Winter-Varieté hatte Premiere

Konzertscheune: Klamauk trifft Poesie

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Rollentausch: Bei der Partnerakrobatik von „2 Trux“ trägt sie ihn. 

Ehrsten. Vom landwirtschaftlichen Nutzbau zum Kleinkunstpalast mit rustikalem Charme: 25 Jahre besteht die Konzertscheune Calden im Ortsteil Ehrsten: Nun feierte wieder das Winter-Varieté Premiere.

Hochklassige Artistik geht hier über die Bühne, und auch Direktor Berthold Braun begeistert mit einem Spagat: Traditionelle Kulisse verbindet sich mit technisch topmoderner Ausstattung zu einem Veranstaltungsort, an den sich angesagte Akteure aus der internationalen Kleinkunstszene gerne engagieren lassen. Aushängeschild ist das alljährliche Winter-Varieté, das nach Konzertscheunenanfängen nur mit Einzelkünstlern jetzt seine 22. Saison erlebt. Am Donnerstagabend war Premiere.

Gemeinsam mit hochkarätiger Akrobatik in luftiger Höhe und am Boden, mit Klamauk und Theaterdonner prägen diesmal mehr als in der Vergangenheit auch poetische Momente das Programm. Fassungsloses Staunen löst ein unscheinbar im Hintergrund agierender Künstler aus. Oleg Basanov lädt als Sandmann für Erwachsene zum Träumen ein, wenn er nur mit Sandkörnern eine Geschichte von Liebe, Zeit und Vergänglichkeit des Lebens erzählt. Mehr noch. Mit Taschenlampenlicht zaubert er fantastische Szenen auf Großleinwand. Unter seinen Händen kommt das Universum in die Konzertscheune, wenn sich Gestirne und Ozeanwellen zu einem traumhaften Gebilde vereinen. Stille im Publikum während des Entstehungsprozesses dieser einzigartigen Bilder wechselt mit tosendem Applaus und gellenden Pfiffen der Bewunderung.

In luftige Höhen zieht es die Akrobaten. Marc Dorffner, auch als Komiker überzeugend, beherrscht seine kippelnde Stehleiter so perfekt, dass er selbst auf der obersten Sprosse noch problemlos mit Keulen und Leuchtringen jonglieren kann. Mareike Koch macht am Trapez und an Luftbändern eine Topfigur. Ihr steht Anna Weirich in nichts nach, die Pole Dance präsentiert: faszinierende Körperkunst an der Tanzstange.

Verdrehte Welt, denkt das Publikum und amüsiert sich: Bei 2 Trux trägt sie ihn auf Händen. Das gefällt, so scheint’s, weiblichen und männlichen Zuschauern gleichermaßen. Das Künstlerpaar zeigt atemberaubende Hebefiguren und waghalsige Handstandartistik mit humorigem Augenzwinkern.

Als Künstler entpuppt sich auch, unsichtbar auf der Galerie im Einsatz, der 17-jährige Johannes Knüttel: Von ihm programmiert, taucht die neue Lasertechnik bei einer Lichtshow das Scheuneninnere in zauberhafte Farbwelten. „Fernsehen ist ja gar nichts dagegen“, entfährt es einer Zuschauerin am Ende der vielbeklatschten Zwei-Stunden-Show.

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