Weil die Leute vorher Bescheid wussten

Blitz-Marathon der Polizei: Fahrer hielten sich an Tempo-Limits

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Autos im Blick: In Calden kontrollierte die Hofgeismarer Polizei den Verkehr auf der B 7. Vorne stehen Polizeioberkommissar Hagemeier als Messbeamter am Lasermessgerät und daneben Polizeioberkommissar Hummel als Protokolleur, der auf einer zweiten Anzeige außen am Gerät die angesagten Werte überprüft und dann zusammen mit Kennzeichen und Fahrzeugtyp in eine Liste einträgt.

Calden/Schöneberg. Zwar gibt es eine Schikane auf der B7 vom Schäferberg hinab, doch immer noch fahren viele mit deutlich mehr als Tempo 50 in den Ort. Bei der Tempomessaktion am Donnerstag war davon eine Stunde lang nichts zu spüren.

Vormittags von 10.45 bis etwa 11.45 Uhr kontrollierten hier fünf Polizisten den Verkehr, zwei zum Messen und die übrigen, um Fahrzeuge anzuhalten und zu überprüfen.

51 Stundenkilometer war die höchste Geschwindigkeit, die während der Messung angezeigt wurde. Mit seinem Lasermessgerät, das auf Distanzen zwischen einem und 1000 Meter die Fahrzeuge anpeilt und das Tempo errechnet, las Polizeioberkommissar Hagemeier fast durchweg Geschwindigkeiten um die 50 Stundenkilometer ab. Viele bremsen auch ungewöhnlich stark ab, wie er vorlas: „49, 48, 47...“. Die Erklärung ist einfach: Die Autofahrer wussten vorher Bescheid.

Gegenseitig gewarnt 

Etliche warnten die entgegenkommenden mit Blinkzeichen. Zudem war die Kontrollaktion über Rundfunk und Zeitungen angekündigt worden und die genauen Orte und Zeitpunkte verbreiten sich sofort nach Start der Messungen über soziale Netzwerke und Telefon. „Kürzlich war eine unserer Messungen schon nach sieben Minuten im Radio zu hören“, erzählt Oberkommissar Gmeiner. Doch das ist nicht mehr so gravierend wie früher. Im Gegensatz zu fest installierten Radaranlagen sind die Laserpistolen sehr schnell einsatzbereit und sehr flexibel. „Wir verstecken uns nicht mehr sondern zeigen uns offen. Man muss mit uns ständig und überall rechnen“, erklärt er die Haltung der Polizei, die auf Vorbeugung durch Abschreckung setzt. Das Ziel sei schon erreicht, wenn die Menschen an einem solchen Aktionstag grundsätzlich langsamer fahren.

Messgeräte unterschätzt 

Zudem wird die Leistungsfähigkeit der Lasermessgeräte, die gerade so groß sind wie eine kleine Videokamera, oft unterschätzt. Sie können nämlich nicht nur die Geschwindigkeit der sich nähernden Fahrzeuge messen, sondern auch die der wegfahrenden, also in beide Richtungen ohne Umbauten. Deshalb darf sich ein Autofahrer, der auf der Gegenspur einen von der Polizei gestoppten Pkw sieht, nicht freudig aufs Gaspedal treten - es kann ihn im nächsten Moment auch noch erwischen. So wie zwei Lkw-Fahrer in Calden. Sie wurden zwar nicht ertappt, weil sie zu schnell fuhren, aber einer war nicht angegurtet (30 Euro) und der andere telefonierte während der Fahrt mit dem Handy (60 Euro, ein Punkt in Flensburg), erspäht per Laserpistole.

Und so ganz Temposünderfrei ging der Tag auch für diese Beamten nicht zu Ende. Bei der zweiten Messung auf der B 83 in Schöneberg waren drei Autos bis zu 20 km/h zu schnell (15 und 25 Euro) und einer fuhr 71 statt 50 Km/h, was ihm eine Anzeige, 80 Euro Strafe und einen Punkt in Flensburg einbrachte.

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