Keine Fontänen vor 2023

Rokoko-Grotte in Wilhelmsthal erst nächstes Jahr wieder offen

Die Rokoko-Grotte beim Schloss Wilhelmsthal ist mit einem Bauzaun und einem Stopp-Schild versehen.
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Stopp, kein Zutritt: Die Rokoko-Grotte und das vorgelagerte Bassin sind während der Sanierungsarbeiten für Besucher nicht zugänglich.

Die Rokoko-Grotte in Wilhelmsthal wird weiterhin saniert. Die Fontäne sprudelt frühestens in 2023.

Wilhelmsthal – Besucher im Park von Schloss Wilhelmsthal, die nach langer Wartezeit wieder einen Blick in die künstlich angelegte Grotte werfen und die Wasserkünste im vorgelagerten Kanal bestaunen wollen, müssen sich weiter gedulden. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der seit Monaten eingerüsteten und verhüllten Grotte laufen zwar auf Hochtouren. Das kleine Baukunstwerk wird allerdings nicht vor dem kommenden Jahr wieder begehbar sein, heißt es bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Die Fontänen im Kanal, einst Hauptattraktion im Schlosspark, lassen dagegen noch länger auf sich warten: Sie werden laut MHK frühestens ab 2023 wieder sprudeln.

Die kostspielige Sanierung von Kanal und Wassertechnik wird nach Auskunft von MHK-Mitarbeiter Norbert Arnold (Bauangelegenheiten und Denkmalpflege) erst Mitte nächsten Jahres beginnen. Geschätzte Bauzeit: rund zwei Jahre. Seit langer Zeit gibt es in Wilhelmsthal keine Wasserkünste mehr, weil Bausubstanz und Leitungstechnik völlig marode sind. Die letzten Wasserspiele liegen mehr als ein Jahrzehnt zurück. Der historische Kanal vor der Grotte war bereits 1794 wieder zugeschüttet worden. Im Zuge einer Neugestaltung der Parkanlage wurde er nach alten Plänen neu geschaffen und im August 1967 feierlich eingeweiht. Gut vier Jahrzehnte später ließ sich der Betrieb der Fontänen wegen umfangreichen Sanierungsbedarfs nicht länger aufrechterhalten.

Blick ins Innere: Die Kappe des Grottenbaus besteht aus Ziegelmauerwerk, von dem der zuletzt herabstürzende Putz vollständig entfernt worden ist.

Künstliche Grotte in Wilhelmsthal einmalig in Nordhessen

Von großer historischer Bedeutung ist die Grotte. Um 1740 und damit noch vor dem Schloss erbaut, bildete sie als erstes Bauwerk im Rokoko-Park den architektonischen Ausgangspunkt für die Schlossanlage. Die künstliche Grotte von Wilhelmsthal gilt als in ihrer Art einmalig mindestens für Nordhessen. Das Rokoko-Prunkstück bestach zunächst besonders durch seine elegante Innendekoration. Muscheln und Schneckenhäuser an den Wänden faszinierten ganz im Stil der Entstehungszeit.

Bereits 1769 aber mussten nach der MHK vorliegenden Dokumenten erste Feuchtigkeitsschäden beseitigt werden. Wasser und Frost setzten der Grotte bis heute weiter mächtig zu. Das Bauwerk aus Sandstein mit einer Kappe aus Ziegelmauerwerk, das wegen herabfallenden Putzes für die Besucher gesperrt werden musste, wird nun einschließlich der Flügelwände wieder in Schuss gebracht. Die für das Rokoko typische Innenausstattung aber kehrt nicht mehr zurück. „Schon um 1800 dürfte die Muscheldekoration in der Grotte nicht mehr vorhanden gewesen sein“, mutmaßt Arnold.

Voraussichtlich im August wird ihm zufolge das Gerüst entfernt werden können. Anschließen soll sich dann die Instandsetzung der gusseisernen Baluster, der Handläufe und der metallenen Fenstertüren. Dieser erste Bauabschnitt beläuft sich laut MHK auf rund 633 000 Euro. Die Kanalsanierung ist darin noch nicht enthalten. Erst nach Fertigstellung aller Sanierungsarbeiten werden die restaurierten wertvollen Putten wieder ihre Plätze beziehen und dem Rokoko-Kern im englischen Landschaftspark seinen ursprünglichen Reiz zurückgeben können.

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