Neues Infozentrum – Besuchereingang nun durch Hauptportal

Schloss Wilhelmsthal ist jetzt edler gewandet

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MHK-Direktor Martin Eberle (rechts) in der Garderobe der Landgräfin mit einem Kleid im Rokoko-Stil.

Wer heute als Besucher über die Schwelle von Schloss Wilhelmsthal tritt, soll sich fühlen wie ein Fürst und nicht mehr wie ein Lakai.

Mit dieser Aussage eröffnete Dr. Martin Eberle, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), das neue Besucherzentrum mit Kasse und Souvenirshop im südlichen Wachthaus. Ein Jahr dauerte die 600 000 Euro teure Restaurierung. Auch das zweite Wachthaus wird saniert (Kosten: 300 000 Euro). Hier laufen die Arbeiten noch. Beide Gebäude entwarf der Kasseler Hofarchitekt Simon Louis du Ry. Sie wurden 1770 errichtet.

Vorüber ist die lange Ära, in der Besucher nur über den Küchenflügel ins vor rund 260 Jahren erbaute Schloss gelangen und in einem unscheinbaren Nebenraum Tickets für die Besichtigung erwerben konnten. Nun geht es vom Ehrenhof direkt durch das Hauptportal ins Vestibül mit dem historischen Holzmodell des Schlossparks.

Einen „kleinen großen Moment für die MHK“ nannte Dr. Eberle die offizielle Eröffnung des Besucherzentrums. Das Torhaus sei, sagte er augenzwinkernd, schon im 18. Jahrhundert „für uns errichtet“ worden, jetzt endlich habe man die ideale Nutzung gefunden. Die bisher drei Mini-Räume des fertiggestellten Torhauses wurden zu einem zusammengefasst, ehemalige Fenster wiederhergestellt. Über einen gläsernen Windfang erreichen Besucher den ganztägig besetzten Tresen. Im Shop stehen auch abschließbare Fächer zum Verstauen von Taschen und Rucksäcken zur Verfügung.

Im Musensaal sprach auch Bernd Schreiber, Direktor der Bayerischen Schlösser, Gärten und Seen.

Zur weiter ausstehenden Grundsanierung des Schlosses, insbesondere seines maroden Souterrains, erklärte der MHK-Direktor, heute sei noch immer mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie in der Erbauungszeit: extremer Feuchtigkeit aus dem Untergrund. Bisher mangelt es an der Finanzierbarkeit. Das Geldproblem gilt auch für die seit Jahren verschlossene baufällige Grottenanlage und den Kanal im Schlosspark. Positiver Ausblick: Die einzigartigen Bronzegussputten von Wilhelmsthal werden nach Auskunft Dr. Eberles im kommenden Jahr komplett saniert sein und sollen dann mit einer Ausstellung im Schloss der Öffentlichkeit präsentiert werden. Eine Rückkehr in den Park bleibt den goldenen Engeln allerdings bis zum Abschluss der Grottensanierung verwehrt.

Auch unter dem Schlossdach gibt es viel zu entdecken, weiß Textilrestauratorin Julia Dummer.

Auf wichtige Veränderungen werden Besucher im Schloss selbst treffen. Unter dem Anspruch, das einstige Leben in dem eleganten Rokokobau so direkt wie möglich darzustellen, schmückt jetzt eine Vielzahl von Requisiten die Räume. Dargestellt werden Themen wie Theater, Ball, Schreiben und Lesen sowie Mode, Schminken und Speisen. Als reizvolles Novum laden nun tägliche Sonderführungen zu Blicken hinter die Kulissen ein, in die Mansarde unter dem Schlossdach sowie die alte Landgrafenwohnung im Kirchenflügel.

Mit einem großen Familienfest wurde gestern das neue alte Schloss öffentlich gefeiert. Am Vortag hatte es im Musensaal eine Feierstunde für geladene Gäste gegeben. Hochkarätiger Besuch erwies Wilhelmsthal in Grußworten seine Reverenz, darunter der Präsident der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Bernd Schreiber, sowie Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Von Dorina Binienda-Beer

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