Faktencheck: So realistisch sind Schlitzbergers Vorschläge

Kritik an Zeltstadt für Flüchtlinge: Beberbeck könnte Alternative sein

Vorschlag von Schlitzberger: Der frühere Landrat schlägt vor, das frühere Beamtenhaus in Beberbeck als Flüchtlingsunterkunft zu verwenden.

Der frühere Landrat Dr. Udo Schlitzberger hat zwei Möglichkeiten vorgeschlagen, wie ein Teil der Flüchtlinge auf dem Flugplatz in festen Häusern untergebracht werden könnte.

Von Seiten des Landes Hessen gab es gestern keine Aussage, ob man die Ideen Schlitzbergers für umsetzbar hält. Der Brief sei offenbar noch in der Post, hieß es bei der Staatskanzlei in Wiesbaden. Das für die Zeltunterkünfte zuständige Regierungspräsidium lehnte eine Stellungnahme ab, da der Brief direkt an Bouffier gerichtet sei. Wir machen anhand von vorliegenden Informationen den Faktencheck.

Fritz-Erler-Kaserne

Auch die Fritz-Erler-Kaserne in Fuldatal ist im Gespräch.

Die Fritz-Erler-Kaserne in Fuldatal- Rothwesten wird seit 2008 nicht mehr militärisch genutzt. Trotzdem kommt der Vorschlag Schlitzbergers zu spät: Wie am Montag bekannt wurde, ist die Kaserne bei der Suche des Landes Hessen nach weiteren Standorten für die Erstaufnahme von Flüchtlingen aus dem Rennen. Das Problem: Für eine Flüchtlingsunterkunft hätten die leerstehenden Gebäude renoviert und die Versorgungsleitungen verlegt werden müssen. Das wäre zu teuer, hieß es. Aber zumindest in einem Gebäude werden künftig Flüchtlinge wohnen: Der Landkreis richtet dort eine Gemeinschaftsunterkunft ein.

Domäne Beberbeck

Die um 1829 errichteten Gebäude des preußischen Gestüts Beberbeck (Beamtenhaus, altes Herrenhaus, später Gaststätte, und eines der Speichergebäude) wurden Anfang der 1990er-Jahre umfassend saniert, um ab 1992 etwa zehn Jahre lang als Wohnheim für Aus- und Übersiedler genutzt zu werden. Die vom Regierungspräsidium verwaltete Außenstelle des Übergangswohnheims in Gießen nahm jährlich bis zu 500 Spätaussiedler auf. Das Wohnheim mit zahlreichen Zimmern in Familiengröße wurde ab 2002 geschlossen.

Schlitzberger hatte als Landtagsabgeordneter schon 1989, vor den Grenzöffnungen, vorgeschlagen, in den seit Jahren leerstehenden, aber denkmalgeschützten Landesgebäuden ein Sport- und Tagungshotel einzurichten. Zuvor hatte das Land eine Million Euro in die Instandhaltung investiert. Nach Aufgabe des Wohnheims befinden sich die Gebäude in gutem Zustand. Drei Räume sind an einen Verein vermietet.

Fazit

Dass es sich das Land bei der Fritz-Erler-Kaserne noch anders überlegt, ist unwahrscheinlich. Aber Beberbeck könnte möglicherweise für einen Teil der Flüchtlinge vom Flugplatz eine warme Alternative für den Winter sein. Allerdings hatte das Land bisher immer betont, man wolle Flüchtlinge in der Erstaufnahme nicht verteilen, weil es schwierig sei, sie dann wieder einzusammeln, wenn sie die Erstaufnahme verlassen müssen.

Lesen Sie auch:

- Flüchtlinge: Schlitzberger wendet sich in offenem Brief an Bouffier

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.