Helga Klöker lebt für das Erdwerk

Der Anfang von Calden endlich im Museum

Die Hobbyarchäologin Helga Klöker steht im Caldener Heimatmuseum vor Bildern vom steinzeitlichen Erdwerk.
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Sie hat mitgebuddelt: Die Caldener Hobbyarchäologin Helga Klöker war vor 30 Jahren an der Erforschung des Erdwerks beteiligt.

Für Helga Klöker schließt sich ein Kreis. Das in einem großen Rund erbaute Caldener Erdwerk aus der Jungsteinzeit tritt endlich dauerhaft zutage.

Calden - Das Bodendenkmal wird im neu geschaffenen Caldener Erdwerk-Museum gezeigt. Mit einer Fotodokumentation, prägnanten Erläuterungen und Fundstücken lässt sich in der Alten Schmiede an der Wilhelmsthaler Straße dem fast 6000 Jahre alten Meisterstück der Bauplanung, Bauleitung und Bauausführung nachspüren.

Der Caldener Amateurarchäologin fällt ein Stein vom Herzen. Hunderte Bilder hatte sie in der vierjährigen Grabungszeit (von 1988 bis 1992) angefertigt – und zwei Jahrzehnte in ihrem Privathaus verwahren müssen. Nun konnte die mittlerweile 84-Jährige ihren Fotoschatz zusammen mit der Last der Verantwortung an einen kompetenten Nachfolger abgeben.

Das Bauwerk zieht in seinen Bann

Sven-Oliver Dittrich, stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins und wie sie von der Archäologie in den Bann gezogen, hat das Erdwerk-Museum in den vergangenen Monaten auf die Beine gestellt (wir berichteten). Bilder von der Erforschung des prähistorischen Fundes, der in der internationalen Wissenschaft große Beachtung fand, sind damit zurückgekehrt in die Alte Schmiede. Dort waren sie ab 1999 in der Regie des Kultur- und Geschichtsvereins Calden eine begrenzte Zeit zu sehen gewesen.

Helga Klöker ist kein emotionaler Typ, eher nüchtern und wissenschaftlich orientiert. Ihr Gesicht aber strahlt, wenn sie erzählt. Von dem Moment, als der Kasseler Pilot Siegfried Einzmann ihr unter die Nase hielt, was bis dahin kein Caldener zu sehen bekommen hatte: eine 1976 von ihm geschossene Luftaufnahme, die eindeutig Wuchs-anomalien im Getreide unweit des alten Flughafens zeigte. Von da an brannte in Helga Klöker die Neugier. Und bald auch der Zorn, als der Kalksteinbruch dem Phänomen immer näher rückte, tatsächlich auch an einer Stelle zerstörte.

Unermüdlicher Kampf

Die Caldenerin kämpfte unermüdlich, bis sie Gehör fand bei den Fachbehörden. Schließlich, nach einer Probegrabung, die ersehnte Unterschutzstellung. Ab 1988 folgt die archäologische Erforschung. „Eine wunderbare Zeit“, erinnert sich die Hobbyarchäologin mit profundem Wissen. Jede freie Minute verbrachte sie am Erdwerk, buddelte mit, schoss Fotos ohne Ende.

Heute ist sie, gemeinsam mit Grabungsleiter Dr. Dirk Fabian, überzeugt: Die von zwei Gräben eingefasste Anlage, 14 Hektar groß, muss als Zentrum für umliegende Minidörfer gedient haben. Als Treffpunkt einer Gemeinschaft, auch zu rituellen Zwecken im Rahmen des Totenkults. „Unser Kreis“ würde man wohl heute sagen, fügt Helga Klöker augenzwinkernd an. Sie sieht im jungsteinzeitlichen Erdwerk den „Anfang von Calden“.

Größere Wertschätzung erhofft

Warum das Bodendenkmal in der öffentlichen Wahrnehmung bis heute ein Schattendasein führt, bleibt ihr ein Rätsel. Es war einmal geplant, eines der Tore zu rekonstruieren, um die weithin einmalige Anlage begreifbar zu machen. Doch das unterblieb, weil Geld dafür fehlte. Heute erinnern lediglich mehrere an den Außengrenzen errichtete Steinsäulen an die riesigen Dimensionen. Ganz in der Nähe findet sich auch ein 5000 Jahre altes Steinkammergrab, das 1991/92 untersucht wurde.

Die 84-Jährige äußert einen großen Wunsch: „Es wäre so schön, wenn das Erdwerk endlich in Calden mehr Wertschätzung erfahren würde.“ Daran zu arbeiten hat sich Sven-Oliver Dittrich mit dem Museum fest vorgenommen. Helga Klöker, die stets eher kritisch auf ihr Umfeld schaut, strahlt noch einmal. Er, sagt sie anerkennend, ist der richtige Mann am richtigen Ort.  (Dorina Binienda-Beer)

Info: eco-pfade.de

Museumsführung nach Absprache

Die offizielle Eröffnung des neuen Erdwerk-Museums in Calden durch den Kultur- und Geschichtsverein war für April geplant. Sie wurde Corona-bedingt zurückgestellt. Ein Termin steht weiterhin nicht fest. Führungen durch die Ausstellung unter dem Dach der Alten Schmiede, Wilhelmsthaler Straße (schräg gegenüber der Bäckerei), sind jedoch nach Absprache möglich. Einzelbesucher und interessierte Gruppen können sich anmelden bei Museumsleiter Sven-Oliver Ditt-rich, 0 56 74/92 20 47.

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