70 neue Bauplätze entstehen

Nachfrage nach Grundstücken groß: Die Zeichen in Calden stehen auf Wachstum

Blick auf ein Neubaugebiet.
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Neubauten: Viele wollen sich den Traum vom Eigenheim erfüllen (hier ein Symbolbild). In der Gemeinde Calden entstehen derzeit gleich mehrere Neubaugebiete.

Bauland in der Gemeinde Calden ist gefragt. Gleich mehrere Projekte in Kernort und Ortsteilen sollen diese Nachfrage bewältigen, gestern fiel der Startschuss für das größte.

Calden – Wer im Speckgürtel von Kassel liegt, der möchte sich von diesem Speck auch gerne eine Scheibe abschneiden. Das ist in Calden nicht anders. Die Zeichen in der 7500-Einwohner-Gemeinde stehen auf Wachstum, mehr als 70 Bauplätze entstehen im Kernort und den Ortsteilen oder sind kürzlich entstanden. Allein 30 im aktuell größten Grundstücksprojekt in Fürstenwald. Dort soll auch ein Zeichen für den Klimaschutz gesetzt werden: Häuslebauer müssen sich zur Installation einer Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach verpflichten.

Die Ausgangslage

„Wir wollen wachsen und die Chance unserer Lage nutzen“, sagt auch Bürgermeister Maik Mackewitz. Die Nachfrage sei dafür sei ganz offensichtlich da, erklärt er. „Wir haben seit Jahren viele Anrufe in der Gemeindeverwaltung von Interessenten, die gerne in der Gemeinde bauen wollen und daher eine längere Warteliste.“ Schwerpunkte seien eindeutig der Kernort Calden, wohl wegen der Nähe zu Kassel, und Fürstenwald, das an die Regiotram angeschlossen ist. Aber auch für die anderen Ortsteile gebe es Nachfragen.

Daher habe die Gemeinde die Möglichkeiten genutzt, die vom Gesetzgeber mit einem vereinfachten Bebaungsplan-Verfahren geschaffen wurden, sagt Mackewitz. Es seien in allen Ortsteilen Projekte angestoßen worden, jeweils mit privaten Investoren. Sprich: Die Gemeinde schafft die rechtlichen Voraussetzungen für ein Baugebiet, die Investorenseite kauft das Areal und übernimmt Vermarktung und Veräußerung der einzelnen Grundstücke.

Zuletzt trat die Gemeinde auch noch einmal selbst als Verkäufer aus: In Obermeiser wurden in den letzten zwei Jahren zehn Grundstücke verkauft, die schon „etwas länger im Regal lagen“. Aber auch die seien nun veräußert – und man blicke auf die anderen Projekte: zwei Baugebiete in Calden, in Westuffeln, ein sehr kleines in Meimbressen, eines in Ehrsten und das in Fürstenwald, für das am Dienstag der offizielle Spatenstich erfolgte (siehe Infokasten). Auch hier gibt es die oben beschriebene Arbeitsteilung zwischen Gemeinde und Investor, der Raifeisenbank Hessen-Nord.

Die Preisentwicklung

Bei den Grundstückspreisen für Wohngrundstücke lag Calden im Immobilienmarktbericht des Amtes für Bodenmanagement im Jahr 2020 im Mittelfeld im Kreisteil Hofgeismar. Der Bodenrichtwert, der anhand tatsächlicher Verkäufe und Preise ermittelt wurde, lag demnach für die Gemeinde bei 90 Euro pro Quadratmeter. Damit liegt man zwar hinter Hofgeismar (125), Grebenstein (120) und Immenhausen, aber beispielsweise deutlich vor Trendelburg und Liebenau (je 40). Wie sehr sich die Lage im Kasseler Speckgürtel auf die Preise auswirken kann, zeigt der Wert für Vellmar, das quasi an die Großstadt grenzt: Hier lag der Bodenrichtwert im Vorjahr für ein Baugrundstück bei 240 Euro pro Quadratmeter. Wie der Name schon sagt, ist dies ein Richtwert – was nicht heißt, das jeder einzelne Bauplatz auch zu diesem Preis veräußert wurde oder wird.

Die weiteren Projekte

Von den genannten Baugebieten losgelöst, stehen in Calden noch zwei weitere größere Projekte an, die ebenfalls im Sinne des Wachstumskurses zu betrachten sind: die Wohnparke Wilhelmsthal 1 und 2, die am Ortsausgang der Kerngemeinde Richtung Wilhelmsthal an beiden Seiten der Wilhelmsthaler Straße entstehen sollen. Auf der einen Seite eher traditionell als Bauland für Einfamilienhäuser, auf der anderen Seite, auf dem alten Sportplatzgelände, mit modernen mehrstöckigen Gebäuden für Menschen, die in der Gemeinde wohnen wollen, aber statt einem Haus eine Wohnung bevorzugen (HNA berichtete). Mit letzterem soll sich auch die Gemeindevertretung in ihrer Juli-Sitzung befassen. Es gehe um einen Wettbewerb für Investoren, bei denen diese ihre Vorstellung für die Gestaltung des Areals einbringen sollen, erläutert der Bürgemeister. Im Herbst könne man dann über die weitere Entwicklung des Gebietes entscheiden – beispielsweise mit einem Investor, der das gesamte Projekt und alle Bauten umsetzt und dann die Vermarktung der einzelnen Wohnungen als Kauf- oder Mietobjekte übernimmt. Man könne sich aber als Gemeinde auch für die Option entscheiden, einzelne Teile des Areals zu veräußern. (Matthias Müller)

Startschuss für neues Baugebiet in Fürstenwald

Dass Bauen im Caldener Fürstenwald beliebt zu sein scheint, zeigte sich bei der Vermarktung des neuen Baugebietes im Caldener Ortsteil: Für die 30 Bauplätze bewarben sich mehr als drei Mal so viel Interessenten – eine Nachfrage, mit der man zu Beginn des Projektes nicht gerechnet hatte. Vergangene Woche begannen dort nun die Kanalarbeiten, die bis September abgeschlossen sein sollen. Und dann können die Häuslebauer an den Start gehen.

„Ursprünglich waren wir schon etwas skeptisch, ob wir die Grundstücke überhaupt verkauft bekommen, sagte Martin Thöne, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Hessen-Nord. Dass sich ein Geldinstitut mit Baulandentwicklung beschäftigte, läge an der andauernden Niedrigzinspolitik, die dazu dränge, neue Wege einzuschlagen. (Tanja Temme)

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