Stallpflicht hat gravierende Auswirkungen auf Tiere und Halter

Stress im Hühner-Lockdown in Westuffeln

Hühnerhalter Jörg Kraft aus Westuffeln steht in seinem Stall, in dem er die Hühner wegen der Geflügelpest unterbringen muss.
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Stall statt Wiese: Der Westuffelner Hühnerhalter Jörg Kraft hat ein wachsames Auge auf seine Tiere, die bis zur Stallpflicht tagsüber im Freien lebten und sich jetzt nur schwer an die neue Haltungsform gewöhnen.

Eier von glücklichen Hühnern gibt es auf dem Bio-Hof der Familie Kraft in Westuffeln. Normalerweise. Jetzt sieht die Welt für die Tiere und Landwirt Jörg Kraft weniger glücklich aus.

Westuffeln – Zum Schutz der gefiederten Haus- und Nutztierbestände vor Einschleppung der gefürchteten Geflügelpest durch Zugvögel herrscht Stallpflicht – in Calden wie auch in weiten Teilen des Landkreises. Dieser Geflügel-Lockdown bedeutet Stress für Tiere und Halter.

Weniger Auslauf, weniger Eier

Schotten dicht bringt bei der Auslaufhaltung eine einschneidende Umstellung. Nach dem für seine 200 Tiere vorerst letzten Tag auf der großen Wiese hat Kraft an seinen Mobilställen die automatische Steuerung der Auslaufklappe außer Kraft gesetzt. Die Hühner bleiben unter Verschluss, um jeden Kontakt mit etwaigen Virenüberträgern zu verhindern. So will es die behördliche Anordnung.

Die beiden Hühnermobile der Marke Eigenbau bestehen aus zwei ehemaligen Lkw-Pritschen, ausgestattet mit Fenstern und Sitzstangen. Familie Kraft betreibt einen zertifizierten Naturland-Betrieb. Im Mobilstall zulässig sind danach sechs Tiere auf einen Quadratmeter. Das ist für das Federvieh vergleichsweise noch luxuriös.

Seinen Drang nach Picken und Scharren auf natürlichem Boden schmälert das gegenüber konventioneller Haltung doppelt so große Platzangebot nicht. Weniger Wohlbefinden quittieren die Hennen mit geringerer Legeleistung: „Rund 20 Prozent weniger Eier“, schätzt Sohn Patrick Kraft. Da helfen auch die unter dem Boden der Pritschen mit Plastikwänden umrandeten Miniauslaufflächen wenig. Anstelle von Nahrungssuche auf der Wiese brauchen die Tiere jetzt mehr Futter.

Stallhygiene besonders wichtig

Vater und Sohn Kraft wissen, dass die erzwungene Enge ihren Hühnern zusetzt. „Für die Tiere ist das Stress“, sagt der Westuffelner Hobbylandwirt. Stress schwächt das Immunsystem, Krankheiten können die Folge sein. Umso mehr kommt es auf Stallhygiene an.

Und damit wächst auch der Stress für die beiden Hühnerhalter. Die Einstreu aus Stroh, das im Übrigen auch zur Beschäftigung der Tiere ausreichend ausgelegt sein muss, gilt es in spürbar kürzeren Abständen auszutauschen. Mindestens jeden zweiten Tag muss nachgestreut werden. Stallsäuberung per Schlepper und Schaufel durch die große Doppeltür der ehemaligen Pritsche geht auch nicht mehr, solange die Tiere an Bord sind. Mehr Handarbeit ist gefragt. Und die kostet zusätzlich Zeit. Das ernüchternde Fazit: mehr Arbeit, mehr Kosten, weniger Ertrag.

Familie Kraft zweifelt nicht am Sinn der verfügten Stallpflicht. Auch im Interesse ihrer Tiere aber hofft sie, dass der Hühner-Lockdown gegen die Vogelgrippe nicht so lange dauern wird wie der wegen der Corona-Pandemie für die Menschen. (Dorina Binienda-Beer)

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