Fragen und Antworten

Risse in der Airport-Decke nach 3,5 Jahren: „Da muss ein Statiker ran“

Calden. Die Ursache für die Risse in den Holzträgern des Kassel Airports ist noch unbekannt. Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die Aufklärung nicht leicht wird.

Wir haben Fragen und Antworten dazu zusammengetragen:

Wie sollen die Risse repariert werden?

Die Risse sind an Verbindungen zwischen den Holzträgern sowie zwischen Holzträgern und der Wand. Die Idee ist laut Flughafengesellschaft, die Stellen mit Metallkomponenten zu verstärken.

Wie können solche Schäden entstehen?

Peter Blaschke

Zu möglichen Ursachen sagt der Airport noch nichts. Ohne genaue Untersuchung sei eine Diagnose nicht möglich, sagen auch Fachleute. Grundsätzlich gilt für solche Dächer: Wenn die Feuchtigkeit, die Baufeuchte, nach Fertigstellung das Holz verlassen hat, können Risse auftreten. „Man spricht von Schwindrissen, die dürfen aber nur drei bis vier Millimeter breit sein“, erklärt der Kasseler Architekt und Diplomingenieur Peter Blaschke. Er war 14 Jahre lang Vorsitzender des Bundes der Baumeister (BDB) in Hessen und ist heute noch im Vorstand.

Sind das in Calden also solche Schwindrisse?

Nein. Dafür sind sie zu breit. Bei massivem Holz könne man solche Risse noch akzeptieren, nicht aber bei mit Leim verklebten Brettschichtholzbindern, erklärt Ingenieur Blaschke. „Da muss ein Sachverständiger beziehungsweise Statiker ran.“ Man müsse die Rissbreite und -tiefe prüfen, es sei eine Bohrung nötig.

Ist die Deckenkonstruktion des Airports möglicherweise zu kompliziert?

!Grundsätzlich sei eine Decken-Konstruktion wie im Airport nicht außergewöhnlich: Viele Hallen mit entsprechender Spannweite hätten ebenfalls solche Konstruktionen mit Brettschichtholzbindern. Spannungsüberschreitungen sind nicht immer das Problem: „Oft ist es Feuchtigkeit.“

Wie schwer ist die Klärung der Schuldfrage bei solchen Schäden?

„Wenn es einen Generalunternehmer gab, gibt es nur einen Ansprechpartner“, sagt Blaschke. Bei verschiedenen Firmen gebe es auch mehr potenzielle Schuldige. Zudem könne es sich um Materialfehler wie falsche Verleimungen handeln.

Sind Architekten und Firmen gegen solche Schäden versichert?

„Architekten haben eine Zwangshaftpflicht, bei Unternehmern ist es die Frage, was für ein Risiko sie in Kauf nehmen“, erklärt Architekt Blaschke. 

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