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Bürger atmen auf: Ortsumgehung Calden nach Jahrzehnten der Planung in Betrieb

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Von: Thomas Thiele

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In Calden soll es ab sofort ruhiger werden. Die jahrzehntelang geforderte Ortsumgehung ist am Dienstag in Betrieb gegangen - doch fertig ist das Projekt noch immer nicht.

Calden - Mehr als 50 Jahre haben die Menschen in Calden auf den Bau einer Ortsumgehung gewartet, damit die quälende Verkehrslawine von zuletzt 10.000 und mehr Fahrzeugen pro Tag sie nicht mehr belästigt und in Gefahr bringt – seit gestern Abend soll dieser Traum nun Wirklichkeit sein.

Gegen 17 Uhr wurde die erste Zufahrt zur neuen Ortsumgehung freigegeben, der Verkehr auf der Bundesstraße 7 rollt nun offiziell an Calden vorbei. „Das ist ein schönes Weihnachtsgeschenk“, kommentierte Grebensteins Bürgermeister Danny Sutor.

Mitten auf einer Straße steht ein Pavillon, darunter zwei Männer an Mikrofonen. Vor dem Pavillon stehen zahlreiche Menschen und hören zu. Im Hintergrund führt eine Brücke über die Straße, am Geländer stehen weitere Zuschauer.
Etwa 100 Gäste nahmen am Dienstagnachmittag am Abzweig der Kreisstraße 47 (oben) von der B 7 (vorn) teil. © Thomas Thiele

Bauarbeiten für Ortsumgehung in Calden 2016 gestartet: Seitdem reibungsloser Ablauf

Die offizielle Verkehrsfreigabe konnte wie seit Beginn geplant noch vor Weihnachten dieses Jahres erfolgen, da die 2016 gestarteten Bauarbeiten ohne Überraschungen und Probleme vorangingen, wie der Präsident des Straßen- und Verkehrsmanagements Hessen Mobil, Heiko Durth, bei der offiziellen Freigabefeier betonte.

Von einem Hang herunter fällt der Blick auf eine s-förmig geschwungene Straße. In der Mitte ist eine etwa 300 Meter lange Brücke mit sechs Pfeilerpaaren zu sehen, dahinter die Startbahn und Sicherungsanlagen des Flugplatzes Calden. Auf der Einfädelspur vorn und in der Bildmitte fahren mehrere Pkw im Dämmerlicht.
Seit Dienstag befahren Autofahrer die neuerbaute B7-Ortsumgehung Calden. © Thomas Thiele

Hessens Staatssekretär Jens Deutschendorf (Grüne), der die Bundesstraße 7 und die ebenfalls neuerbaute Kreisstraße 47 mit Landrat Andreas Siebert offiziell freigab, sprach ebenfalls von einem Grund zur Freude. Die Zusammenarbeit bei diesem Großprojekt habe auf vielen Ebenen gut funktioniert und beide neuen Straßen ergäben zusammen einen hohen Verkehrswert. Der Verkehr in dieser Region werde damit komplett neu organisiert und verbessere auch die Erschließung des Kassel Airports bei Calden und entzerre am Ende auch die Problematik am unfallträchtigen Schäferberg.

Ortskerne um Calden sollen durch Ortsumgehung attraktiver werden

Die Entlastung um Tausende von Fahrzeugen biete auch den Bewohnern die Chance, neue Qualitäten ihrer Ortskerne zu entdecken, sagte der Staatssekretär. Insgesamt investieren der Bund, das Land Hessen und der Landkreis Kassel rund 52 Millionen Euro in fünf Kilometer neue Bundesstraße, einen Kilometer Kreisstraße und sechs Brückenbauwerke. Auf denen habe die Feuerwehr schon eine Höhenrettung und die Bundespolizei Fallschirmlandungen üben können.

Landrat Andreas Siebert wies darauf hin, dass die Planungen schon 1986 begannen und der frühere Landrat Dr. Udo Schlitzberger betont habe, dass die Umgehung nur realisiert werden könnte, wenn auch der Flughafen gebaut wird. Die Einbeziehung der Bürger habe sich bei der Trassenplanung bewährt, unterstrich Siebert.

Flughafen Kassel-Calden durch neue Ortsumgehung besser angebunden

Mit dem vom Land geförderten Neubau der K 47 werde die viel befahrene Querverbindung zwischen B 7 und B 83 aus den Ortslagen Calden und Burguffeln herausgeholt, die Verkehrssicherheit erhöht.

Vier Männer stehen unter einem Pavillon, einer spricht ins Mikrofon. Davor stehen Zuhörer.
Die Bürgermeister Danny Sutor (links) und Maik Mackewitz (rechts) unterstrichen, wie lange die Menschen in Burguffeln und Calden unter dem Verkehrslärm litten. Staatssekretär Jens Deutschendorf (2. von links) und Hessen-Mobil-Präsident Heiko Durth sind optimistisch, dass es ab sofort besser wird. © Thomas Thiele

Airport-Geschäftsführer Lars Ernst sagte, dass der Flughafen nun auch von den Autobahnen besser erreichbar sei und das die Attraktivität des Flughafens weiter steigere: „Die Ortsumgehung gehört zum Flughafen dazu.“

Bürger „haben diesen Tag herbeigesehnt“: Ortsumgehung entlastet Anwohner in Calden

Caldens Bürgermeister Maik Mackewitz schilderte, dass in den 1970er Jahren noch Kinder auf der Ortsdurchfahrt in Calden spielen konnten, was zuletzt undenkbar war. „Die Anwohner der Holländischen Straße haben diesen Tag herbeigesehnt“, sagte Bürgermeister Mackewitz und verwies auf die Bürgerinitiative, die 2014 mit Demonstrationen einen Baubeginn forderte, weil die Baugenehmigung schon seit 2012 vorlag. Mit einem Landwirt, der geklagt hatte, einigte man sich außergerichtlich.

Landrat Andreas Siebert hält ein Stück schwarz-rot-gold gestreiftes Stoffband in der Hand.
Beweisstück: Landrat Andreas Siebert sicherte ein Stück des Eröffnungsbandes. © Thomas Thiele

Grebensteins Bürgermeister Danny Sutor lobte das Ergebnis ebenfalls, das aber erst komplett sei, wenn die alte K 47 bei Burguffeln endgültig zum Wirtschaftsweg zurückgebaut sei und nicht mehr als Schleichweg nach Calden genutzt werden könne.

Der Verkehr läuft ab sofort über den nördlichen Teil der Ortsumgehung und von dort über die K 47 auf die B 83 nach Kassel. Bis Ende 2023 soll der Südanschluss am Schäferberg in Betrieb gehen. Das Gesamtprojekt wird 2025 fertig, wenn im Norden Caldens eine neue Spange auch die Landesstraße nach Ehrsten aus dem Ort herausbringt. (Thomas Thiele)

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