Sind Terminvorhersagen möglich?

Corona in Hessen: So werden die meisten Impftermine vergeben

Von vielen ersehnt: die Impfung gegen Corona.
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Von vielen ersehnt: die Impfung gegen Corona.

Noch immer warten viele Menschen in Hessen auf ihre Corona-Impfung. Wir erklären, wie die Termine zustandekommen und was man sonst noch wissen muss.

Kassel/Calden/Wiesbaden - Kaum ein Thema beschäftigt die Menschen derzeit so wie die Frage nach der Corona-Impfung. „Hast du schon einen Termin? Oder bist du schon geimpft?“ sind oft Auftakt eines Gesprächs. Dabei bleibt aber meist unklar, wie die Termine zustande kommen. Fest steht nach Angaben des Landes, dass die meisten per Zufall vergeben werden. Viele Menschen ärgert, dass sie so nicht planen können.

Demnächst sollten laut Hessischem Innenministerium alle Impfberechtigten der Priorisierungsgruppen 1 und 2 (über 70 Jahre, medizinisches Personal, Risikogruppen) ihre Impfung erhalten haben, obwohl sich aus beiden Gruppen immer noch Menschen überhaupt erst um einen Termin bewerben. Angehörige der seit Ende April zur Anmeldung freigegebenen Prio-Gruppe 3 (u. a. über 60 Jahre, Betreuer, systemrelevante Funktion, Lebensmittelhandel) sollten im Landkreis Kassel bis spätestens Ende Juni ihre Termine erhalten und dann auch ihre Impfungen.

Das schätzt Kreissprecher Harald Kühlborn nach der aktuellen Lage und der bisherigen Entwicklung ein. Er meint, dass eventuell bis Ende September alle Menschen im Kreis eine Erstimpfung erhalten haben könnten.

Hessen: Termine für nicht benötigte Corona-Impfungen sollen gelöscht werden

Während für die Prio-Gruppe 3 die Hausärzte Impftermine abhängig von der inviduellen Eignung der Patienten vergeben können, bleibt die Terminvergabe für die 28 hessischen Impfzentren laut Innenministerium dem Zufall überlassen. Nachdem die Terminvergabe in den Gruppen 1 und 2 nach Alter erfolgte, entscheidet in der Gruppe 3 ein Zufallsgenerator über die Vergabe. So kann es sein, dass ein jüngerer Mensch sofort einen Termin erhält – während ein schon länger angemeldeter älterer Mensch immer noch darauf wartet.

Wer aus der Gruppe 1 und 2 bis Ende Mai immer noch keinen Termin erhalten hat, sollte nachfragen, ob es im Meldesystem eine Panne gab. Mitunter gab es Doppelmeldungen oder Teillöschungen bei der Onlineabmeldung, was unnötig Termine blockiert. Alle, die sich sowohl beim Hausarzt als auch beim Land angemeldet haben, sollten den anderen Termin löschen, sobald sie einen Impftermin haben. Das würden leider viele vergessen und so Termine blockieren.

Corona-Impfung in Hessen: Geimpft wird nach dem Zufallsprinzip

Wir fragten beim Land Hessen nach, ob Menschen für ihre persönliche Terminplanung irgendwie erfahren können, wann sie wohl geimpft werden. Antwort: Geimpft wird nach dem Zufallsprinzip, die Chance beispielsweise in der aktuell berechtigten Priorisierungsgruppe 3 einen Termin zu erhalten, sei für alle gleich hoch, erklärte Pressesprecher Benjamin Crisolli vom Hessischen Innenministerium.

Nach der Corona-Impfverordnung des Bundes erhalten in Hessen Menschen der Priorisierungsgruppen 1 und 2 bevorzugt einen Impftermin. Nahezu alle beim Land Registrierten, aber noch nicht Berücksichtigten der Gruppen 1 und 2 hätten in den letzten Tagen ein Terminangebot erhalten oder erhalten es zeitnah.

