Gericht will ab heute mutmaßlichen Mord an 35-Jährigem aufklären

Warum musste der Wachmann aus Ehrsten hier sterben?

Hier passierte es: Außer Reifenspuren auf einem Feld zwischen Ehrsten und Fürstenwald erinnerte einen Tag nach dem mutmaßlichen Mord an einem 35-Jährigen nichts an die Tat. Archivfoto: Novak

Calden. Acht Monate ist es her, dass ein 25-jähriger Mann aus dem Caldener Ortsteil Ehrsten laut Anklage seinen 35-jährigen Arbeitskollegen aus Kassel kaltblütig mit einer Pistole in den Kopf geschossen haben soll. Heute steht er vor Gericht.

Die Tat

Der ehemalige Wachmann des Flüchtlingslagers in Calden ist wegen Mordes angeklagt. Er soll laut Staatsanwaltschaft am 10. Februar mit seinem Opfer in dessen Auto auf ein Feld bei Fürstenwald gefahren sein und dem Mann von der Rückbank aus in den Kopf geschossen haben. Der Pkw kam daraufhin zum Stehen. Nach dem Aussteigen soll der Angeklagte bemerkt haben, dass sein Opfer noch lebt und ihm nochmals in den Kopf geschossen haben. Die Leiche wurde wenig später in einem Auto entdeckt. Der Angeklagte hat die Tat gestanden.

Das Motiv 

Zum Motiv weiß man nichts Genaues, die Staatsanwaltschaft will laut Sprecher Götz Wied im Vorfeld der Verhandlung nichts dazu sagen.

Die Gerüchte

Eine Beziehungstat, Streit, Drogen, psychische Probleme – Gerüchte über den Angeklagten und sein Opfer gibt es viele. Die beiden sollen befreundet gewesen sein, das Opfer, ein Sicherheitsmann mit türkischen Wurzeln, kümmerte sich angeblich um den mutmaßlichen Täter. Dieser sei zum Islam konvertiert, das habe ihn zumindest zeitweise psychisch stabilisiert. Er habe versucht, sich Beruhigungspillen zu verschaffen, weil er sich selbst als zu aggressiv empfunden habe. Sogar mit Mord an seinem späteren Opfer soll der 25-Jährige gedroht haben – was von seinen Kollegen als schlechter Scherz empfunden worden sei.

Die Kritik

Die Tat hatte im Februar weite Kreise gezogen. Mehrere Mitarbeiter der Caldener Flüchtlingsunterkunft wandten sich an die HNA und kritisierten Vorgesetzte und die Situation im Lager. Sie schilderten unter anderem, dass der Tatverdächtige psychische Probleme gehabt habe. Dies sei der Schichtleitung des Sicherheitsdienstes mehrfach mitgeteilt worden. Außerdem berichteten sie von unhaltbaren Zuständen, Drogen und Mobbing im Lager. Das Land widersprach den Vorwürfen.

Die Reaktionen

Bewohner aus Calden und seinen Ortsteilen standen nach der Tat unter Schock – vor allem, weil ein paar Tage später das nächste Verbrechen passierte: In einem Graben zwischen Westuffeln und Meimbressen war am 14. Februar eine Leiche gefunden worden. Es war Ellen L., die im Caldener Ortsteil Ehrsten gelebt hatte. Schnell wurde über einen Zusammenhang zwischen dem Leichenfund und der Bluttat, an der die Security-Mitarbeiter aus Calden beteiligt waren, spekuliert. Es stellte sich heraus, dass die beiden Vorfälle nichts miteinander zu tun hatten. Zum Fall Ellen L. wird immer noch ermittelt. Die Polizei geht von einem Gewaltverbrechen aus.

Die Verhandlung

Der Mord an dem 35-Jährigen aus Kassel wird ab heute vor dem Landgericht Kassel in Raum D 130 verhandelt.

Alles zum Prozessauftakt lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA, sowie am Verhandlungstag auf HNA.de und Kassel-Live. 

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