Garantie bis mindestens Ende 2022 - Bei Verkauf noch länger

Standort von ZF Luftfahrttechnik in Calden vorerst gesichert

Eingangsbereich ZF Luftfahrttechnik in Calden
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Blick auf den Standort Calden: der Eingangsbereich der ZF Luftfahrttechnik GmbH.

Der Standort des Unternehmens ZF Luftfahrttechnik GmbH in Calden bleibt selbst bei einem möglichen Verkauf durch den Mutterkonzern auf mehrere Jahre hin gesichert.

Calden - Auch betriebsbedingte Kündigungen für die rund 400 Mitarbeiter sind vorerst ausgeschlossen. Das erklärten IG Metall, Betriebsrat und Konzern auf Anfrage unserer Zeitung.

Der Hintergrund: Die ZF Friedrichshafen AG sucht einen Käufer für die Tochterfirma in Calden, die mit Hubschraubertechnik und Wartung von Helikoptern ihr Geld verdient. Dies hatte bei der Belegschaft dort bereits im Frühjahr Befürchtungen um die Zukunft des Standortes ausgelöst, es gab öffentliche Protestaktionen (HNA berichtete). Nun hat man sich auf folgendes Vorgehen geeinigt, wie Andreas Köppe, Gewerkschaftssekretär der IG Metal Nordhessen, der Caldener Betriebsratsvorsitzende Michael Brömsen und ein Unternehmenssprecher der ZF Friedrichshafen AG übereinstimmend berichten:

Es wurde ein sogenannter Überleitungstarifvertrag für den Fall eines Verkaufs ausgehandelt. Darin wird eine Standortsicherheit für Calden bis 31. Dezember 2025 gegeben. Zudem sind bis 30. Juni 2023 betriebsbedingte Kündigungen am Standort ausgeschlossen. Diese Bedingungen würde ein neuer Eigentümer des Unternehmens übernehmen.

Kommt es nicht zum Verkauf, gilt für Calden der für alle deutschen ZF-Standorte abgeschlossene „Tarifvertrag Transformation“. Dieser schließt bis Ende 2022 betriebsbedingte Kündigungen aus und garantiert bis dahin die Sicherheit der Standorte.

Mit Blick auf diese Zahlen wird klar: Mehr Sicherheit zum jetzigen Zeitpunkt für Calden würde tatsächlich ein Verkauf des Unternehmens bieten. Die Verhandlungen dafür laufen. Es gebe mehrere Bieter, der Prozess sei aber nach wie vor ergebnissoffen, erklärte ein Sprecher der ZF Friedrichshafen AG gegenüber unserer Zeitung. Corona habe die Verkaufsgespräche zwar verzögert. Man peile dennoch an, dass bis zum Jahresende Klarheit über den Käufer bestehen solle.

Zum Hintergrund des Verkaufs erklärt der Mutterkonzern, dass man sich künftig auf den Bereich von Techniken für die Zukunft der Automobilbranche, etwa im Bereich E-Mobilität, konzentrieren wolle. Daher habe man den Verkauf des Tochterunternehmens in Calden aus dem Bereich Luftfahrttechnik eingeleitet. Auch, wenn man für diesen Bereich generell Zukunftsspotenzial sieht.

Die jetzt erzielte Einigung für einen Überleitungstarifvertrag sei nach vielen Verhandlungen erfolgt, berichtet Andreas Köppe, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Nordhessen. Vorausgegangen sei eine extrem erfolgreiche betriebliche Mobilisierungskampagne. Der ausgehandelte Überleitungsvertrag werde von einem potenziellen neuen Besitzer übernommen.

„Damit werden auch nach einem Verkauf die Interessen der Beschäftigten gewahrt“, sagt Köppe. Das Verhandlungsergebnis sei unterschrieben. Jetzt schaue man noch, welche Betriebsvereinbarungen, etwa zur Betriebsrente, Teil des Vertrags werden sollen. In der Belegschaft in Calden komme das natürlich positiv an, ergänzte der dortige Betriebsratschef Michael Brömsen. Arbeit gebe es auch in Coronazeiten genug: „Wir hatten am Standort keine Kurzarbeit.“

Von Arbeitgeberseite kommentierte ein Sprecher, es seien harte, aber faire Verhandlungen gewesen. (Matthias Müller)

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