Schloss Wilhelmsthal

Krötenwanderung: Deutlich weniger Kröten als in den Jahren zuvor 

Gerettet: In diesem Jahr sammelten die Tierschützer mehr männliche Kröten als weibliche.

Calden. Nach dem Kälteeinbruch im März sind Kröten und Molche jetzt wieder unterwegs zu ihren Laichgewässern. 

Und damit steht wieder der Amphibienschutz auf dem Tagesprogramm von Gerlinde Yakisikli: Seit mehreren Jahren ist die 68-jährige Nabu-Mitglied und versucht, die wandernden Kröten bei Schloss Wilhelmsthal vor dem Überfahren zu retten. Dafür baute Yakisikli bereits Anfang März mit weiteren Helfern eine etwa 25 Zentimeter hohe und 500 Meter lange mobile Amphibienanlage entlang der Straße, um den Kröten den Weg zur Straße zu versperren. In eingegrabenen Eimern hinter dem Zaun können die Tierschützer die Amphibien auffangen und dann sicher zu den Laichgewässern bringen.

Bringen die Amphibien ins Laichgewässer: Gerlinde Yakisikli (68) (links) und Doris Heinzemann (61) nach der Krötenwanderung. Sie bringen die Amphibien zum Brandteich bei Schloss Wilhelmsthal. Fotos: Hanert

 Wie viele Kröten wurden bisher gesammelt?

 Bisher haben die Helfer in Wilhelmsthal etwa 600 Kröten und Molche eingesammelt und in die Nähe zum Brandteich gebracht.

 Wie hoch ist der Tagesdurchschnitt?

An einem Tag sammelten die Helfer 150 Amphibien. Im Schnitt waren es bislang aber 20 bis 30 pro Tag.

 Sind das genau so viele Amphibien wie in den vergangenen Jahren?

Nein. Noch in den Jahren 2011/2012 waren es im Durchschnitt 2000 Amphibien, die Tierschützer eingesammelt haben. In diesem Jahr rechnen die Helfer mit knapp 900 Amphibien, also etwas weniger als die Hälfte.

Woran liegt es, dass die Tierschützer weniger Kröten sammeln?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Der Artenschwund lässt sich beispielsweise durch Kälte, den Einsatz von Glyphosat in der Natur oder aber Erdarbeiten mit Kabelverlegungen in den vergangenen Jahren erklären.

Worauf sollte man als Autofahrer achten?

Besonders in der Dämmerung und bei Nacht bittet der Nabu die Autofahrer, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Der entstehende Strömungsdruck eines Autos bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h reicht aus, um die Tiere zu töten, auch ohne Direktkontakt.

Ist eine stationäre Amphibienanlage mit Tunnelsystem in Planung?

Bisher noch nicht. Der Naturschutzbund Hessen hat dafür aber bereits einen Antrag gestellt.

Wie viele Amphibien rettet man durch diese Aktion?

Von etwa 6000 Eiern, die eine Erdkröte legt, überleben bis zum nächsten Jahr etwa sechs Kaulquappen und werden zu Kröten. Die anderen werden von natürlichen Feinden, etwa Fischen und Vögeln, gefressen.

Wie lange wandern die Amphibien?

!Amphibien legen bei ihrer Wanderung durchschnittlich eine Strecke von drei bis sechs Kilometern zurück und benötigen dafür etwa eine Woche. Da Amphibien nachtaktiv sind, wandern sie meistens in der Dunkelheit und schaffen dann etwa 600 Meter Strecke.

Wie ist das Verhältnis Molch/Kröte?

In diesem Jahr waren es nach Beobachtung von Yakisikli mehr Molche als Kröten. Bei den Kröten war das Verhältnis von Männchen zu Weibchen etwa 3:1. Bei den Molchen ist es umgekehrt.

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