Sprachbarriere beim Arztbesuch in der Caldener Zeltstadt

Verständigung ist Problem bei Untersuchungen der Flüchtlinge

Rettungseinsatz: Zahlreiche Helfer und Polizisten waren in Calden, als es am Sonntag zu einer Massenschlägerei unter Flüchtlingen kam. Dieses Großaufgebot war allerdings der Ausnahmesituation mit 14 Verletzten geschuldet. Foto: Koch

Calden. 1380 Menschen, untergebracht in Zelten auf einem ehemaligen Flughafen-Areal: Auch die medizinische Versorgung in Calden ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung.

Dabei sind Verständigungs- und Kommunikationsschwierigkeiten offenbar das größte Problem, schilderte unter anderem eine Ärztin, die seit Wochen in der Zeltstadt Calden regelmäßig ehrenamtlich Dienst tut.

So sei es offenbar schwierig, Asylsuchende zu erreichen, die eigentlich zur Erstuntersuchung anstehen würden. Andererseits könnten viele Flüchtlinge nicht erstuntersucht werden, weil kein entsprechender Dolmetscher zur Verfügung stehe, um gemeinsam mit den Medizinern den umfangreichen Fragebogen zur Krankenvorgeschichte durchzugehen.

Wartezeit sorgt für Unmut 

So reagierten Flüchtlinge, die häufig vergeblich vor den Untersuchungscontainern warteten, mit Unmut, schildert die Medizinerin weiter. Zumal in solchen Situationen mitunter Asylsuchende vorgezogen werden müssten, die Englisch sprechen.

Dann sei bei den anderen Wartenden die Enttäuschung natürlich groß. Zumal ein Aufschub der Erstuntersuchung letztlich auch bedeuten können, dass man länger in der Erstaufnahmeunterkunft ausharren muss. „Dadurch können auch Aggressionen untereinander entstehen“, sagt die Ärztin.

Solchen Unmut oder gar aggressives Verhalten habe sich jedoch noch nie gegen sie selbst gerichtet: „Ein wirkliches Problem für uns Ärzte habe ich noch nie erlebt.“

Nach HNA-Informationen hat es allerdings auch solche Vorfälle in der Zeltstadt gegeben. So habe eine Ärztin einen Mann untersuchen wollen, dieser habe sich dafür freimachen müssen. Offenbar habe der Mann diese Situation als unangenehm oder unangemessen empfunden, er habe sie mit einem Fauststoß in die Magengegend weggeschubst.

Polizei in der Nähe

Die Ärztin hatte sich den Angaben zufolge freiwillig für solche Einsätze in der Erstaufnahmeeinrichtung in Calden gemeldet. Trotz des Vorfalls sei sie weiter in der Unterkunft im Einsatz. Beim ersten Termin dort nach der Situation mit dem männlichen Flüchtlinge habe sie aber darauf gedrungen, dass Polizei während der Untersuchung in der Nähe ist.

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