Tierfreunde helfen Langohren

Noteselhilfe in Meimbressen vermittelt Tiere

Dorothe Schmitt, ihre Freundin Katharina Fehr und Ehemann Heinrich Lebinger mit vier Eseln in Meimbressen.
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Im Kreis ihrer Esel: Dorothe Schmitt, ihre Freundin Katharina Fehr und Ehemann Heinrich Lebinger haben ein Herz für die grauen Langohren. Sie führen die Noteselhilfe in Meimbressen.

Emil ist neugierig. Emil lässt sich nicht so einfach abschütteln. Emil macht, was er will und meist das, was er nicht soll. Wissen muss man: Emil ist ein Esel.

Meimbressen – Graues Fell, lange, aufstehende Ohren, halt ein typischer Hausesel. Emil ist 13 Jahre alt. Sein Zuhause ist derzeit Meimbressen. Genauer gesagt, in der dortigen Esel-Nothilfe, die sich als Noteselhilfe bezeichnet. Dort lebt Emil mit fünf Artgenossen, drei Pferden, drei Katzen und drei Hunden bei Dorothe Schmitt und deren Mann Heinrich Lebinger. Sie haben es sich seit 2006 zur Aufgabe gemacht, Esel in Not aufzunehmen, falls nötig zu pflegen und möglichst an neue, verantwortungsbewusste Halter weiterzuvermitteln.

1997 kam Dorothe Schmitt von Vellmar nach Meimbressen. Esel waren damals nicht dabei, aber drei Pferde. Der Hof entsprach genau ihren Vorstellungen, sagt sie rückblickend. Und da ausreichend Platz vorhanden war, zögerte sie auch nicht lange, als eine Freundin nachfragte, ob sie einen Esel aufnehmen könne. Der wurde mit Pferden gehalten und hatte bereits mehrere Bisswunden.

Dass dies der Anfang einer, sagen wir, innigen Zuneigung zu Eseln werden würde, ahnte Dorothe Schmitt nicht. Schnell merkte sie aber, dass ein Esel allein nicht artgerecht gehalten werden kann, und so kam schon bald der zweite dazu.

Von der landläufigen Meinung, dass Esel stur seien, haben sich Dorothe Schmitt und ihr Mann sehr früh verabschiedet. „Esel sind nicht stur, sie überlegen nur erst, was sie machen. Esel haben einen eigenen Willen und Charakter“, sagen beide. Und den dummen Esel gebe es ohnehin nicht.

Stattdessen sind die grauen Langohren hervorragend für die Arbeit mit Behinderten geeignet. Das zeigte sich beispielsweise bei einigen Besuchen der Käthe-Kollwitz-Schule in Meimbressen, sagt Schmitt. Die Mädchen und Jungen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen bauten sehr schnell Vertrauen zu den Tieren auf und profitierten von deren beruhigender Art. Bestes Beispiel: Ein Kind im Rollstuhl stand sogar auf und ging an der Hand des Betreuers ein paar Schritte auf einen Esel zu.

Die Eselnothilfe mit Sitz in Bautzen (Sachsen) zählt mittlerweile über 300 Mitglieder. Gründe, warum die Einrichtung in Anspruch genommen wird, sind unter anderem, dass Besitzer der Tiere krank werden, sich aus privaten Umständen nicht mehr um sie kümmern können, oder weil Veterinärämter einschreiten müssen.

Dorothe Schmitt führt an dieser Stelle den fünfjährigen Olaf an. Er wurde ohne jeglichen menschlichen Kontakt gehalten. Als er nach Meimbressen kam, trat er sofort zu, wenn sich ihm jemand näherte. Es dauerte ein Jahr, bis er Vertrauen fasste, sagt Lebinger.

Tiere, die von der Nothilfe an neue Halter abgegeben werden, sind in einem tadellosen Zustand, von Tierärzten gecheckt und gechippt, sagt Schmitt. Vor der Abgabe werden die Interessenten genau unter die Lupe genommen, ob sie geeignet sind. „Manche fragen an, ob sie einen Esel bekommen können, der eine große Rasenfläche kurz halten soll“: Über solche Vorstellungen müssen Schmitt und Lebinger lachen. Esel dürfen nämlich nicht so viel Gras fressen wie beispielsweise Pferde auf der Weide, und ein Stall sei wichtig, nennen sie nur zwei Kriterien.

Derzeit haben in der Noteselhilfe Meimbressen sechs Langohren ein Zuhause. Olaf, Fritz, und Paul gehören zur Familie. Elsa und Emil kamen vor drei Wochen vom Edersee, Großesel Felix lebt schon länger hier. Wobei Emil bereits vermittelt wurde und Anfang September umziehen wird. Der Aufenthalt von Eseln in der Nothilfe ist nach Angaben Dorothe Schmitts unterschiedlich. Manche bleiben ein Jahr, andere sind nach ein paar Wochen vermittelt.

An Aufhören denkt das Ehepaar noch nicht. Für sie steht fest: So lange es die Gesundheit zulässt, werden sie Eseln in Not ein Zuhause bieten. (Peter Kilian)

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