigenen Nachwuchs befürchtet. Demnach gebe es Unruhe unter den Eltern, es herrsche nach Bekanntwerden des Inserats und wegen des Aushangs Fassungslosigkeit, bisher sei man doch so zufrieden mit der Einrichtung gewesen. Einige hätten schon die Betreuungsverträge gekündigt. Andere hätten dies vor oder die Kinder in dieser Woche bereits kurzfristig aus der Einrichtung in Calden genommen, deren Schließung für Freitag (26.11.2021) „aufgrund des hohen Krankenstandes beim Personal“ den Eltern am Donnerstag (25.11.2021) per Mail angekündigt worden war. (Matthias Müller, Amira El Ahl)

Verein als Träger, Geld von Kommunen

Betreiber des Kinderhauses ist der Verein „Kleine Schritte – Große Sprünge Kinderhaus“. Nach eigenen Angaben bietet er als Träger von drei Kindertageseinrichtungen 84 Plätze an den Standorten Calden und Ahnatal. Freie Träger wie das Kinderhaus übernehmen Aufgaben der Kinderbetreuung für Kommunen gegen Ausgleichszahlung, Calden beispielsweise zahlt dafür (nach einer erst im Juli beschlossenen Erhöhung) künftig zwischen 350.000 und 400.000 Euro pro Jahr.

Währenddessen haben die Impfzentren in der Region Kassel mit dem großen Ansturm der Impfwilligen zu kämpfen. Mehrere hunderte Menschen warten in langen Schlagen auf ihre Corona-Impfung.

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