Schlussstrich nach 40 Jahren

Schutzhof Calden will 22.000 Quadratmeter großes Grundstück kaufen

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Gespräch unter Bäumen: Jutta Menninger und Holger Dietzel vom Bezirksverband der Kinder- und Jugendhilfe Nordhessen unterhalten sich über den Kauf eines derzeit gepachteten Grundstücks. Sie stehen auf Pachtland, der Basketballplatz dahinter ist im Eigentum des Schutzhofes Calden.

Ehrsten. Jahrzehntelang hat die Kinder- und Jugendhilfe Nordhessen einen Großteil des Grundstücks gepachtet, auf dem der Schutzhof Calden steht.

Heute entscheiden die Mitglieder, ob der Verband das Areal, das die Gebäude umgibt, auch kaufen will.

Genutzt wird das Grundstück vom Schutzhof schon lange. Obstbäume wurden gepflanzt, ein großer Geräteschuppen gebaut und ein Basketballfeld errichtet. Über das Grundstück gehen die Jugendlichen, die hier wohnen, auch zum nahegelegenen Bahnhof Fürstenwald. Beim Schutzhof ist man froh, das Grundstück zu haben.

Längere Preisverhandlungen

Jetzt will man es kaufen. Um den Preis gab es längere Verhandlungen. Und es gab eine pikante Note: Der Eigentümer ist beim Bezirksverband aktiv und wollte einen hohen Preis. Zehn Euro pro Quadratmeter sollte der Schutzhof für das Ackerland bezahlen. Bei einer Fläche von 22.000 Quadratmetern hätte der Schutzhof also 220.000 Euro bezahlen sollen. „Die Grundstückspreise in Calden sind seit dem Flughafenbau hoch“, weiß die Präsidentin des Bezirksverbandes, Jutta Menninger.

Doch zehn Euro pro Quadratmeter waren zu viel. Es wurde gehandelt, schließlich wurde ein Schiedsmann mit der Schätzung beauftrag und man einigte sich auf fünf Euro. Heute wird die Mitgliederversammlung darüber befinden, ob der Kauf zustande kommt.

Dass das Areal um den Schutzhof nicht dem Verband gehört, hat historische Gründe. Als der federführend von dem inzwischen verstorbenen Friedhelm Engelbrecht initiierte Schutzhof vor 40 Jahren von Fürstenwald – wo er sein allererstes Domizil hatte – auf den Aussiedlerhof zwischen Ehrsten und Fürstenwald umzog, hatte der Verein kaum Geld.

Er kaufte nur den Hof, also die Gebäude des Aussiedlerhofs und die rund 3000 Quadratmeter direkt um die Gebäude. Das angrenzende Feld mit 22.000 Quadratmeter wurde nur gepachtet. „Es war wohl ein Zehn-Jahres-Vertrag“ sagt die heutige Präsidentin Jutta Menninger. Doch nach zehn Jahren kam es nicht zum Kauf.

Der Pachtvertrag lief immer weiter. Er wurde gehegt und genutzt vom Schutzhof. Dass dem Verband das Land nicht gehört, fiel immer auf, wenn Baumaßnahmen anstanden. Zuletzt war dies der Fall, als ein Basketballfeld errichtet wurde.

Um den Pachtzustand zu beenden, soll das Land jetzt gekauft werden. Eine Rückgabe des Areals an den Eigentümer hat aus Sicht des Verbandes wenig Sinn. Denn das gepachtete Grundstück wurde im Laufe der Zeit aufgepeppt. Unter anderem wurden zig Obstbäume gepflanzt. Wird der Pachtvertrag aufgeben, muss ein Grundstück im „ursprünglichen Zustand“ zurückgegeben werden. Nicht nur Gebäude müssen dann abgerissen werden, auch die Bäume müssten weg.

Das aber geht bei 30 Jahren alten Bäumen nicht so ohne Weiteres, sagt Menninger. Würde man die Bäume fällen, müsste man an anderer Stelle Ersatzpflanzungen vornehmen. „Das kommt dann ganz schön teuer“, sagt Holger Dietzel vom Vorstand des Bezirksverbandes. Heute entscheiden die Mitglieder, ob sie das Areal kaufen oder nicht. Die Kaufsumme scheint manchem sehr hoch zu sein, sodass der Ausgang der Abstimmung offen ist.

16 Plätze für Jugendliche

Der Schutzhof Calden ist eine Einrichtung der Jugendhilfe. In ihm finden minderjährige Jugendliche ab zwölf Jahren Unterkunft, die beispielsweise aus zerrütteten Familien kommen, denen physische oder psychische Gewalt droht oder die vernachlässigt werden. Der Schutzhof ist quasi die erste Anlaufstation. Von dort aus werden weitere Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Die Aufenthaltsdauer ist im Regelfall unter drei Monaten. Der Schutzhof bietet 16 Plätze für Jugendliche an. Ihre Zimmer sind in zwei Häusern. In Calden sitzt auch die Verwaltung des gesamten Bezirksverbandes, der Einrichtungen in Geismar, Wolfhagen, Fuldatal und die Wohngruppe in Reinhardshagen betreibt. Insgesamt sind in Calden, inklusive Teilzeitkräfte, zwei Dutzend Mitarbeiter beschäftigt.

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