Familie aus Sachsenhausen betroffen

Massenschlägerei in Calden: Audi beschädigt - Keiner zahlt

Bleibt auf Schaden sitzen: Ralf Meyers Audi wurde bei der Massenschlägerei beschädigt. Foto: Höhne

Sachsenhausen. Vom Gelände der angrenzenden Fallschirmschule wird eine Familie aus Sachsenhausen Zeuge der Massenschlägerei im Flüchtlingslager in Calden vor einer Woche. Dabei wird auch ihr Auto beschädigt.

„Diesen Tag werden wir nie vergessen“, sagt Ilona Meyer. Sohn Dean hat zum 18. Geburtstag einen Tandemsprung mit dem Fallschirm gewonnen. Von der Terrasse der Fallschirmschule in Calden aus hört die Familie, „dass da was los ist“, erinnert sich Ralf Meyer. Plötzlich stürmen 70 bis 100 Männer aus der Verpflegungshalle und kehren wenige Augenblicke später mit Stöcken bewaffnet aus ihren Zelten zurück. „Das war etwa 30 Meter entfernt von uns.“

Dann geht es mit Schlagstöcken, Fäusten und Wurfgeschossen richtig zur Sache, Einsatzkräfte der Polizei haben einen schweren Stand, und das „Tatütata“ der Rettungsfahrzeuge dröhnt über das Gelände. Der silberne Audi der Sachsenhäuser steht mitten im Getümmel.

Wie bei der Massenschlägerei eine Blechkiste und Campingstühle auf die Motorhaube fliegen und ein Security-Mitarbeiter von einem Geschoss getroffen neben dem Auto zu Boden sinkt, das schaut sich die Familie später auf Videos im Internet an. Meyer ist noch immer fassungslos über die Eskalation. Sein Audi A 6 trägt Kratzer am Kotflügel und Beulen auf Alu-Motorhaube und A-Säule zwischen Windschutz- und Fahrerscheibe davon, der Kühlergrill ist gebrochen. Auf 5000 Euro schätzt er den Schaden.

„Auf den Kosten bleibe ich sitzen, denn dafür kommt keiner auf“, hat der 52-Jährige erfahren. „Asylbewerber sind nicht versichert, und das Regierungspräsidium zahlt auch nicht.“ Den Schaden würde nur eine Vollkaskoversicherung übernehmen, wenn er denn eine hätte. „Die habe ich aber vor einigen Monaten auf Teilkasko umgestellt.“

Über seine Rechtsschutzversicherung will er einen Anwalt beauftragen und erhält eine weitere Abfuhr, weil der Täter nicht bekannt ist.

So bleibt am Ende Kopfschütteln zurück über Menschen, die in einem Gastland Zuflucht suchen, und selbst anderen Gewalt und Unheil zufügen. Und ein Stück weit Hilflosigkeit in einem Land, in dem alles geordnet schien. „Es kann doch nicht sein, dass dafür niemand zuständig ist.“

Unsere Zeitung fragte im Kasseler Regierungspräsidium nach, wer für Schäden von Asylbewerbern haftet. Michael Conrad von der Pressestelle sagte dazu: „Dazu kann ich beim besten Willen keine Auskunft geben. Ich denke, der Betroffene wird das am besten selbst in Erfahrung bringen können.“

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