Nabu Altkreis Hofgeismar hofft auf weitere Bruterfolge

Diemelstörche nach 100 Jahren wieder da

Bruterfolg: Das Weißstorchpaar auf dem Mast bei Sielen zog in diesem Jahr drei Junge groß. Foto:  privat

Trendelburg. Vermutlich mehr als 100 Jahre ist es her, dass im Diemeltal das Vorkommen von Störchen so groß war, wie im zu Ende gehenden Jahr 2015. Das Meister Adebar wieder in seinen früher angestammten Lebensraum zurückfindet, ist auch ein Verdienst des Nabu Altkreises Hofgeismar.

„Unsere Bemühungen, zusammen mit dem Wasserverband Diemel und unterstützt von der Unteren Naturschutzbehörde und dem RP vier Storchenmasten in Sielen und einen am Wasserschloss Wülmersen zu errichten, waren im Diemeltal erfolgreich“, schreibt jetzt der Nabu in seinem Jahresrundbrief an seine Mitgleider.

Das Elternpaar, ein noch sehr junges beringtes Weibchen, geschlüpft 2013 bei Antwerpen in Belgien, und ein unberingtes Männchen habe die Storchenbetreuer lange auf die Folter gespannt, schreibt der Nabu. Da niemand Einblick in das Nest bei Sielen gehabt hätte und niemand wusste, ob und wann das erste Ei gelegt worden war, habe lange Unsicherheit über einen Bruterfolg geherrscht. Doch dann war es soweit: „Irgendwann konnte ein kleiner Storchenbabykopf mit Ferngläsern beobachtet werden, zu aller Freude kurze Zeit später noch zwei Geschwister. Ein viertes Jungtier war wohl nicht überlebensfähig und wurde von den Alttieren aus dem Nest geworfen.“

Für Mutter erste Brut

Die Sorge habe fortan den noch sehr empfindlichen Jungen gegolten, die von ihren Eltern gegen die Witterung geschützt und vor allem mit ausreichend Nahrung versorgt werden mussten. Zumindest für die Mutter sei es die erste Brut gewesen, sie war noch unerfahren.

Doch zum Glück habe sich herausgestellt, dass ausreichend Nahrungsmengen hauptsächlich an den Altarmen des Diemeltals gefunden wurden. Da es in unserer Landschaft nur noch wenige Frösche und Molche gebe, hätten die Jungtiere hauptsächlich mit Mäusen, Nacktschnecken und Würmern ernährt werden müssen, so der Nabu.

Wie lange es her ist, dass Störche im Diemeltal heimisch waren, schließen die Naturschützer aus einem Beitrag im Heimatkalender von 1937. Damals schrieb Heinrich Grupe über die Frage, ob sich Störche im Kreis Hofgeismar wieder ansiedeln lassen. Er erwähnte dabei, dass die letzten Störche in Grebenstein und Deisel gebrütet haben, ohne zu sagen, wann das gewesen ist. Der Nabu vermutet, dass dies inzwischen mehr als 100 Jahre her ist.

Auch im Jahr 2016 will der Nabu Altkreis Hofgeismar weitere Masten gemeinsam mit dem Wasserverband Diemel-Warme aufstellen lassen. Die Naturschützer gehen von weiteren Ansiedelungen und Bruterfolgen aus. Vor allem aber sei es wichtig, den natürlichen Nahrungsraum für den Weißstorch wieder zu entwickeln. Dazu zähle, Zugänge zu den Diemeltaltarmen zu schaffen und neue Feuchtwiesen aus gewässernahen Flächen, die landwirtschaftlich wenig ertragreich sind, zu entwickeln. „Dafür benötigen wir die Hilfe aller Storchenfreunde, Naturschützer und Landwirte“, schreibt der Nabu in seinem Rundbrief.

Von Gerd Henke

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