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Debatten um gemähte Wege: Bei Heisebeck wurden großflächig Insektenpflanzen entfernt

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Von: Thomas Thiele

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Abgemäht: So sahen die Wegränder kurz nach dem Schnitt aus. In Heisebeck gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob das richtig oder falsch ist.
Abgemäht: So sahen die Wegränder kurz nach dem Schnitt aus. In Heisebeck gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob das richtig oder falsch ist. © Privat/NH

Eine größere Mähaktion in der Gemarkung des Wesertaler Ortsteils Heisebeck sorgte für Gesprächsstoff.

Heisebeck – Die starke Abnahme von Insekten und das drohende und bereits geschehende Aussterben vieler Arten, vor allem von Schmetterlingen, ist zum Dauerthema geworden. Umso mehr sorgte in diesen Tagen eine größere Mähaktion in der Gemarkung des Wesertaler Ortsteils Heisebeck für Gesprächsstoff.

Ein Landwirt hatte an mehreren Wegen, auch solchen, die als Sackgassen enden und keinen Durchgangsverkehr durch Landwirte, Radfahrer oder Wanderer verzeichnen, die Graswege und die Seitenstreifen abgemäht, obwohl gerade viele Tiere auf Blütensuche sind und andere es zur Deckung (als Versteck) nutzen. Daran gab es Einwohner-Kritik, die bis zum Ortsvorsteher und zum Bürgermeister vordrang.

Zeitpunkt des Mähens wurde kritisiert

Kritisiert wurde neben dem Umfang auch der Zeitpunkt des Mähens, weil es besser wäre, nicht im Mai noch während der Brut- und Setzzeit zu mähen, sondern besser erst Ende Juni oder sogar erst nach der Ernte. Zudem haben dann Kräuter die Chance, sich zu vermehren.

Der betreffende Landwirt erklärte auf Anfrage der HNA, dass das Wegrändermulchen so üblich sei, dass er das schon immer so praktiziert habe und es Gründe dafür gebe. Im Herbst könne man das Gras vielleicht stehen lassen, aber jetzt, wenn der Raps zwei Meter und das Getreide einen Meter hoch stehe, sei ein Sichtstreifen nötig.

In einer langfristig bis zur Samenreife blühenden Wiese finden viele Tiere Nahrung und Schutz und wertvolle Kräuter können sich vermehren.
In einer langfristig bis zur Samenreife blühenden Wiese finden viele Tiere Nahrung und Schutz und wertvolle Kräuter können sich vermehren. © Thomas Thiele

Er selbst sei kein Jäger, aber unter anderem hätten ihn Jäger gebeten, dort ein freies Schussfeld auf Wildschweine zu schaffen. Man solle zwar erst ab dem 1. Juli mähen, doch andere, etwa die Gemeinde, hätten das entlang asphaltierter Wege auch schon gemacht, nur in diesem Jahr noch nicht geschafft.

Ein Grund für das Mähen, allerdings nicht in diesem Fall, könne es auch sein, das Ausbreiten von Ungräsern wie Ackerfuchsschwanz oder Trespe in die Frucht hinein zu verhindern, was schnell drohe, seitdem immer weniger Pflanzenschutzmittel zugelassen seien.

Landkreis Kassel: Keine festen Regeln für das Mähen

Laut Landkreis Kassel gibt es für das Mähen von Wegrändern derzeit keine festen Regelungen wie Verordnungen. Es sei zwar nicht grundsätzlich verboten, während der Blütezeit zu mähen, aber problematisch. „Durch das vorzeitige Mähen und insbesondere Mulchen werden zahlreiche Insekten getötet, sodass die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis dazu rät, später im Jahr zu mähen oder zu beweiden“, erklärte Kreispressesprecher Harald Kühlborn auf Nachfrage.

In der Regel seien die Feldwegränder im kommunalen Eigentum. Somit könne die Kommune entsprechende Regelungen mit den angrenzenden Landwirten treffen wie etwa eine Feldwegesatzung. Zusammen mit dem Zweckverband Raum Kassel habe der Landkreis bereits entsprechende Empfehlungen entwickelt, wie sich Landwirte, Jäger, Wanderer und Naturschützer verhalten sollen.

Feldwege bieten Insekten Lebensraum

Feldwege ermöglichen zum einen den Landwirten das Erreichen ihrer Betriebsflächen, seien zum anderen aber auch – wie die Wegsäume und vor allem die nicht asphaltierten Graswege – wichtige Verbindungsflächen zwischen den Biotopen und Lebensraum für Pflanzen, die auf Acker oder Wiese nicht gewollt, aber für die biologische Vielfalt wichtig sind. Tiere finden hier Rückzugsraume, Deckung und Schutz vor Fressfeinden.

Auf wenig genutzten Graswegen können Bodenbrüter ihre Nester bauen, die Jungtiere finden Insekten und andere Nahrung. Hier können Junghasen überleben, die den Maschineneinsatz auf den benachbarten Äckern nicht überleben würden.

Die Debatte in Heisebeck und die Beschäftigung des Landkreises damit zeigt, dass das Thema aktuell ist und bleibt. Es gibt Argumente auf beiden Seiten, was auch Heisebecks Ortsvorsteher Hubert Henne und Bürgermeister Cornelius Turrey bestätigten, die sich gegenüber der HNA auf keine Seite stellen wollten.

Turrey forderte immerhin die Vorschläge des Landkreises für das Verhalten verschiedener Nutzergruppen und zur Pflege von Wegen und Wegrändern an. (Thomas Thiele)

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