Pläne: Jede zweite Stunde ein Bus

Mehr Konkurrenz für Calden: Schnellbus soll Flughafen Paderborn anfahren

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Bus am Flughafen Calden: Die Konkurrenz zwischen den Airports Calden und Paderborn verschärft sich, wenn die neue Schnellbuslinie von Kassel nach Paderborn kommt.

Calden/Paderborn. Die Konkurrenz zwischen dem Flughafen Kassel-Calden und dem Flughafen Paderborn könnte sich ab Juli verschärfen. Dann soll es eine direkte Busverbindung des Paderborner Airports nach Kassel geben. Ein entsprechendes Genehmigungsverfahren läuft.

Das bestätigt die Deutsche Bahn, deren Tochterunternehmen, die BBH Bahnbus Hochstift, den Bus anbieten soll.

Demnach könnte schon ab dem übernächsten Monat ein Schnellbus vom Flughafen Paderborn den Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe und den Hauptbahnhof Kassel anfahren. Die Fahrtdauer soll rund eineinhalb Stunden betragen. Über den Preis ist noch nichts bekannt. Die Pläne sind ehrgeizig: Alle zwei Stunden soll ein Fahrzeug verkehren.

Damit würde sich die Anbindung Kassels an Paderborn deutlich verbessern: Reisende aus Kassel könnten bequem zum Flughafen Paderborn – ohne Umsteigen. Ob man gezielt Fluggäste aus Kassel als Kunden sieht – dazu gab es weder von der Deutschen Bahn noch dem Flughafen bisher eine Aussage.

Eine Fernbuslinie ergibt aber Sinn, weil der Flughafen Paderborn kürzlich seine Parkplätze kostenpflichtig gemacht hat. Und Paderborn hatte im vergangenen Jahr keine Schlagzeilen durch Flugausfälle produziert. In Diemelstadt, wo der Bus halten soll, wurde im Parlament angesichts der geplanten Busverbindung bereits gescherzt, dass der „Flughafen Kassel-Calden zumachen kann“.

Das ist allerdings übertrieben: Mit der Verbindung von Kassel nach Calden kann der Schnellbus nach Paderborn nicht mithalten. Die Buslinie 100 des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) fährt vom Bahnhof Wilhelmshöhe in 38 Minuten zum Flughafen Calden. Das dafür nötige Ticket kostet gerade einmal 3,50 Euro. Per Multiticket für 7,50 Euro kommt sogar eine fünfköpfige Familie günstig zum Flugzeug.

Bilder aus der Geschichte des Flughafens Kassel-Calden

Kassel-Calden
Die Wurzel des neuen Airports liegen in der Fulda-Aue zwischen Waldau und Lohfelden. © 
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Dort entstand in den 20er-Jahren ein Flugplatz, der 1924 eröffnet wurde. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
In Kassel-Waldau starteten und landeten die Flugzeuge viele Jahre auf dem Rasen. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Von 1930 bis 1945 diente er dem Flugzeugbauer Fieseler als Werksflugplatz. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
In den 60er-Jahren drängte die Wirtschaft die Stadtväter zur Suche nach einem neuen Standort. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Das verkehrsgünstig gelegene Gelände in Waldau wurde als Wohn- Gewerbe- und Industriefläche gebraucht. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Fündig wurde die Stadt schließlich in Calden, wo Otto Freiherr Wolff von Gudenberg 1968 rund 200 Hektar Land zum Kauf anbot. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Nur zwei Jahre später, am 19. Juli 1970, wurde der Verkehrslandeplatz Kassel-Calden eröffnet. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Bereits in der Bauphase bildete sich in den Caldener Ortsteilen Ehrsten und Fürstenwald eine Bürgerinitiative gegen das Projekt. Allerdings konnte sie es nicht verhindern. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Schon bald entwickelte sich ein reger Flugbetrieb. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Neben Charterflügen nach Dalamatien im damaligen Jugoslawien sowie zu anderen Mittelmeerzielen wurden Linienflüge nach Berlin, Köln-Bonn, München und Düsseldorf angeboten. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Pause: Bauarbeiter nehmen sich am Flughafen Kassel-Calden eine leine Auszeit. Das Foto entstand 1969. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
Tankstopp auf dem Flughplatz in Kassel-Waldau © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
1972 flogen ab Calden Flugzeuge nach Dalmatien. Eines trug den Namen des Caldener Ortsteils Meimbressen. Unser Foto zeigt Stewardess Barbara Hille (Mitte) aus Kassel mit Kolleginnen. © HNA-Archiv
Geschichte des Flughafens Kassel-Calden
 © HNA-Archiv

Hinweis

Ursprünglich hatte der NVV 250 Fahrgäste pro Tag für die Linie 100 angegeben. Die Zahl wurde inzwischen vom NVV korrigiert.

Das Angebot wird laut dem NVV gut angenommen: Man habe laut jüngsten Zählung 700 Fahrgäste pro Tag. „Für ein Angebot, das es gerade erst in dieser Taktung gibt, ist das gut“, sagt Sprecherin Sabine Herms. Ein Fernbus nach Paderborn sei auch keine Konkurrenz, weil er nicht innerörtlich Fahrgäste befördern darf. Genau dort liegen noch die rechtlichen Bedenken gegen den neuen Paderborn-Bus, bestätigt das Regierungspräsidium Kassel: Haltestellen müssten mindestens 50 Kilometer auseinander liegen.

Selbstbewusst gibt man sich am Flughafen Kassel-Calden: „Wir begrüßen jede Form der Mobilitätsoptimierung“, heißt es. Denn eine direkte Busverbindung bedeute auch eine Verbindung von Paderborn nach Kassel. Und mit 13 Flugzielen, darunter Mallorca, Antalya, Fuerteventura oder Heraklion, habe der Flughafen Kassel-Calden sehr attraktive Reiseziele – auch für die Bewohner Ostwestfalens.

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