Flughafen Kassel-Calden

Vier Wochen vor Sommerflugbetrieb: Airport sucht noch Mitarbeiter

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Üben, üben, üben: Zur Ausbildung zum Luftsicherheitsassistenten gehört auch zu lernen, wie Personen abgetastet werden. Das trainiert Navid Heenati (vorne von links) mit Frank Blumenstein, während Mounir Bakbachi, der seit 2015 am Flughafen arbeitet, und Zeinab Youssef zusehen.

Calden. In nicht einmal vier Wochen startet am Flughafen Kassel der Sommerflugplan. Dafür sucht der Airport derzeit noch nach Mitarbeitern, vor allem für die Sicherheit.

Am Samstag, 1. Juli, startet morgens um 5 Uhr die erste Maschine der Sundair in Richtung Heraklion. Es wird ein langer Tag: Erst um 23.40 Uhr kommt der Flieger aus dem ägyptischen Hurghada zurück. Die neue Fluggesellschaft stationiert einen Airbus A320 in Calden und steuert damit 13 mal pro Woche insgesamt fünf Urlaubsziele im Süden an. Der Flughafen bereitet sich derzeit auf den Start des Sommerflugbetriebs vor.

Dafür werden noch acht Mitarbeiter gesucht. Insgesamt schafft die Flughafengesellschaft 23 neue Stellen in den Bereichen, die zur Abfertigung der Passagiere und Maschinen notwendig sind – die meisten davon im Sicherheitsbereich. Unter anderem werden laut Geschäftsführer Lars Ernst elf zusätzliche Luftsicherheitsassistenten für die Sicherheitskontrolle benötigt.

Notwendig wird die Aufstockung, weil im Unterschied zum Vorjahr, als Germania den Flughafen zweimal am Tag ansteuerte, nun ein Zwei-Schicht-Betrieb notwendig ist. Die frühesten Flieger starten um 5 Uhr, die späteste Ankunft ist um 23.40 Uhr. 

Um alle anfallenden Aufgaben zwischen Check-in, Infoschalter, Sicherheitskontrolle und Gepäckabfertigung zu bedienen, hat der Flughafen einige neue Mitarbeiter eingestellt. Sie werden derzeit geschult und vom Polizeipräsidium Frankfurt auf ihre Zuverlässigkeit überprüft, erklärt Flughafen-Geschäftsführer Lars Ernst. Das ist Pflicht, weil jeder Mitarbeiter Zugang zum sensiblen Sicherheitsbereich des Caldener Airports hat. Fast alle Angestellte erhalten außerdem eine eintägige Gefahrgutschulung, werden ansonsten aber hauptsächlich intern ausgebildet. Sie lernen dann „on the job“, wie Ernst sagt, sammeln also im regulären Betrieb ihre Erfahrungen.

Jürgen Roske

Anders sieht es bei den Luftsicherheitsassistenten aus, die im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel die hoheitliche Sicherheitskontrolle übernehmen. Ihr Training in Theorie und Praxis dauert sechs Wochen, erklärt Ausbilder Jürgen Roske. „Man muss wissen, was man darf, denn die Richtlinien, wie Passagiere und Gepäck durchsucht werden, gelten in der ganzen EU.“ Außerdem muss das angehende Sicherheitspersonal sein Handwerkszeug lernen: „Sie müssen mit Händen, Augen und Geräten nach Gegenständen suchen, die nicht in den Sicherheitsbereich dürfen, und dafür haben sie nicht viel Zeit“, sagt Roske.

"Stunde der Wahrheit am 1. Juli"

Neun Luftsicherheitsassistenten bildet Roske derzeit aus: „Sie haben sich der Aufgabe gestellt und lernen fleißig.“ Er nimmt an, dass alle die Prüfung bestehen. „Und am 1. Juli schlägt dann die Stunde der Wahrheit.“

Am Ende wird der Flughafen etwa 40 Sicherheitsmitarbeiter haben, wobei zwei Stellen noch offen sind. Auch in den anderen Berufen, die für die Abfertigung von Passagieren und Maschinen notwendig sind, sind noch Stellen frei. So sucht die Flughafen GmbH, die aktuell 133 Mitarbeiter hat, zum Start des Sommerflugbetriebs noch einen Mitarbeiter für die Bordkartenkontrolle und Streifendienste auf dem Gelände sowie einen Angestellten für den Infoschalter.

Die bisher sechs Flugzeug- und Gepäckabfertiger sollen um zwei aufgestockt werden – sie be- und entladen das Flugzeug, sichern es auf dem Vorfeld und beaufsichtigen die Gepäckanlage. Auch der Terminaldienst, der Check-in und Boarding übernimmt, wird um vier Stellen aufgestockt, wobei zwei noch frei sind.

Flughafen-Chef Ernst geht davon aus, dass alle Posten besetzt werden. „Die Resonanz auf unsere Stellenausschreibungen war sehr groß. Das zeigt ja auch, dass der Flughafen als Arbeitgeber in der Region sehr positiv gesehen wird.“

Mit dem Start des Sommerflugplans erweitert der Airport auch seinen Service um einen Vorabend-Check-in: Ab 30. Juni können Passagiere des Morgenflugs ihr Gepäck bereits am Vorabend zwischen 18 und 19 Uhr aufgeben.

Hinweis: Die Karte zeigt die Flugziele im Sommer. Nach Athen fliegt die letzte Maschine Ende Juni, die anderen Ziele werden ab Juli angeflogen. Wohin die Passagiere im Winter fliegen können, lesen Sie hier.

Kommentar von Marcus Janz: Eine neue Zeitrechnung

Bald wird es ernst für den Flughafen Kassel. In vier Wochen startet der erste Flieger der Sundair in Richtung Heraklion. Gleich der erste Tag wird es in sich haben, denn die ersten Mitarbeiter müssen um 2.45 Uhr am Check-in-Schalter sitzen. Die letzten gehen erst nach 1 Uhr in der kommenden Nacht, wenn alle Passagiere ihr Gepäck haben.

Auch wenn der Flughafen bisher von vielen belächelt wird: Die Stationierung einer Maschine in Calden bedeutet den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die Flugzeuge können nicht mehr von einer einzigen Schicht an Bodenpersonal abgefertigt werden. Das braucht deutlich mehr Organisation, damit alles läuft.

Das ist schon aus Sicherheitsgründen unerlässlich. Wenn die letzten Anschläge eines gezeigt haben, dann dass man nie weiß, wo Terroristen zuschlagen. Auch der Kassel Airport ist ein mögliches Anschlagsziel. Dagegen helfen nur ständige Wachsamkeit, gut geschultes und aufmerksames Personal und eine gute Vorbereitung. Dafür müssen jetzt die Grundlagen gelegt werden.

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