Polizei nimmt zur Situation Stellung

Nach Massenschlägerei in Calden kochen die Gerüchte hoch

Flüchtlingsunterkunft in Calden: Das Bild vom Montag zeigt einen Krankenwagen und einen Streifenwagen der Polizei vor dem Eingang. In der Einrichtung hatte es am Sonntag eine Massenschlägerei gegeben. Foto: Hedler

Calden. Ein Beteiligter sei gestorben, Flüchtlinge würden sich mit Metallteilen von Schildern bewaffnen: Solche Gerüchte sind nach der Massenschlägerei in der Zeltstadt Calden im Umlauf.

Die HNA hat die Polizei zu den wichtigsten Punkten befragt:

DIE VERLETZTEN 

Ein Gerücht, das in Calden umgeht: Ein Mann, ein Beteiligter an der Schlägerei am Sonntag, sei in einem Frankfurter Krankenhaus gestorben. Dies könne man definitiv entkräften, sagte Polizeisprecher Torsten Werner der HNA. Kein Beteiligter der Schlägerei sei nach Frankfurt in ein Krankenhaus eingeliefert worden, keiner der Beteiligten sei gestorben. Der Stand vom Montag sah laut Werner so aus: Von den Verletzten war noch ein einziger in einer Klinik, alle anderen waren entlassen worden. Die von Reizgas verletzten Beamten hätten nach den Vorfällen noch am Sonntag ihren Dienst fortgesetzt.

DIE SITUATION

Die Situation in der Caldener Flüchtlingsunterkunft habe sich weitgehend beruhigt, erklärte Polizeisprecher Werner weiter. Am Montag habe es einen kleineren Konflikt, eine Rangelei, bei der Ausgabe von Schuhen gegeben. Aber es sei nicht zu einer Schlägerei gekommen.

Auch hätten weder die Polizei, noch die Gemeinde Erkenntnisse darüber, dass Flüchtlinge Metallteile von Baustellenschildern als „Speere“ oder ähnliche Waffen zweckentfremdet hätten. „Wir haben keine Hinweise darauf.“ Die Polizei habe nach den Vorfällen am Wochenende auch nicht ihre Präsenz im Ort Calden verstärkt. Man betreibe den gleichen Objektschutz wie vorher, so Werner.

DIE STRAFVERFOLGUNG

Mittlerweile gebe es zwei Anzeigen gegen einen 19-jährigen Flüchtling, so der Polizeisprecher. Zum einen von einem 43-jährigen Asylbewerber. Diesen soll der Jüngere am Sonntag bei der Essensausgabe in der Zeltstadt mit der Faust geschlagen haben – letztlich soll dies der Auslöser für die folgenden Auseinandersetzungen gewesen sein. Auch ein 23-jähriger Security-Mitarbeiter, der Streitende trennen wollte, sei von dem 19-Jährigen mit der Faust geschlagen worden, auch er habe Anzeige erstattet.

Torsten Werner

Eine weitere Anzeige habe ein 20-jähriger Bewohner der Zeltstadt gegen einen 23-jährigen Flüchtling erstattet. Dieser soll ihn bei der Massenauseinandersetzung mit einer Alu-Stange geschlagen haben. Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung – und wegen Landfriedensbruch, weil er sich an der Massenschlägerei beteiligt haben soll.

Außerdem liege mittlerweile auch eine Anzeige wegen Sachbeschädigung vor, sagte Torsten Werner am Dienstag. Ein vor der Zeltstadt geparktes Auto sei am Sonntag von Gegenständen getroffen worden. Womit genau das Auto beschädigt wurde, sei allerdings unklar.

Möglicherweise könnten noch weitere Anzeigen dazukommen, beispielsweise von den Menschen, die in Krankenhäusern waren. Sie würden noch zu den Vorfällen befragt werden, sagte Torsten Werner. Zudem prüfe man im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen noch den Tatbestand des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

DIE DEMO 

Nicht nur in Calden ist das Flüchtlingsthema präsent: Friedlich sei eine rund einstündige Demo am Montagabend in Kassel verlaufen, hieß es von der Polizei weiter. Dabei versammelten sich 50 syrische Männer, Frauen und Kinder auf dem Königsplatz. Es wurden Transparente gezeigt, auf denen die Demonstranten Missstände beanstandeten, die aus ihrer Sicht in einer Flüchtlingsunterkunft in der Landesfeuerwehrschule bestehen.

Lesen Sie auch:

- Schlägerei in Caldener Zeltstadt: Anzeigen gegen Flüchtlinge

- Kommentar zu Asylbewerbern und Delikten: Recht ist Recht

- Fragen und Antworten zur Massenschlägerei in Calden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.