Verkaufspläne beunruhigen die Belegschaft

ZF Luftfahrttechnik GmbH in Calden: Betriebsrat fordert Sicherheit für Standort

Gebäude der Caldener Firma ZF Luftfahrttechnik
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Die Caldener Firma ZF Luftfahrttechnik steht vor dem Verkauf. Betriebsrat und Gewerkschaft fordern Sicherheit für die rund 400 Mitarbeiter.

Calden – Nach dem Bekanntwerden der Verkaufspläne für die ZF Luftfahrttechnik GmbH in Calden fordern Betriebsrat und IG Metall Sicherheit für die rund 400 Mitarbeiter des Standortes.

Laut Betriebsratsvorsitzendem Michael Brömsen arbeitet das Gremium dazu derzeit gemeinsam mit der Gewerkschaft einen entsprechenden Tarifvertrag aus.

Brömsen, der seit zwei Jahren den Betriebsrat leitet, zeigte sich verwundert über die unternehmerische Entscheidung des Mutterkonzerns ZF Friedrichshafen, den Caldener Standort verkaufen zu wollen. „Ich kann die Entscheidung nicht nachvollziehen“, sagte er im Gespräch mit der HNA. Der Betrieb sei profitabel und verfüge über großes Know-how in der Luftfahrttechnik. Wie berichtet, werden dort Getriebe, Ersatzteile und Komponenten verschiedener Art für unterschiedliche Hubschraubertypen gebaut und gewartet. Im Auftrag der Bundeswehr betreut ZF auch Komponenten der deutschen militärischen Hubschrauberflotten.

HNA-Informationen zufolge soll die ZF Friedrichshafen, die zu den weltweit größten Automobilzulieferern gehört, die Pläne gegenüber den Mitarbeitern damit begründet haben, sich aus Sorge um einen Imageschaden von der militärischen Sparte trennen zu wollen. Der Mutterkonzern selbst betonte auf Anfrage, der Grund für die Verkaufspläne liege darin, dass ZF in den nächsten Jahren stärker in automobile Technologien investieren wolle.

Angesichts der Verkaufspläne sei die Unsicherheit in der Belegschaft groß, sagt Brömsen. „Die Ungewissheit ist belastend.“ Verstärkt werde das durch die Coronakrise. „Der Mutterkonzern will uns verkaufen, aber was macht er, wenn er in der aktuellen Situation keinen Käufer findet?“, fragt sich der Betriebsratsvorsitzende. Er fordert die Entscheider auf, mit offenen Karten zu spielen. „Wir möchten wissen, was kommt und in die Verkaufsgespräche mit eingebunden werden.“

Die Konzernspitze habe die Belegschaft nicht rechtzeitig über ihre Absichten informiert, kritisiert Andreas Köppe, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Nordhessen. Stattdessen habe man Gerüchte dementiert, bis es nicht mehr anders gegangen sei.

Gemeinsam arbeiten Betriebsrat und Gewerkschaft derzeit an einem sogenannten Überleitungstarifvertrag, mit dem die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen gesichert werden sollen. Er umfasst laut Brömsen und Köppe die Themen Standort-, Beschäftigungs- und Einkommenssicherung, die Sicherung aller bisherigen Rechte sowie Zukunftsperspektiven für die kommenden zehn Jahre.

„Wir wünschen uns Offenheit aufseiten der Entscheider in diesem Prozess“, sagt Brömsen. „Und Wertschätzung für Top-Leute mit einer Top-Leistung“, ergänzt Köppe. Sie wollen mehr Sicherheit für die Mitarbeiter schaffen und gleichzeitig verhindern, dass deren Know-how am Caldener Standort verloren geht. „Eine solche Vereinbarung sorgt ja auch dafür, dass die Leute an Bord bleiben“, betont Brömsen.

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