Null Einnahmen für Veranstalter

Weder Planbarkeit noch Sicherheit für Feiern und Feste während Corona

Berthold Braun von der Konzertscheune Calden steht vor einer Wand mit vielen Bildern von Künstlern, die bereits bei ihm aufgetreten sind.
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Berthold Braun hat bereits viele große Künstler für das Varieté gewonnen. In diesem Jahr konnte allerdings noch keine Veranstaltung in der Konzertscheune Calden stattfinden.

Die Veranstaltungsbranche wurde durch die Coronakrise hart getroffen.

Kreisteil Hofgeismar – Seit Mitte März dürfen keine Veranstaltungen mehr stattfinden, und wenn, dann nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Das bedeutet große Verluste für Künstler, aber auch für die Veranstalter. Im Kreisteil Hofgeismar haben es die Veranstalter während dieser Zeit sehr schwer.

Konzertscheune Calden

Am 31. Dezember letzten Jahres fand die letzte Veranstaltung in der Konzertscheune Calden statt. „Im März hätte es mit Hochzeiten, runden Geburtstagen und Firmenveranstaltungen dann wieder richtig losgehen sollen, aber dann kam leider Corona dazwischen und wir mussten alles absagen“, erzählt Berthold Braun, der die ganzen Veranstaltungen in der Konzertscheune organisiert. Bis auf drei Wochenenden sei bereits bis Oktober alles ausgebucht gewesen. „Ich hatte mich schon sehr auf die Saison gefreut“, erwähnt Braun. Außerdem wäre eine Veranstaltung dabei gewesen, die ihm besonders am Herzen gelegen hätte: „Ein Paar, das seine Hochzeit damals bei uns gefeiert hatte, wollte in diesem Jahr seine Silberhochzeit wieder bei uns feiern.“

Das Dramatische an der Situation: Bislang konnten keine Veranstaltungen in der Konzertscheune stattfinden, somit gab es keine Einnahmen. Alle Mitarbeiter seien zu 100 Prozent in Kurzarbeit, nur Braun und seine Frau arbeiten, um ein entsprechendes Konzept zu erstellen, damit im Dezember eventuell das Wintervarieté in kleiner Form wieder stattfinden kann. Das hänge aber davon ab, wie viele Plätze er anbieten könne und ob sich das kostendeckend lohnen würde, schließlich sei das Varieté „aufwendig und kostspielig.“

Schlimm sei jedoch, dass man nicht wisse, wie lange sich das alles noch ziehe. „Eine komplette Branche, die viel größer ist, als viele denken, liegt jetzt brach“, betont Braun. Trotzdem versucht er, nach vorne zu schauen: „Dieses Jahr ist gelaufen, aber ich werde 80 Prozent der Veranstaltungen ins nächste Jahr verschieben, allerdings unter der Voraussetzung, dass es auch stattfinden kann.“

Müller-Event-Service

Marc Müller hat mit der Firma Müller-Event-Service vor fünf Jahren seine eigene Eventagentur gegründet. Doch seit Corona hat auch er null Einnahmen, da er keine Veranstaltungen mehr organisieren kann. „Die letzte Rechnung habe ich am 28. Februar erstellt“, sagt Müller.

Marc Müller von Müller-Event-Service hat sich eine neue Musikanlage gekauft.

„Die Veranstaltungsbranche ist ja gigantisch groß, das geht vom Floristen über den Metzger bis zum Messebauer“, schildert Müller. Da seien mindestens eine Millionen Arbeitsplätze betroffen. Einige Veranstalter könnten nur eine begrenzte Zeit durchhalten. „Das wird eine Bereinigung und einen Wegfall von vielen großen Veranstaltern bedeuten“, meint Müller. „Das große Problem ist, dass es keine Planbarkeit und keine Sicherheit gibt“, ergänzt Müller. Wenn im nächsten Jahr wieder größere Veranstaltungen stattfinden können, würde seine Firma auch bis nächstes Jahr durchhalten. „Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltern habe ich alles selbst gekauft und nichts geleast“, erklärt er. Das sei ein großer Vorteil in der Krise. Vor allem Musikanlagen kosten ein Vermögen. 90 Prozent der Veranstalter würden diese leasen und sind nun nicht mehr in der Lage, die Verträge zu zahlen. Müller selbst habe sich sogar noch eine Musikanlage dazu gekauft, da diese momentan günstiger verkauft werden. Während Corona habe er Musikanlagen eingebaut, um sich über Wasser zu halten. Im April letzten Jahres hat er angefangen, eine große Lagerhalle in Grebenstein zu bauen, in der auch Veranstaltungen stattfinden können. Eigentlich sollte die Halle im April diesen Jahres fertig werden. Wegen Corona kam auch dies zum Zwischenstopp.

Trotzdem schaut er positiv in die Zukunft: „Wenn wir hoffentlich bald alles hinter uns haben, werden wir schöne Feste und Partys feiern und Jung und Alt begeistern.“

Jahnturnhalle

In der Jahnturnhalle in Immenhausen, in der sonst neben Sportveranstaltungen viele Hochzeiten und Geburtstage stattfinden, sind auch viele Feiern ausgefallen. Damit seien zudem eine Menge Einnahmen weggefallen. „Neun größere Veranstaltungen konnten wegen Corona nicht stattfinden“, erzählt Kristoffer Koch, Leitung der Geschäftsstelle. Am 3. Juni durfte dann allerdings die erste Stadtverordnetenversammlung stattfinden. „Das Wochenende danach konnte auch die erste kleine Hochzeitsfeier wieder hier gefeiert werden“, ergänzt Koch.

Kristoffer Koch : Leitung der Geschäftsstelle der Jahnturnhalle

Zwar können dort kleinere Feiern wieder stattfinden, aber nur unter bestimmten Auflagen. Der TSV Immenhausen würde ab und zu auch kontrollieren, dass alle Regeln eingehalten werden. „Bisher hat alles sehr gut funktioniert“, betont Koch.

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