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Waldinteressenten Meimbressen wollen sich aktiv für ihr Waldgebiet einsetzen

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Von: Tanja Temme

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Startprojekt Benjen-Hecke: Aus Altholz von Buchen bauten die „54er“ – eine Waldinteressentengemeinschaft in Meimbressen – eine Benjen-Hecke nahe des örtlichen Sportplatzes. (von links) Uwe Sitte, Bernd Neutz, Andreas Richter, Bernd Strippelmann legten dabei gemeinsam Hand an.
Startprojekt Benjen-Hecke: Aus Altholz von Buchen bauten die „54er“ – eine Waldinteressentengemeinschaft in Meimbressen – eine Benjen-Hecke nahe des örtlichen Sportplatzes. (von links) Uwe Sitte, Bernd Neutz, Andreas Richter, Bernd Strippelmann legten dabei gemeinsam Hand an. © Tanja Temme

In Meimbressen sind es die sogenannten „54er“, eine Waldinteressengemeinschaft, die Verantwortung für eine 60 Hektar große Fläche rund um den Ort trägt.

Meimbressen – Dass Bürger ein Waldgebiet ihr Eigen nennen dürfen, kommt im ländlichen Raum gar nicht mal so selten vor. In Meimbressen sind das die sogenannten „54er“, eine Waldinteressengemeinschaft, die Verantwortung für eine 60 Hektar große Fläche rund um den Ort trägt. Was für Herausforderungen ein solcher Besitz in diesen Zeiten mit sich bringt, erzählten die Waldbesitzer unserer Zeitung.

Jahrzehntelang war die Waldbewirtschaftung für die Anteilseigner keine große Sache, hat man doch Hessenforst dafür beauftragt. So kümmern sich seit langem Fachleute um das Fällen erntereifer Bäume, pflanzen neue und schauen, dass der Naturraum im Gleichgewicht bleibt.

Schwierigkeiten der Waldeigentümer: Trockenheit, Insekten und Stürme schädigten den Wald

Trockenheit, Insekten und Stürme schädigten den Wald in den vergangenen Jahren allerdings so sehr, dass die Eigentümer nun mehr gefragt sind. „Seit vier bis fünf Jahren schreiben wir rote Zahlen, die Zeiten, in denen wir fünfstellige Summen aus dem Holzverkauf ziehen konnten, sind vorbei“, berichtet Uwe Sitte, der seit diesem Jahr der Gemeinschaft vorsteht.

Mit seiner Wahl ist so etwas wie frischer Wind in die die Gruppe eingezogen, denn der Vorsitzende hat sich einiges vorgenommen: „Wir wollen einen aktiven Beitrag zur Rettung des Waldes und damit zur Dämpfung des Klimawandels leisten.“

Sind Fichten in dem Wäldchen durch Wassermangel und Borkenkäferbefall kaum noch vorhanden, so macht den Waldbesitzern nun auch die Hauptbaumart Buche große Sorgen. „Nach dem dritten Dürrejahr in Folge müssen wir auch bei den Buchen starken Schäden feststellen“, erklärt Sitte.

Hat viel vor: Uwe Sitte ist der neue Vorsitzende der Waldinteressenten Meimbressen. Auch den Hellen Platz, der im Waldgebiet der 54er liegt, wurde freigeschnitten.
Hat viel vor: Uwe Sitte ist der neue Vorsitzende der Waldinteressenten Meimbressen. Auch den Hellen Platz, der im Waldgebiet der 54er liegt, wurde freigeschnitten. © Tanja Temme

Auch wenn dieser traurige Zustand Sitte und die anderen beunruhigt, so weckt es zeitgleich ihren Ehrgeiz, sich für die grüne Oase stark zu machen. „Einerseits soll unser Wald durch Umbau der Baugesellschaften zukunftsfähig gemacht werden, andererseits wollen wir mit Umweltprojekten fördern.“

Genau deshalb ging es jetzt los mit dem Erstellen einer Benjen-Hecke, also eines zehn Meter langen Aufbaus aus Altholz, in der „sich künftig Baumsamen sammeln sollen, sodass das Nachwachsen von Bäumen gefördert wird“. Bei diesem Einsatz wurde auch der Zuweg zum Hellen Platz freigeschnitten, dieser gemäht und ebenfalls Trockenholz im Grenzbereich zum Wald befreit.

Keine Veranstaltungen im Wald seit Corona

Coronabedingt fand in der Waldlichtung zwei Jahre lang keine Veranstaltung statt, im Juli soll dort eine Sonnenwendfeier stattfinden, weshalb das Areal auf Vordermann gebracht wurde.

Dass nicht nur in klimaschützerischer Hinsicht viel vor ihm liegt, ist Sitte bewusst. So will er nicht nur weitere Umweltprojekte vorantreiben, sondern sich auch mit den benachbarten Waldinteressenten aus Fürstenwald und Westuffeln vernetzen.

Außerdem will er sein eigenes Trüppchen motivieren, sich mehr einzubringen, waren bei der Startaktion im Wald doch gerade mal sechs der insgesamt 42 Miteigentümer dabei. (Tanja Temme)

54 Bürger erwarben im 19. Jahrhundert Wald

Die Geschichte der Waldinteressenten reicht in das 19. Jahrhundert zurück. Seinerzeit erwarben 54 Bürger gemeinsam den Besitz des Waldgebiets bei Meimbressen, der deshalb noch immer in Privatbesitz ist. Früher bewirtschafteten die Anteilseigner selbst ihren Wald, heute kooperiert die Organisation mit Hessenforst. Tatsächlich gehört jedem der Waldinteressenten ein Zweiundvierzigstel der Gesamtfläche, abgesteckte Bereiche wie in der Landwirtschaft gibt es im Wald nicht. In Deutschland sind die Wälder in staatlicher, kommunaler oder eben auch in privater Hand.

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