Seltene Gäste in der Scheune

Schleiereulen brüten auf dem Hof Berndt in Westuffeln

Die jungen Schleiereulen, die Hermann Berndt mit Futter versorgt, weil ein Altvogel verschwunden ist. Ein Jungvogel ist verdeckt.
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Die jungen Schleiereulen, die Hermann Berndt mit Futter versorgt, weil ein Altvogel verschwunden ist. Ein Jungvogel ist verdeckt.

Ganz seltene Mitbewohner hat der Westuffelner Hermann Berndt auf seinem Bauernhof: Drei Schleiereulen sind im Nistkasten aufgewachsen, den er in seiner Scheune angebracht hat.

Westuffeln – Inzwischen sind die jungen Eulen ausgeflogen, sie kommen aber noch regelmäßig zurück. Das ist eine der wenigen Schleiereulen-Bruten, die es in diesem Jahr in Nordhessen gegeben hat.

Neun Eier waren im Nest

Die drei jungen Eulen mit dem typischen herzförmigen Gesicht sind die letzten Jungtiere, die von neun Eiern übrig geblieben sind, berichtet Berndt. Das war schon die zweite Brut, die die selten gewordenen Nachtgreifvögel 2020 in seinen Nistkästen aufgezogen haben. Im Mai und Juni hatte ein Eulenpaar fünf Junge gefüttert, die dann auch alle ausgeflogen sind.

Doch bei der späten Herbstbrut sah es ganz anders aus. Der 81-Jährige beobachtet die Tiere regelmäßig und kontrolliert auch den Brutfortschritt. Dabei stellte er fest, dass im Laufe der Brut nur noch ein Elternvogel ans Nest kam und seinen Nachwuchs fütterte.

Eulen brüten fast seit 50 Jahren auf dem Hof

Sechs Junge schlüpften. Drei Eier hatte der verbliebene Altvogel offensichtlich an die Seite gerollt. Berndt geht davon aus, dass der Vogel wusste, dass er allein nicht genug Nahrung für alle Jungvögel heranschaffen konnte. „Das habe ich noch nie gesehen“, sagt Berndt. Er hat seit Jahrzehnten Erfahrung mit Schleiereulen. Vor fast 50 Jahren hatte er den ersten Brutkasten für die Vögel aufgehängt. Bis 2013 brüteten die Vögel regelmäßig in seinen Nisthilfen.

Zwei Jungvögel verschwanden, einen weiteren fand Berndt tot im Nest. Er vermutet, dass sowohl der fehlende Altvogel als auch die junge Eule vergifteten Mäusen zum Opfer gefallen sind. 2020 sei ein starkes Mäusejahr. Deswegen sei möglicherweise Mäusegift eingesetzt worden. Berndt appelliert deswegen, auf diese Art der Mäusebekämpfung zu verzichten.

Sechs Eulen an Mäusegift gestorben?

Damit hat der Westuffelner selber Erfahrungen gemacht: In einem früheren Mäusejahr hatte er Gift gegen die Nager ausgelegt. Damals waren sechs junge Eulen gestorben. Auch damals ging Berndt davon aus, dass sie mit vergifteten Mäusen gefüttert wurden. Auf der Verpackung des Mäusegifts habe gestanden, dass es keine Sekundärvergiftungen geben solle, sagt der ehemalige Landwirt. „Das mache ich nie wieder“, so seine Konsequenz.

„Da musste ein Braten dran glauben“

Weil Berndt Sorge hat, dass der Altvogel nicht genügend Futter bringen könnte, hat auch er die Jungvögel versorgt.

Hermann Berndt hilft Schleiereulen: Hier kontrolliert er den Brutkasten, in dem die Vögel in seiner Scheune in Westuffeln gebrütet haben.

Drei bis sechs Mäuse legt er täglich in den Nistkasten, die regelmäßig verspeist werden. Die toten Mäuse bekommt er vom Tierpark Sababurg. Als er bemerkte, dass ein Elternvogel fehlte, musste Berndt diese Versorgung erst organisieren. Der 81-Jährige wusste sich zu helfen: „Da musste ein Braten dran glauben. Man will ja jede Eule retten.“

Sechs Jahre waren die Kästen nicht besetzt

Auch Hermann Berndt hat festgestellt, was Naturschützer seit einigen Jahren mit Sorge beobachten: Die Zahl der Schleiereulen-Bruten ist rapide zurückgegangen. So blieben von 2014 bis 2019 seine Nistkästen in der Scheune leer. Im erfolgreichsten Brutjahr waren 16 junge Eulen aus seinen beiden Kästen ausgeflogen. (Bernd Schünemann)

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