Ist er sein Geld wert?

Von Anfang an ein Sprung ins Risiko: Vor 50 Jahren wurde der Flughafen Kassel-Calden eröffnet

Zeitungsausschnitt: Ein Großereignis mit zahllosen Schaulustigen war die Flughafeneröffnung am 11. Juli 1970. Dieser Bericht der Hessischen Allgemeinen erschien am Tag zuvor.
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Ein Großereignis mit zahllosen Schaulustigen war die Flughafeneröffnung am 11. Juli 1970. Dieser Bericht der Hessischen Allgemeinen erschien am Tag zuvor.

Sprung in die Zukunft oder Sprung ins Risiko? 50 Jahre ist es her, dass der Flughafen Kassel-Calden eröffnet wurde und noch immer wird der Sinn des Flughafens diskutiert.

  • 1970 wurde der Flughafen Kassel-Calden eröffnet
  • Noch heute diskutiert man über den Sinn des Flughafens
  • Ein Grund dafür: Die 22 Millionen, die der Bau gekostet hat

Kassel / Calden - Als vor 50 Jahren der erste hessische Regionalflughafen in Kassel eröffnet wurde, gab es schon die Diskussion um den Sinn des „Verkehrslandeplatzes“ in Calden. Kosten waren auch ein Thema. Schon damals sprach man von einem „Sprung in die Zukunft“, einem „Sprung ins große Risiko“ und dass der Flughafen Kassel-Calden „die hohen Kosten wert“ sei. Am ersten von zwei Festtagen sollten eigentlich nur Ehrengäste unter sich feiern. Doch die Besucher strömten in solchen Massen an, dass der Verkehr auf den Zufahrten zusammenbrach, dass die Menschen Absperrungen umgingen und zusätzliche Kräfte geholt werden mussten, um die Flugzeuge zu sichern.

50 Jahre Flughafen Kassel-Calden: 22 Millionen kostete der Bau

21 bis 22 Millionen D-Mark, das wären heute elf Millionen Euro, kostete der Neubau vor 50 Jahren, damals eine enorme Summe. „Wir sind überzeugt davon, dass dieser Platz seine besondere Bedeutung nicht nur für Kassel, sondern für den ganzen nordhessischen Raum hat, sonst hätten wir ihn nicht gebaut“, sagte Kassels Oberbürgermeister Karl Branner.

Die Flughafen GmbH, anfangs allein von der Stadt getragen, hatte 500.000 D-Mark als Zuschuss zugesichert, damit ab dem Start die Fluggesellschaft General Air während der Woche ab Calden einen Zubringer-Liniendienst nach Hannover, Köln/Bonn und Düsseldorf unterhält. Im ersten und zweiten Jahr rechnete man noch mit Anlaufproblemen für den Flughafen.

Branner sagte, es werde an den Kasselern selbst liegen, wie die weitere Entwicklung sein werde: „Dieser Platz ist nicht nur für einige Industriekapitäne und Sportflieger gebaut. Die Zukunft liegt in der Luft, davon sind wir überzeugt.“

50 Jahre Flughafen Kassel-Calden: Neubau eröffnete 2013 in der Nähe

Der Andrang der Besucher war enorm. Etwa 1000 Gäste nahmen an Rundflügen teil.

Tatsächlich sollte die Luftfahrtbranche in den 1970er Jahren und später boomen, doch Calden bekam nur einen Teil davon ab. Es gab regelmäßige Flüge zu Mittelmeerzielen, aber auch immer wieder Rückschläge. Eines der größten Probleme: Die Startbahn lag nicht optimal, größeren Maschinen lag der Dörnberg im Wege.

Die Hessische Landesregierung hatte schon zugesagt, die B7 zu verlegen, falls eine Verlängerung nötig würde. Um das Landebahnproblem zu beheben und wegen des ohnehin überfälligen Ausbaus des Instrumentenlandesystems und der nötigen Sanierung des kompletten Flugplatzes nach 40 Jahren entschied man sich dann, trotz vieler Proteste, zum 271-Mio.-Euro-Neubau des Kassel Airport, der 2013 in der Nähe eröffnet wurde. Auch da sprach man wieder von einem Sprung in die Zukunft.

Einziger Flughafen neben Frankfurt/Main

Der am 11. Juli 1970 eröffnete Verkehrslandeplatz Kassel-Calden, seit dem Neubau 2013 Flughafen, seit 2015 Kassel Airport, ist neben Frankfurt der einzige weitere Verkehrsflughafen in Hessen. Er ist Nachfolger des aufgegebenen Flughafens in Kassel-Waldau, Werkflugplatz der Fieseler-Flugzeugwerke. 2000 landete erstmals eine Boeing 737 in Calden. Frühe Ziele waren München, Malta, Mallorca, Berlin und Tunesien.

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