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Sanierung des Pfarrhauses in Lippoldsberg birgt Überraschungen

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Von: Thomas Thiele

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Ein Mann hockt auf dem Boden und rührt in einem Eimer mit Lehm, um diesen an die Wand zu streichen.
Runderneuerung: Im Pfarrhaus-Inneren werden viele Räume wieder mit naturnahem Lehmputz versehen, den hier Handwerker Roland Apholz anmischt und aufbringt. Die vorher verbauten modernen Materialien schadeten dem Gebäude. © Thomas Thiele

Die Sanierung des Pfarrhauses in Lippoldsberg brachte einige Überraschungen zutage - auch um 100.000 Euro gestiegene Kosten.

Lippoldsberg – Bei der Sanierung des evangelischen Pfarrhauses in Lippoldsberg sind einige Überraschungen zutage getreten. Historische Wandverzierungen, Zeugen der Veränderungen in der Baugeschichte des 1688 erbauten Hauses, Fehler früherer Sanierungen und unerwartete Schäden – was die Kosten steigert. Dass die Bauarbeiten fast drei Jahre dauern, war aber so geplant. März 2020 zog das Pfarrerehepaar aus in ein Wohnhaus an der „Wüste“, wo auch Kantor Seimer wohnt, und das Mobiliar und Material wurde komplett ausgelagert, schließlich musste das Haus entkernt und alle Böden, Decken und Wände geöffnet und untersucht und wiederhergestellt werden.

Das Foto zeigt ein sehr großes massives Haus mit hell verputzten Wänden und sichtbaren Sandsteinblöcken am Sockel und an den Gebäudekanten.
Ansicht wieder wie früher: Die Fenster haben Umrandungen erhalten. Das über 330 Jahre alte Haus wurde schon einmal aufgestockt. © Thomas Thiele

„Ein Pfarrhaus ist kein Einfamilienhaus, es war immer Zentrum des dörflichen Lebens, eine Wiege der Kultur und ein behüteter Raum“, beschreibt Pfarrer Christan Trappe die besondere Rolle der Pfarrhäuser und warum ihr Erhalt und ihre Sanierung wichtig seien.

Das Lippoldsberger Pfarrhaus, das die Landeskirche ursprünglich sogar abreißen und durch einen Neubau ersetzen wollte, litt zuletzt unter Bauschäden. Die entstanden vor allem durch Materialien wie etwa die Latexfarbe der 1970er und 1980er Jahre, die Feuchtigkeit in der Wand hielten statt sie verdunsten zu lassen. So faulten die Fenster, Balken verrotteten in der Wand. Im Erdgeschoss, wo eine behindertengerechte Toilette entsteht, war ein Klo falsch angeschlossen und funktionierte gar nicht.

Der Pfarrer steht in einem Raum, wo Wandbalken der Zwischenwände freigelegt sind und einen weiten Einblick erlauben. Im Vordergrund wölben sich bunte Kabel vom Boden empor.
Balkenfreilegung: Das Pfarrhaus (im Bild Pfarrer Trappe) ist im Inneren kaum wiederzuerkennen. © Thomas Thiele

Das alles wird jetzt von Grund auf behoben, die Wände erhalten gesünderen Lehm- und Kalkputz. Im Inneren werden nachträgliche Gipswände, in denen sich Ratten verstecken konnten, zurückgebaut und versucht, ursprüngliche Zuschnitte wieder herzustellen.

Reste von Wandmalereien

Im Erdgeschoss wurde die abgehängte Decke wieder abgenommen, es kamen strukturierte Balken zutage. Im ersten Obergeschoss wurden an der Wand Malereien entdeckt, die eine Gartenlaube mit Blumenkörbchen darstellten. Da der Befund zu gering für eine Rekonstruktion war, wurde die Malerei dokumentiert und an der Wand gesichert.

Die Fenster und die Haustür werden aus haltbarem Holz nach altem Vorbild neu gefertigt und mit Leinöl geschützt. Man sehe die Handarbeit an vielen Stellen und das sei gut so, meint Trappe.

Das Bild zeigt eine Sandsteinplatte an der Hauswand mit zwölf Uhrzeitziffern. Die Sonne wirft den Schatten des Stabes auf 10 Uhr. Dabei wird die Sommerzeit nicht berücksichtigt.
Wieder angebracht: alte barocke Sonnenuhr. © Thomas Thiele

Das Haus mit seinem massiven Sandsteinsockel und teilweise 90 Zentimeter dicken Mauern sei natürlich kein Niedrigenergiehaus, berichtet Pfarrer Trappe, aber man habe alle Möglichkeiten des Marktes geprüft. Der Lehmputz dämme gut, die Ölheizung sei gegen eine Gasheizung verbunden mit einer Wärmepumpe getauscht worden und man prüfe noch, ob auf der benachbarten Winterkirche Solarzellen montiert werden können.

Unter der Dachkante sind mehrere kistenförmige Nisthöhlen aus Holz angebracht. Die Vorderseite ist noch offen und muss nachgebessert werden.
Neu: Nisthöhlen für Mauersegler unterm Dach. © Thomas Thiele

Die ursprüngliche Kostenschätzung für die Sanierung erfolgte von außen und belief sich auf 700.000 Euro. Nun werden es wohl wegen unerwarteter Mehrarbeiten, aber auch wegen der Corona-Lage und der starken Baukostensteigerungen 800.000 Euro werden. Auf manche Ausschreibungen habe man wegen des Personalmangels der Firmen teilweise gar keine Angebote erhalten. Die Kosten trägt die Landeskirche, die das Projekt wegen der Höhe von vornherein auf drei Haushaltsjahre verteilte.

Höhlen für Mauersegler

Wiedereinzug soll im Herbst sein. Auch Mauersegler sollen wieder einziehen. Bisher fanden sie Löcher unter dem Dach, nun wurden eigens neue Nisthöhlen montiert. Für Restarbeiten wird noch ein Naturfreund mit Hubsteiger gesucht. (Thomas Thiele)

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