Polizei-Gespräch zur Zurückhaltung nach Reizgas-Attacke in Caldener Zeltlager

Calden. In der Caldener Zeltstadt sind 60 Menschen mit Reizgas verletzt worden. Wir sprachen mit Polizeisprecher Jürgen Wolf, warum die Öffentlichkeit nicht informiert wurde.

Wenn bei einem Fußballspiel 60 Menschen durch Reizgas verletzt worden wären, hätte die Polizei sicherlich eine Mitteilung veröffentlicht. Warum haben Sie über den Vorfall in Calden nichts berichtet? 

Jürgen Wolf: Wir haben uns gegen eine Pressemeldung entschieden. In unserer Bewertung haben wir berücksichtigt, inwieweit die Öffentlichkeit durch den Vorfall betroffen ist. In diesem Fall standen die polizeilichen Ermittlungen im Vordergrund. Würde sich ein ähnlicher Vorfall in einem Stadion oder einem Festzelt ereignen, wäre aufgrund der unmittelbaren Außenwirkung eine Veröffentlichung eher zielführend gewesen, um auch einen Zeugenaufruf zu integrieren.

Flüchtlinge beschäftigen aber derzeit viele Menschen. Ehrenamtliche engagieren sich und bekommen ohnehin mit, wenn etwas passiert. Wäre es nicht besser, offensiv über Einsätze zu berichten? 

Wolf: Ich gebe Ihnen recht, das Thema Flüchtlinge beschäftigt viele Menschen. Auch wird es immer wieder Gerüchte geben, die es zu entkräften oder auch zu bestätigen gilt. Dies ist uns auch bereits gelungen. So konnten wir zum Beispiel entkräften, dass es angeblich im Bereich Calden zum Anstieg von Einbrüchen gekommen sei. Dies widerlegen unsere statistischen Erhebungen.

Wie oft wird die Polizei zu Einsätzen in die Flüchtlingsunterkunft gerufen? 

Wolf: Die Polizei ist rund um die Erstaufnahme-Einrichtung präsent. Die Einsätze beruhen zum überwiegenden Teil in der Wahrnehmung des Objektschutzes. In den anderen Fällen wird die Polizei hinzugezogen, wenn Straftaten bzw. Ordnungswidrigkeiten bekannt werden. In den bisherigen Fällen handelte es sich dabei um körperliche Auseinandersetzungen und Diebstahlsdelikte. Aus diesen Gründen werden wir mehrmals in der Woche gerufen.

Lesen Sie dazu auch:

- Reizgas-Attacke im Flüchtlingslager: 60 Verletzte in Calden

- RP über Zeltstadt in Calden: Regelmäßige Einsätze der Polizei

- Interview über Leben in Zeltstädten

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.