Er ist den Wolken so nah

Robin Müller aus Meimbressen hat seinen Pilotenschein gemacht

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Robin Müller aus Meimbressen wollte als Knirps Pilot werden.

Der Traum vom Fliegen: Robin Müller hat ihn sich erfüllt. Nicht nur einfach als Passagier, sondern als Mann im Cockpit. 25 Jahre ist der Meimbresser jung.

Den Entschluss „Ich werde Pilot!“ fasste er im zarten Alter von fünf Jahren. Seit wenigen Wochen hält er die begehrte Lizenz in Händen. Und seine Freunde hoffen, baldmöglichst mit ihrem Kumpel am Steuerknüppel quasi vor der Haustür, vom Airport Kassel aus, in Nordhessens Lüfte zu entschweben.

Das erhebende Gefühl beim Start, in scheinbar grenzenlose Räume aufzusteigen, faszinierte den kleinen Robin auf seiner ersten Flugreise - und ließ ihn nie wieder los. Damals ging es vom alten Caldener Flughafen mit Oma, Opa und Plüschtier Schnuffi nach Mallorca. Als der Fünfjährige auf dem Flug mal musste, begegnete er in der Kabine dem Piloten. Der lud den Knirps prompt zu einem Besuch im Cockpit ein. Der junge Mann schmunzelt heute, wenn er sich an seine ersten Eindrücke aus der Pilotenkanzel erinnert: „Überwältigend all die vielen Knöpfe, für einen kleinen Jungen wie im Paradies.“

Berufswunsch? Pilot!

Zurück auf Caldener Boden, beantwortete er die Frage der Eltern, wie ihm denn der Urlaub gefallen habe, mit einem knappen „Schön!“ und einer ausführlichen Erklärung zu seinem in weiter Zukunft liegenden Berufsziel. Robin blieb konsequent. Ob bei Fragen im Kindergarten, in der Grund- oder weiterführenden Schule: Berufswunsch? „Pilot!“. 

Vor knapp 20 Jahren: Als Fünfjähriger, hier mit Oma Irmchen Dießner und Plüschtier Schnuffi nach der Landung in Calden, hatte Robin Müller auf einem Mallorca-Flug seinen Traumberuf entdeckt. 

Heute bekennt der 25-Jährige, der in direkter Nachbarschaft des alten Caldener Flughafens aufgewachsen ist, amüsiert: An der Kasseler Jacob-Grimm-Schule kreisten Themenreferate, wann immer möglich, um Flugzeuge und das Fliegen. Erdkunde war sein Lieblingsfach, und den Oberstufenlehrer ließ er wissen: „Wenn dann mal das Navigationssystem ausfällt, dann weiß ich Bescheid, wo wir sind.“ 2014 machte der Meimbresser sein Abi.

Erst lief es gut beim Versuch, den Kindheitstraum zu realisieren. Den Einstellungstest bei der Lufthansa für die Ausbildung zum Piloten packte Robin zwar auf Anhieb. Doch dann kam ein Ausbildungsstopp bei der Kranich-Airline. Fliegen als Beruf sollte es trotzdem werden. Der junge Mann landete bei der damals in Calden stationierten Fluggesellschaft Germania – als Flugbegleiter. Bald ließ er sich zum Purser, Kabinenchef, ausbilden. Ein Pilot appellierte irgendwann: „Leb deinen Traum!“

Vielleicht fliegt er eines Tages ab Calden

Die Lufthansa bildete inzwischen wieder aus, wenn auch ohne Übernahmezusage. Im Lufthansa Aviation Center in Frankfurt paukte Robin Theorie. Die theoretische Prüfung absolvierte er in Wien: 14 Fächer in drei Tagen. Das Fliegen lernte er in Florida in den USA und in Rostock. Auf der langen Wegstrecke zum Job am Himmel bildete der Boing-Simulator der European Flight Academy in Frankfurt die vorerst letzte Ausbildungsetappe.

Unscheinbar sieht nun der Berufspilotenschein mit Instrumentenflugberechtigung (CPL) aus. Für den Meimbresser aber, der so gar nicht abgehoben und wie die Ruhe in Person wirkt, bedeutet sie Glück pur. Nach 1500 Flugstunden wird es für ihn die Verkehrspilotenlizenz (ATPL) geben. Vorausgesetzt, der 1. Offizier in spe findet jetzt einen Arbeitgeber. Bewerbungen bei verschiedenen Airlines laufen.

Wenn alles gut geht, begrüßt Pilot Robin Müller vielleicht mal eines Tages Reisende ab Calden über Mikrofon zu einem Urlaubsflug. Er grinst: „Womöglich nach Mallorca.“

Von Dorina Binienda-Beer

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