Notinseln in Calden: Kinder finden schnell Hilfe

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Notinsel zwischen Blumen: Floristin Heike Brasse (Obermeiser), hier neben dem Aufkleber, ist von dem Projekt so überzeugt, dass sie sich gerne in den Dienst der guten Sache stellt.

Calden. Verlaufen, Portemonnaie verloren oder gar, im schlimmsten Fall, verfolgt werden von einem Menschen oder Tier. Wenn Kinder unterwegs sind, kann viel passieren.

Das ist im Alltag nicht zwangsläufig ein Vorfall mit Gefahr für Leib und Leben. Oft reicht schon ein Malheur, ein jüngeres Kind aus der Fassung zu bringen. Dann sind verlässliche Anlaufstellen mit erwachsenen Helfern gefragt - wie bei dem Projekt Notinsel, das aktuell in der Großgemeinde Calden installiert wird.

In fünf der sechs Ortsteile, einschließlich Kerngemeinde, gibt es bereits zehn Kooperationspartner. Das sind neben den drei Kindergärten unterschiedliche Geschäfte und zwei Niederlassungen der Raiffeisenbank. Mit weiteren Geschäftsleuten befindet sich die Caldenerin Iris Wetzel im Gespräch. Ehrenamtlich betreut sie im Auftrag der Gemeinde das Projekt „Notinsel für Calden“.

Aufkleber an Ladentüren oder Schaufenstern signalisieren Kindern in misslichen oder bedrohlichen Lagen, dass sie hier Hilfe finden können. Erkennbar sind die Unterstützer an der Aufschrift „Notinsel. Wo wir sind, bist Du sicher.“ Erzieherinnen machen die Jüngsten in den Kindertagesstätten und der Caldener Sozialarbeiter Matthias Pimpl die Grundschüler auf das besondere Angebot aufmerksam. Darüber hinaus gibt es einen Infobrief für Eltern.

„Das Projekt ist ein Baustein für die notwendige Sicherheit unserer Kinder im öffentlichen Raum“, sagt Iris Wetzel. Das verantwortungsvolle Engagement der Geschäfte könne mithelfen, die Selbständigkeit der Kinder beim Weg zur Schule, zum Verein oder zum Besuch bei Freunden zu unterstützen und dabei den Eltern ein besseres Gefühl zu geben, wenn ihre Kinder alleine unterwegs sind.

Den Kinderservice „Notinsel“ gibt es in vielen Städten bundesweit. Der Wiedererkennungseffekt der einheitlichen Aufkleber erlaubt es damit Kindern aus Calden, auch in Vellmar, Kassel oder anderswo bei Bedarf eine „Notinsel“ auszumachen. Wetzel: „Neben konkreter Hilfe in Notsituationen werden dort auch kleinere Wehwehchen und Alltagssorgen ernstgenommen. Manchmal reicht schon ein Pflaster oder die Begleitung zum Bus.“

Die teilnehmenden Geschäfte unterzeichnen eine Selbstverpflichtung, einem Kind in einer Notsituation zur Seite zu stehen. Inhaber und Mitarbeiter bekommen eine Handlungsanweisung, die genau darlegt, was im Notfall zu tun ist.

Mit dem von der Stiftung Hänsel und Gretel initiierten Projekt Notinsel, das 2002 in Karlsruhe gestartet wurde, nimmt Calden im Kreisteil Hofgeismar eine Vorreiterrolle ein. In Ahnatal, Vellmar und Kassel wurde es bereits umgesetzt. Eine ähnliche Initiative, mit dem Namen Leon, existiert in Grebenstein. Vor zwei Jahren beauftragte die Caldener Gemeindevertretung den Gemeindevorstand, die Notinsel-Hilfe mit ehrenamtlicher Hilfe umzusetzen. Die Sozialpädagogin und zweifache Mutter Iris Wetzel setzte es nun um.

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