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Lieferengpässe sorgen für Umstrukturierung der Anlagen im Kreis

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Von: Stefanie Lipfert

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Arbeiten bei der Kläranlage: Frank Leisen, technischer Betriebsleiter (vorne), und die Mitarbeiter Pascal Dippel (rechts) und Sven Tanzer (oben) sorgen in der Verbandskläranlage Lamerden für sauberes Wasser.
Arbeiten bei der Kläranlage: Frank Leisen, technischer Betriebsleiter (vorne), und die Mitarbeiter Pascal Dippel (rechts) und Sven Tanzer (oben) sorgen in der Verbandskläranlage Lamerden für sauberes Wasser. © Stefanie Lipfert

Schon vergangenes Jahr zeichnete sich ein Mangel an Fällmitteln der Kläranlagen im Kreis Kassel statt - Dies führt aktuell zu Umstrukturierungen.

Den Klärwerken fehlt es an Chemie. Auch im Kreis Kassel wird dies zunehmend zu einem Problem. Der Grund: Die Klärwerke benötigen Fällmittel zur chemischen Reinigung des Abwassers. Wegen der hohen Energiekosten wird seit Monaten weniger Salzsäure produziert, dies beeinflusst die Produktion von Eisen- und Aluminiumsalzen. Sie werden in den Klärwerken zur Bindung von Phosphaten im Abwasser benötigt, um Verunreinigungen aus dem Wasser zu entfernen.

Der Mangel an Fällmitteln zeichnete sich bereits vergangenes Jahr ab -– die Klärwerke haben auf die aktuelle Situation reagiert und Lösungen gesucht: Die Lage im Klärwerk Hofgeismar sei zwar aktuell nicht kritisch, jedoch angespannt, teilt Bauamtsleiter Dirk Lindemann mit. „Im vergangenen halben Jahr gab es bei den Fällmitteln leichte Lieferverzögerungen.“

Aufgrund der guten Planung habe man die Lagerbestände sichern können. Wegen mangelnder Verfügbarkeit musste vergangenen November dennoch auf andere Fällmittel umgestellt werden: Anstatt Aluminiumchlorid wird im Werk nun Aluminiumsulfat genutzt – neben dem herkömmlichen Eisen-III-Chlorid. Nach Angaben des Klärwerks sind noch etwa 27 Tonnen Eisen-III-Chlorid und 13 Tonnen Aluminiumsulfat auf Lager. Diese Fällmittel würden noch 15 Wochen reichen, sagt der Bauamtsleiter.

Umsichtige Bestellungen konnten Mangel an Fällmitteln entgegenwirken

Ähnliche Probleme hatte die Kläranlage Wolfhagen: „Ende September hatte das Klärwerk Probleme, Fällmittel zu beschaffen“, sagt Abwassermeister Martin Schüler. Vor der Krise nutzte das Klärwerk als Fällmittel Eisen-III-Chlorid. „Die Firma, die uns bis dato mit den Chemikalien versorgte, konnte nicht liefern“, sagt Schüler. Aktuell werde das verunreinigte Wasser mit Aluminiumsulfat behandelt. Das Klärwerk besitze 25 Tonnen Fällmittel, das für die nächsten acht Wochen reiche. Da die Lieferengpässe mittlerweile überstanden seien, solle wieder auf Eisen-III-Chlorid umgestiegen werden.

Trotz Lieferengpässen konnte die Kläranlage Lamerden einen Fällmittelmangel umgehen, berichtet der technische Betriebsleiter Frank Leisen. „Die Kollegen haben umsichtig bestellt.“ Der Vorrat an Eisen-III-Chlorid und Aluminiumchlorid reiche bis Oktober. Ganz anders sieht die Lage in Baunatal aus: Nach Angaben des Klärwerkes gibt es keinen Mangel an Fällmitteln zu verzeichnen. Dies wurde von den Lieferanten nochmals bestätigt.

Verbandskläranlage Lamerden reinigt Abwasser von etwa 10 000 Einwohnern

Ob nach dem Waschen, Duschen oder nach dem Toilettengang: Täglich fließt Schmutzwasser in die Kanalisation. Doch wo kommt es an? Die Verbandskläranlage Lamerden ist für das Abwasser aus drei Kommunen verantwortlich. Als Abwasserverband entsorgt die Kläranlage das Abwasser der Ortsteile Fürstenwald, Ehrsten, Meimbressen, Westuffeln und Obermeiser der Gemeinde Calden. Hinzu kommen Ober- und Niederlistingen (Breuna) und das gesamte Stadtgebiet mit allen Ortsteilen von Liebenau.

