Calden muss Defizite reduzieren

Kommentar zu neuen Flughafen-Plänen: "Politisches Kasperle-Theater"

Es klingt wie ein schlechter Witz, ist aber ernst gemeinte Politik: Die Betreibergesellschaft des Flughafens Kassel-Calden soll aufgefordert werden, ihr Defizit um mindestens zehn Prozent pro Jahr zu reduzieren. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Tibor Pézsa

Nur mal ein paar Zahlen: 270 Millionen Euro hat der Flughafen gekostet. Seit Oktober ist keine einzige Linienmaschine mehr gestartet. Vielleicht fliegt wieder eine im April.

Solange können rund 140 Mitarbeiter in Calden nur für den Fall üben, dass sie vielleicht ja doch mal gebraucht werden. Bezahlt werden müssen sie aber natürlich jetzt schon.

Lesen Sie auch:

Daumenschrauben für Flughafen: Calden muss Defizit erheblich reduzieren

Unter dem Strich macht das bis Ende des Jahres zwischen 6,5 und 7 Millionen Euro Miese, zu zahlen vom Land Hessen, der Gemeinde Calden sowie von der Stadt und dem Kreis Kassel - alle für ihre enorme Finanzkraft berühmt. Und auch im nächsten Jahr wird Kassel-Calden wieder eine krasse Schuldenmaschine sein. Und im darauffolgenden Jahr auch wieder. Und so weiter.

Herzlich hat man unlängst in Calden gelacht, als EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia ankündigte, dass Regionalflughäfen wie Kassel-Calden in ein paar Jahren ganz ohne staatliche Beihilfen auskommen müssten. Nun also erstmal jedes Jahr zehn Prozent weniger ausgeben?

Mit Verlaub: Diese Vereinbarung von Schwarz-Grün ist Kasperletheater statt Politik. Denn die eigentliche Frage wird von den schwarz-grünen Unterhändlern auf 2017 verschoben, denn dann kann man damit wieder ordentlich Wahlkampf inszenieren: Dann soll darüber gesprochen werden, welche Perspektiven Kassel-Calden so hat. Da sind wir aber mal gespannt.

Bilder aus der Geschichte des Flughafens Kassel-Calden

Kassel-Calden
Die Wurzel des neuen Airports liegen in der Fulda-Aue zwischen Waldau und Lohfelden. © 
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Dort entstand in den 20er-Jahren ein Flugplatz, der 1924 eröffnet wurde. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
In Kassel-Waldau starteten und landeten die Flugzeuge viele Jahre auf dem Rasen. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Von 1930 bis 1945 diente er dem Flugzeugbauer Fieseler als Werksflugplatz. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
In den 60er-Jahren drängte die Wirtschaft die Stadtväter zur Suche nach einem neuen Standort. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Das verkehrsgünstig gelegene Gelände in Waldau wurde als Wohn- Gewerbe- und Industriefläche gebraucht. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Fündig wurde die Stadt schließlich in Calden, wo Otto Freiherr Wolff von Gudenberg 1968 rund 200 Hektar Land zum Kauf anbot. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Nur zwei Jahre später, am 19. Juli 1970, wurde der Verkehrslandeplatz Kassel-Calden eröffnet. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Bereits in der Bauphase bildete sich in den Caldener Ortsteilen Ehrsten und Fürstenwald eine Bürgerinitiative gegen das Projekt. Allerdings konnte sie es nicht verhindern. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Schon bald entwickelte sich ein reger Flugbetrieb. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Neben Charterflügen nach Dalamatien im damaligen Jugoslawien sowie zu anderen Mittelmeerzielen wurden Linienflüge nach Berlin, Köln-Bonn, München und Düsseldorf angeboten. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Pause: Bauarbeiter nehmen sich am Flughafen Kassel-Calden eine leine Auszeit. Das Foto entstand 1969. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Tankstopp auf dem Flughplatz in Kassel-Waldau © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
1972 flogen ab Calden Flugzeuge nach Dalmatien. Eines trug den Namen des Caldener Ortsteils Meimbressen. Unser Foto zeigt Stewardess Barbara Hille (Mitte) aus Kassel mit Kolleginnen. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
 © HNA-Archiv

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.