Doppelkonzert mit Ruhe nach dem Sturm

Drei Konzerte an einem Wochenende: Die Kreiskantorei Hofgeismar konzertierte am Wochenende in der Altstädter Kirche in Hofgeismar und der Klosterkirche Lippoldsberg mit Haydns Oratorium „Die Schöpfung“. Fotos:  znu

Lippoldsberg. Am siebten Tage ruhte Gott von seinem ganzen Werk …. aber vorher gab es viel Arbeit, nicht nur für die Schöpferkraft, die nach christlichem Glauben diese Welt in sechs Zyklen erschaffen hat.

Die Kreiskantorei Hofgeismar hat weit mehr als sechs Tage damit verbracht, das große Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn einzustudieren.

Mehrere Wochen mit intensiven Proben unter Leitung von Kreiskantor Dirk Wischerhoff gingen voran. Die Krönung schließlich, das Aufführungswochenende, wurde zum Marathon mit Orchesterproben, zwei Konzerten in der Altstädter Kirche Hofgeismar und einem in der Klosterkirche Lippoldsberg.

Mehrere hundert Zuhörer kamen dabei in den Genuss brausender, manchmal fast rauschhafter Klänge. Eines der Konzerte war speziell für Kinder gestaltet, denen das große Werk mit kindgerechten Erklärungen und Ratespielen nahe gebracht wurde. Einige Kinder durften am Sonntagmorgen sogar selbst das Orchester der Heidelberger Kurpfalzphilharmonie und den Chor dirigieren.

Nachmittags ging es dann in Lippoldsberg hochkonzentriert in das Finale, konzentrierter noch als am Abend zuvor in Hofgeismar, wie Mitsänger Dr. Eckart Claus (Grebenstein) bemerkte. Raumbedingte Unterschiede stellte zudem Peer Schlechta fest, der das Orchester auf dem Cembalo unterstützte: „In Hofgeismar war der Gesamtklang gradliniger, dafür mischt er sich in der Klosterkirche besser.“

So oder so - das opulente Werk und die gelungene Aufführung hatten Gänsehautfaktor 100. Haydns Kompositionskraft und die Wortkunst Gottfried van Swietens nahmen die Zuhörer sofort gefangen. Die Urgewalten des Anfangs bestürmten das Ohr und wurden im Laufe der Musik immer feiner, immer lieblicher bis hin zum zart schmelzenden Liebesgeflüster von Adam und Eva. Augenzwinkernd pointiert wurde dies von Uriel (Rolf Sostmann) mit der Warnung „nicht mehr zu wünschen als sie haben und nicht mehr zu wissen als sie sollen“.

Während Traudl Schmaderer (Sopran), Rolf Sostmann (Tenor) und Thomas Wiegand (Bass) mit wunderbar intonierten Soli als Erzengel die Erzählung des Geschehens übernahmen, fiel der Kantorei die Rolle der Bewunderer von Gottes Schöpfung zu. Ihre Choreinsätze wurden mit viel Herzblut und sichtbarer Begeisterung gestaltet, einzig der Schlusschor blieb in der Kraft ein wenig hinter dem brillanten Orchester zurück, das mit Pauken und Trompeten das „Lob im Wettgesang erschallen“ ließ und gewann. Im Grunde aber war es für alle ein Gewinn. Ein so großes Werk aufzuführen und anzuhören gehört zu den Sternstunden im Leben musikbegeisterter Menschen, vor allem, wenn es insgesamt so erstklassig besetzt ist. In der Ruhe nach dem Sturm hallte der Applaus am siebten Tag der Schöpfung noch lange nach.

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