Täglich reinigt das dreiköpfige Team der Kläranlage bis zu 8000 Kubikmeter Wasser. Dabei finden die Fachkräfte für Abwasser häufig Kurioses in den zu reinigenden Gewässern: „Das Ungewöhnlichste, was hier in der Anlage ankam, waren eine Boxershorts und ein BH“, erzählt Frank Leisen, Technischer Betriebsleiter der Kläranlage Lamerden. „Wie so etwas im Abfluss landet, ist mir rätselhaft.“

Generell sei das Entsorgen von Gegenständen im Abfluss ein großes Problem, erklärt Leisen. Prinzipiell sollten keine Feuchttücher, Küchenpapier, Putzlappen oder Hygieneartikel in der Toilette entsorgt werden. Textilien, Verpackungsmaterial und sonstige Gegenstände blockieren die Pumpen der Kläranlagen.

Das Nachklärbecken: Hier wird der belebte Schlamm vom gereinigten Abwasser getrennt.
Das Nachklärbecken: Hier wird der belebte Schlamm vom gereinigten Abwasser getrennt. © Lipfert, Stefanie

So funktioniert die Abwasserreinigung in der Verbandskläranlage Lamerden

Das Zulaufpumpwerk

Die Kanäle leiten das Wasser zu dem Zulaufpumpwerk der Kläranlage. Das Abwasser sammelt sich in einem Becken und wird von dort aus über Pumpen und Druckleitungen zur Rechenanlage befördert.

Die Rechenanlage

Die Rechenanlage hält grobe Verunreinigungen des Abwassers wie Textilien, Hygieneartikel und Verpackungsmaterial über automatische Rechen zurück. Die Schmutzstoffe werden entwässert und in Spezialcontainern gesammelt und auf der Deponie entsorgt.

Rechenanlage und Sandfang: Im ersten Schritt entfernt die Rechenanlage die Grobstoffe aus dem Abwasser.
Rechenanlage und Sandfang: Im ersten Schritt entfernt die Rechenanlage die Grobstoffe aus dem Abwasser. © Lipfert, Stefanie

Der Sandfang

Nun durchfließt das Wasser den Sandfang: Dort setzen sich grobe mineralische Stoffe wie Sand, Kies und Steine am Boden ab. Schildräumer schieben die abgesetzten Stoffe zu einem Trichter. Der Sand gelangt in die Rechenhalle, wo vor der Entsorgung der Schmutz herausgewaschen wird. In dem Fettfang wird durch eine Belüftung das Fett aus dem Abwasser separiert.

Das Vorklärbecken

In dem Vorklärbecken lassen sich leichte Schlammteilchen vom Wasser trennen. Die Schlammteilchen setzen sich am Beckenboden ab und die schwimmfähigen Teile sammeln sich an der Wasseroberfläche. Die abgesetzten Stoffe werden abgetrennt und der Schlamm in dem Schlammeindicker zwischengespeichert und anschließend zur Schlammbehandlung gepumpt.

Das Belebungsbecken

Durch Pumpen fließt das Abwasser in die nächste Station: In dem Belebungsbecken kommen die besagten Fällmittel zum Einsatz: Sie werdem Becken beigefügt und entfernen das Phosphor aus dem Wasser.

„In der Kläranlage Lamerden benötigen wir ungefähr 50 Tonnen Fällmittel im Jahr“, sagt der Betriebsleiter. Neben der chemischen Reinigung wird das Wasser biologisch behandelt: Bakterien und andere Mikroorganismen entfernen gelöste organische Verschmutzungen und Stickstoff.

Das Nachklärbecken

Das Nachklärbecken: Hier wird der belebte Schlamm vom gereinigten Abwasser getrennt.
Das Nachklärbecken: Hier wird der belebte Schlamm vom gereinigten Abwasser getrennt. © Lipfert, Stefanie

Im Nachklärbecken hat der belebte Schlamm mehrere Stunden Zeit, sich abzusetzen. Der belebte Schlamm wird vom gereinigten Abwasser getrennt. Der abgesetzte Schlamm wird in den Schlammtrichter befördert.

Die Schlammbehandlung

Der bei der Klärung des Abwassers angefallene Klärschlamm gelangt in den Faulturm und wird dort ausgefault. Danach fließt der behandelte Schlamm in die Schlammpresse und wird dort entwässert. „Die Konsistenz des Schlammes erinnert an Kaffeesatz“, sagt Leisen. Der entwässerte Schlamm wird im Schlammlager aufbewahrt. Landwirte nutzen den geruchlosen Klärschlamm als Dünger.

Die Qualitätsprüfung

„Wichtig ist, was hinten raus kommt“, das ist die Devise des Betriebsleiters. Denn in der Verbandskläranlage stehe die Qualitätsprüfung des Wassers an oberster Stelle. Täglich werden in dem Labor die Wasserwerte gemessen und überprüft – auch am Wochenende und feiertags. „Die Abwasserreinigung ist ein wichtiges Thema, denn wir als Fachkräfte für Abwassertechnik betreiben, wenn man so will, aktiven Umweltschutz“, sagt Leisen. Was viele nicht wüssten: „Das gereinigte Abwasser wird in die Diemel geleitet und mündet in Bad Karlshafen in die Weser. Von da aus gelangt das Wasser in die Nordsee.“ Stefanie Lipfert

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