Kein Senkrechtstarter

Zukunft des Flughafens Calden: Ernüchterung macht sich breit

Abflug von Kassel-Calden: Die Germania-Maschine nach Mallorca gehört noch zu den wenigen Urlaubermaschinen, die regelmäßig vom nordhessischen Flughafen starten. Foto: Thiele

Calden. Die Korrektur der Fluggastprognose kommt angesichts der Passagierzahlen nicht überraschend. Und es stellt sich die Frage, ob auch die gekappten Ziele nicht zu hoch sind.

Geschäftsführer Ralf Schustereder jedenfalls ist überzeugt, das sein Geschäftsplan hält. „Ich habe und werde nie einen Senkrechtstart für Calden versprechen. Ich setze auf einen ruhigen, stetigen Steigflug. Mit unserem Geschäftsplan ist das möglich“, sagte er.

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Betreibergesellschaft, Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU), glaubt an den neuen Geschäftsplan. Er habe das Potenzial, Kassel-Calden zu einem erfolgreichen Regionalflughafen zu entwickeln. Gleichzeitig betonte er aber, dass die im Koalitionsvertrag mit den Grünen vereinbarte kontinuierliche Reduzierung des Verlustes und damit auch des Landeszuschusses eingehalten werden müsse. „Wir haben auch eine Verpflichtung den Steuerzahlern gegenüber.“ Sollten trotz der Anstrengungen die Vorgaben der EU oder der Koalitionsvereinbarung nicht zu erreichen sein, müsse man auf Alternativen vorbereitet sein. 2017 stehe ohnehin die verabredete Neueinschätzung der Perspektiven an.

Wie die Alternative aussehen kann, benennen die Sprecher der Landtagsfraktionen der schwarz-grünen Koalition, Michael Boddenberg und Mathias Wagner. Sie betonen, dass keine Maßnahme ausgeschlossen werde. „Für den Fall einer nicht erfolgreichen Entwicklung des Regionalflughafens Kassel-Calden gehört dazu ausdrücklich auch, die dauerhafte Nutzung durch die nordhessische Wirtschaft durch eine Rückstufung zum Verkehrslandeplatz zu sichern.“

Minister Schäfer bot den kommunalen Gesellschaftern unterdessen an, dass sich die Hessische Landgesellschaft um Entwicklung und Vermarktung des alten Flughafens als Gewerbegebiet kümmert und das Land etwaige Risiken mitträgt. Sein Stellvertreter, Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, begrüßte das Angebot. „Es ist interessant und in der Grundkonstruktion richtig.“ Mit der interkommunalen Zusammenarbeit und Kooperation mit der Hessischen Landgesellschaft habe man gute Erfahrungen gemacht, sagte er.

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Die SPD-Fraktion im Landtag forderte die Landesregierung auf, den Landtagsbeschluss aus dem Jahr 2010 umzusetzen und ein Konzept für die Ansiedlung Luftfahrt-affiner Unternehmen am Flughafen zu entwickeln. Ihr verkehrspolitischer Sprecher, Uwe Frankenberger, wirft der Landesregierung vor, diesbezüglich „nur wenig bis nichts“ unternommen zu haben. Gleichzeitig kritisierte er die für 2017 vereinbarte Neueinschätzung als verfrüht. Dies könne mögliche Investoren abschrecken.

Der Geschäftsführung sprach Frankenberger das Vertrauen aus. „Die SPD-Fraktion traut ihr zu, die gesteckten Ziele zu erreichen.“

Von José Pinto

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