Flug fand trotz Stornierung statt

Odyssee einer Reisegruppe wegen einer Stornierung, die keine war

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Das war der Flieger nach Palma: Dieser von Orbest betriebene Airbus der spanischen Fluggesellschaft Evelop flog am vergangenen Freitag von Calden nach Mallorca. Wer mit Neckermann gebucht hatte, erhielt zuvor die Information, der Flug wäre storniert.

Calden. Eine Reisegruppe aus Münden wollte vom Flughafen Kassel für ein Wochenende nach Mallorca fliegen. Dann kam die Stornierung. Nur: Der Flug fand statt.

Martin Thormeier und vier Freunde aus Hann. Münden wollten vom Freitag bis Samstag, 21. bis 23. Juli, nach Mallorca. Zwei schöne Tage unter Handball-Freunden im sonnigen Süden. Da kam es ihnen recht, dass Sundair in Calden passende Flüge anbot, nur 15 Minuten Fahrzeit von zuhause entfernt. Doch dann hat Neckermann-Reisen die Gruppe auf einen anderen Flughafen umgebucht. Der Grund: eine Stornierung des Flugs. Doch es gab sowohl einen Hin- als auch einen Rückflug. Antworten zu einem ominösen Fall.

Warum wurde die Gruppe umgebucht?

In dem Formschreiben, das Martin Thormeier zwei Wochen vor seiner Reise erhielt, heißt es: „Aufgrund einer Stornierung kann Ihr gebuchter Hin- und Rückflug nicht mehr ab/nach Kassel angeboten werden.“ Für Thormeier war klar: Sundair hat seinen Flug gestrichen, es geht kein Flieger nach Mallorca.

Wie sollte die Gruppe stattdessen nach Palma fliegen?

Martin Thormeier

Zunächst hat sie Neckermann-Reisen, ein Veranstalter der Thomas-Cook-Gruppe, nach Paderborn umgebucht, dem nächst gelegenen Flughafen, erklärt eine Sprecherin von Thomas Cook. Da die Flugzeiten jedoch nicht passten, sind Thormeier und seine Freunde dann lieber von Hannover geflogen, denn eine Stornierung ihrerseits war nicht möglich. Für den Hinflug um 5.10 Uhr am Freitagmorgen mussten sie sich bereits um 22 Uhr auf den Weg machen. Der Ärger war groß, vor allem auf den Flughafen: „Wir werden nie wieder von Kassel-Calden fliegen. So kann dieser Flughafen nicht wirtschaftlich werden“, sagte Thormeier vor der Reise.

Sundair chartert doch Ersatzmaschinen. War das hier nicht der Fall?

Doch, war es. Es gab sowohl einen adäquaten Hin- als auch Rückflug an den beiden Tagen. Am Freitag flog die spanische Fluggesellschaft Evelop um 12.40 Uhr pünktlich nach Palma ab, und am Sonntag brachte Air Europa Urlauber von der Insel zurück.

Warum wurde die Gruppe dann trotzdem umgebucht?

„Sundair hat einen Subcharter eingesetzt, mit dem Thomas Cook nicht zusammenarbeitet. Daher hat Thomas Cook die bei Sundair gebuchten Kontingente für den Flug zurückgegeben“, erklärt die Thomas-Cook-Sprecherin. Zu den genauen Gründen wollte sie sich nicht äußern.

Aus Branchenkreisen hat die HNA aber erfahren, dass es bei Thomas Cook eine Grundsatzentscheidung gegeben hat, keine Kontingente auf den von Sundair gecharterten Ersatzmaschinen zu buchen. Der Grund: Die rumänische Chartergesellschaft Cobrex, die derzeit viele Flüge übernimmt, hat keine sogenannte IOSA-Zertifizierung. Das ist ein umfangreicher Nachweis für die Einhaltung bestimmter Sicherheitsprotokolle, die Thomas Cook bei Partnerfluglinien voraussetzt.

Heißt das, die Cobrex-Maschine ist unsicher?

Nein, sie nimmt nur nicht an diesem Zertifizierungsverfahren der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung IATA teil. Das trifft zum Beispiel auch auf Europas größte Fluglinie Ryanair zu. Die Boeing 737 der Cobrex ist zwar 25 Jahre alt, ist aber ganz regulär für den europäischen Flugbetrieb zugelassen. Flugreisende berichten, dass die Maschine keinen schlechten Eindruck auf sie gemacht hat.

Aber die Palma-Flüge gingen doch gar nicht mit Cobrex. Was hat das damit zu tun?

Cobrex stellt aber für die meisten Flüge im Sundair-Ersatzflugplan die Maschine. Und es kommt regelmäßig zu Änderungen. Deshalb die Grundsatzentscheidung bei Thomas Cook gegen den gesamten Ersatzflugplan, auch wenn Kunden dadurch Nachteile haben. Wenn Sundair, die als neue Fluggesellschaft bislang auch keine IOSA-Zertifizierung haben kann, mit dem eigenen Airbus fliegt, dann sind auch wieder Thomas-Cook-Kunden an Bord.

An der Sicherheitskontrolle: Der Flug nach Palma wurde ganz normal abgefertigt – allerdings ohne Thomas-Cook-Passagiere.

Und warum sprach Neckermann-Reisen überhaupt von einer Stornierung?

Das hätte besser formuliert werden können, gibt die Unternehmenssprecherin zu. Es hätte deutlicher gemacht werden müssen, dass zwar ein Flug stattfindet, Neckermann-Reisen ihn aber nicht anbietet.

Und was sagt Thormeier im Nachhinein?

Er erhielt eine Mail, die er als Entschuldigung von Neckermann-Reisen für die Unannehmlichkeiten wertet. Außerdem wird seiner Gruppe die längere Anreise nach Hannover erstattet. Für ihn bleibt der Imageschaden am Flughafen Kassel hängen: „Überall sonst hat es auch bei Umbuchungen gut geklappt. In Calden nicht, deshalb werde ich in Zukunft dort nicht mehr buchen.“

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