Da sich aber noch immer täglich mehrere hundert Angehörige der Gruppe 1 und mehrere tausend der Gruppe 2 für eine Schutzimpfung in den Impfzentren registrieren, werden auch weiterhin Terminangebote an diese priorisierten Bürger verschickt. Ab Registrierung dauere es derzeit maximal sieben Tage, bis das Terminangebot unterbreitet wird. Crisolli: „Grundsätzlich bleibt das Ziel bestehen, möglichst allen Impfberechtigten der Gruppen 1 und 2 die Möglichkeit für Erstimpfungen im Mai anzubieten.“

Corona-Impfung in Hessen: Impfgeschwindigkeiten variieren stark

Damit ohne Verzug weitergeimpft werden kann, wurde die Anmeldung für die 3. Priorisierungsgruppe am 23. April freigegeben. Aus dieser Gruppe melden sich derzeit täglich etwa 10 000 Personen an. Aufgrund unterschiedlicher Altersstrukturen und Impfbereitschaft der Bevölkerung sei die Impfgeschwindigkeit in Hessen regional unterschiedlich.

So können Personen der Priogruppe 3 zum Beispiel in Frankfurt und Offenbach bereits in großer Zahl und zeitnah geimpft werden. In anderen Regionen – beispielsweise im Landkreis Kassel – seien zunächst noch einige Impfberechtigte der Priogruppe 2 an der Reihe, bevor zahlreiche Personen der Gruppe 3 einen Termin erhalten können.

Hessen: Angehörige der Priogruppe 3 können mit etwas Glück zur Impfung aufrücken

Es sei allerdings möglich, dass beispielsweise nachträglich freigewordene oder umgebuchte Termine mit Angehörigen der Priorisierungsgruppe 3 besetzt werden, wenn Menschen der Gruppe 2 bereits vollends terminiert sind, erklärt Crisolli. Vor diesem Hintergrund seien in allen hessischen Impfzentren bereits Terminvergaben für Angehörige der Priorisierungsgruppe 3 erfolgt.

Von den rund 1,5 Millionen Impfberechtigten in der Gruppe 3 haben sich (Stand 10. Mai) rund 740.000 Menschen für eine Terminzuweisung in den hessischen Impfzentren registriert. Davon haben bereits über 130 000 Impftermine wahrgenommen, rund 150.000 Menschen haben Terminangebote für die kommenden Tage und Wochen erhalten, 465.000 haben noch keinen Termin.

Corona in Hessen: Terminvorhersage für Impfung nicht möglich

Aufgrund dieser und weiterer Faktoren, wie beispielsweise den wechselnden Empfehlungen bezüglich einzelner Impfstoffe durch die Ständige Impfkommission (Stiko) sei es nicht möglich, eine allgemeine Einschätzung über den Zeitpunkt individueller Impftermine zu geben oder zu sagen, wann alle Einwohner geimpft seien, erklärt der Ministeriumssprecher. Die Landesregierung sei bestrebt, „allen Hessinnen und Hessen so schnell wie möglich ein Impfangebot zu machen“. Aktuell sei hierfür aber noch nicht ausreichend Impfstoff verfügbar.

Das Innenministerium weist darauf hin, dass der Bund für das aktuelle Vierteljahr deutlich mehr Impfstoff angekündigt hat. Zudem würden seit Anfang April auch die Hausärzte mitimpfen. Crisolli: „Darüber hinaus sollen laut Bund ab Mitte Juni auch Betriebsärzte einbezogen werden, sodass die hessische Impfkampagne absehbar auf drei Säulen gestellt und damit sicherlich deutlich beschleunigt werden kann.“

Prognose für Ende Juni: So könnten die Corona-Impfungen in Hessen aussehen

Legt man die öffentlichen Lieferprognosen des Gesundheitsministeriums und des RKI zugrunde (abzüglich zehn Prozent Impfverweigerer), dann müssten nach Berechnungen unserer Zeitung Ende Juni 60 Prozent die Erst- impfung haben und 35 auch die Zweitimpfung.

Landkreissprecher Harald Kühlborn merkt an, dass das Impfzentrum in Calden sofort mehr Astrazeneca verimpfen würde, wenn es mehr Impfstoff-Lieferungen vom Land bekäme. (Thomas Thiele)

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