Wegen Sturm Friederike

Neue Aussicht vom Charlottenstein auf Bad Karlshafen und ins Wesertal

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Opfer des Sturms: Friederike warf Anfang 2018 diese beiden Kiefern auf den Turm am Charlottenstein und beschädigte ihn erheblich. Zugleich sorgte der sturmbedingte Kahlschlag für ganz neue Aussichten über das Wesertal.

Bad Karlshafen. Seit Sturm Frederike bietet sich vom Charlottenstein in Bad Karlshafen wieder ein toller Ausblick. Noch ist allerdings unklar, was aus dem Aussichtsturm wird. 

Eigentlich ist es fast schon ein wenig tragisch. Jahrzehntelang fristete der Charlottenstein, ein kleiner Aussichtsturm im Steilhang hoch über der Weser, ein Dornröschendasein: zugewachsen, unzugänglich und fast vergessen. Dann kamen die Stürme der letzten Jahre und haben dem Turm nach und nach schon fast wieder seine Bestimmung – die Sicht auf Bad Karlshafen und ins Wesertal – zurückgegeben. Sturm Friederike warf Anfang dieses Jahres in dem exponierten Hang erneut viele Nadelbäume um. Zwei Kiefern trafen allerdings das Sandsteingemäuer selbst und zerstörten es zu etwa einem Drittel. Die Treppe zu der kleinen Plattform existiert nicht mehr, ein Schild warnt vor Einsturzgefahr.

Einer, dem das Schicksal des Türmchens besonders am Herzen liegt, ist Harry Oberländer. „Das war für uns als Kinder ein toller Spielplatz“, erinnert er sich voller Wehmut und fragt sich, ob und wie das Gemäuer vielleicht zu retten sein könnte. Für ihn und andere, die in Karlshafen in der Nähe des Reinhardswaldes aufwuchsen, ist der Charlottenstein ein emotionales Thema. Auch Christian Schneider beschäftigt sich seit einiger Zeit als Leiter der Projektgruppe Wanderwege des Bürgervereins mit dem Türmchen.

Ausblick künftig nutzen

Wie einige andere touristisch und kulturell interessante Orte in der Umgebung hätte man den Charlottenstein am liebsten wieder in das lokale Wegenetz eingebunden. Darüber, wie es nun mit dem eingetragenen Kulturdenkmal weitergeht, sollte ein Ortstermin im Sommer mehr Klarheit bringen. „Wir haben festgestellt, dass es schade wäre, den Ausblick, der sich nach dem Sturm nun bietet, ungenutzt zu lassen“, sagt Bürgermeister Marcus Dittrich.

Christian Schneider kann sich gut vorstellen, den Turm ohne Treppe wieder herzustellen und den Platz davor zu nutzen. „Für eine Gestaltung des Areals bräuchte es tatkräftige und wohl auch finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung.“ Hessen Forst hat als Besitzer des Charlottensteins die Aufräumarbeiten in diesem Bereich nach dem Sturm abgeschlossen und verweist auf ein Gutachten, das vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Auftrag gegeben wurde. 

Alles was über die Geschichte des Türmchens bekannt ist, passt auf diese Tafel. 

Das Gutachten, das noch nicht vorliegt, solle Aufschluss darüber geben, ob und wie eine Sicherung des Bestandes erfolgen könne, teilte Karin Bek, Pressesprecherin des Landesamtes mit. Das weitere Vorgehen und die Finanzierung sollen anschließend geklärt werden. „Derzeitiges denkmalpflegerisches Ziel ist die Sicherung der Ruine. Eine Rekonstruktion wird nicht angestrebt.“

Kulturdenkmal Charlottenstein

Der Charlottenstein wurde in den Jahren 1925 bis 1940 von Alfred von der Stein (1892-1944), einem Essener Studienrat, während dessen Aufenthalten in Karlshafen erbaut. Benannt hat er ihn nach seiner Frau Charlotte, die zur Kur an die Weser kam. „Mehr als auf der Gedenktafel am Gemäuer steht, wissen wir über die Geschichte des Turms und seines Erbauers derzeit nicht“, sagt Harry Oberländer. 

„Vor den alten Sandsteinbrüchen, etwa einen Kilometer nordöstlich von Bad Karlshafen, steht eine kleine runde Aussichtsplattform, gemauert aus behauenen Sandsteinblöcken. Gestaltet ist die Anlage wie ein kleiner Aussichtsturm, der sich malerisch in den Hang des Waldes einfügt“, heißt es in der Denkmalbegründung zum Charlottenstein. 

Das Problem: Beim Bau seien keine Baunormen eingehalten worden, teilweise bestehe der Charlottensein aus Trockenmauern mit geringer Fundamentierung, erklärt Karin Bek. Dies sei auch ein Grund für das erhebliche Ausmaß der Sturmschäden.

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