Rosa Eintritt in den Park bei Calden

Wachthäuser von Wilhelmsthal haben Ursprungsfarbe zurück

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Drei Farben: Wachthäuser in Altrosa, Schlossflügel gelb und Mittelbau grau. Das Erscheinungsbild in Wilhelmsthal behagt nicht allen Besuchern.

Schloss Wilhelmsthal bei Calden wechselt farblich sein Gesicht. Das gilt erst einmal für die beiden vorgelagerten Wachthäuser. In einem zarten Rosaton heißen die beiden Torhäuser von nun die Parkbesucher willkommen. Das gewohnte Gelb ist zumindest an diesen beiden Gebäuden passé. Eine Veränderung, die bei manchen Betrachtern zu Verwunderung führt.

Der neue Anstrich setzt nach drei Jahren den Schlusspunkt hinter umfangreiche Sanierungarbeiten an den Wachthäusern. Nachdem das südliche bereits vor einem Jahr mit einem neuen Besuchs- und Informationszentrum wiedereröffnet worden war, kann jetzt auch das gegenüberliegende Gebäude wieder genutzt werden.

Wie bereits in den vergangenen Jahrzehnten beherbergt dieses Torhaus die Sanitärräume für die Besucher von Schloss und Park. Auf weitreichende bauliche Instandsetzungsarbeiten, insbesondere an der Dachkonstruktion, folgte am Ende der Einbau einer modernen Toilettenanlage. Die neue Innengestaltung erlaubt ein deutlich ausgeprägteres Raumerleben mit freiem Blick auf stellenweise historisch belassene Decken- und Wandflächen.

Ein frisches Make-Up

Sichtbarstes äußeres Zeichen der Veränderungen an den beiden Torhäusern ist neben den von Grund auf gereinigten Tympanons (den ornamentreichen Giebeldreiecken) das frische Make-Up der Fassaden. Das neue Altrosa geht auf restauratorische Untersuchungen und einen entsprechenden historischen Farbbefund am nördlichen Wachthaus zurück, sagt Norbert Arnold. Er ist bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) zuständig für Bauangelegenheiten und Denkmalpflege.

Auch das Schloss selbst, so seine Vermutung, könnte in seiner Anfangszeit diese Farbe getragen haben. Rosa gilt als besonders beliebt im Rokoko, der Entstehungszeit des Wilhelmsthaler Jagdschlosses. Die heitere Leichtigkeit des Rokoko spiegelt sich in dieser Farbe wider. Sie könnte zudem auch gewählt worden sein, um die Assoziation von rosa Sandstein als edlem Baumaterial herzustellen, mutmaßt der Experte bei der MHK.

Gelber Anstrich seit 1980

Den gelben Anstrich hatten Schlossflügel und Wachthäuser Arnold zufolge 1980 erhalten. Heute sagt die MHK: Gelb und Rokoko gehen nicht zusammen. Die Farbe Gelb in der Architektur hatte erst deutlich später, um 1900, Konjunktur. Sie wurde in Preußen gern verwendet, ergänzt Arnold.

Die Kosten von 900 000 Euro für die beiden Wachthäuser kommen aus dem Kulturinvestitionsprogramm des Landes Hessen. Wann das Schloss selbst saniert werden kann, steht aus Finanzierungsgründen in den Sternen. Ein neuer Farbanstrich hier vorab wäre Arnold zufolge unsinnig. Und so prägt Schloss Wilhelmsthal auf unabsehbare Zeit eine gewöhnungsbedürftige Dreifarbigkeit: grau das Schloss, gelb Küchen- und Kirchenflügel, altrosa die Wachthäuser.

Führungen nur im Schlosspark

Aus Gründen des Gesundheitsschutzes während der Coronapandemie bietet die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) auch weiterhin keine Führungen im Schloss Wilhelmsthal an. Die mögliche Wiederöffnung zu musealen Zwecken wird regelmäßig geprüft.

Besuchern unterbreitet die MHK derweil ein anderes Angebot: eine Freiluftveranstaltung. Einmal im Monat gibt es unter dem Titel „Ein Blick hinter die Kulissen“ einen geführten Spaziergang durch den Schlosspark – mit einem Blick ins Schloss. Der nächste Termin ist am Sonntag, 12. Juli, von 14 bis 15.30 Uhr. Kosten: 4,50 Euro.

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