31 Passagieren an Bord

Neue Verbindung auf die Ostsee-Insel: Erster Flug vom Kassel Airport nach Usedom gestartet

Eine Dornier 328 bekommt auf dem Rollfeld des Kassel Airport in Calden eine Wasserdusche der Feuerwehr
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Begrüßung für den Erstflug: Als die Dornier am Samstag über das Rollfeld in Calden fährt, gibt es eine Wasserdusche der Flughafenfeuerwehr. Kurz darauf startet die Maschine erstmals vom Airport aus nach Usedom.

Mit 31 Passagieren an Bord ist ein Flugzeug der Rhein-Neckar-Air erstmals vom Kassel Airport aus zur Ostsee-Insel Usedom gestartet.

Calden - Die voll besetzte Dornier 328 landete gut eine Stunde später auf dem Flughafen Heringsdorf. Damit gibt es nun am Airport eine zweite innerdeutsche Verbindung neben Sylt, das bereits seit 2019 angeflogen wird. Auch die Flugverbindung ab Kassel Calden in die Türkei startete bereits. Die HNA ist mitgeflogen - hier die Eindrücke vom Erstflug:

Der Nebel

Die beste Werbung für einen Flug in den Urlaub macht an diesem Samstagvormittag (04.09.2021) das nordhessische Wetter. Es ist 12 Grad frisch, zäher Nebel liegt über dem Kassel Airport. Für die Neugierigen, die sich hinter dem Außenzaun des Flughafens versammelt haben, ist die Dornier 328 daher erst spät zu sehen. Dann aber rauscht die Maschine der Rhein-Neckar-Air mit den zwei großen Propellern plötzlich durch die Dunstwand und setzt sanft auf der Landebahn auf.

Der große Bahnhof

Was folgt, ist ein großer Bahnhof, wenn man das für ein Flugzeug so sagen kann: Eine Wasserdusche der Airportfeuerwehr – zur Feier des Erstflugs nach Usedom. Für den ist die Dornier eine gute halbe Stunde zu spät dran. „Auf Sylt war das Rollfeld ziemlich zugeparkt“, sagt Flugkapitän Gregor Kluyken. Mit Flugzeugen, versteht sich. Er und seine kleine Crew haben von dort Urlauber zurück nach Calden gebracht, bevor es gleich an die Ostsee geht. Teil eines strammen Tagesprogramms: vom Sitz der Rhein-Neckar-Air in Mannheim nach Sylt, nach Calden, nach Usedom, nach Calden, nach Sylt – und zurück nach Mannheim. In der Fliegersprache sind das sechs Legs: sechs Einzelflüge.

Der Vorlauf

Das entscheidende Leg für die 30 Urlauber, die nun auf den Einstieg warten, ist das nach Usedom. Der Flieger ist ausgebucht, wie die meisten der neuen Verbindung im September. Auch für Oktober laufen die Buchungen an, erklärt Initiator Christian Henkel. Seit 2020 betreibt er ein Reisebüro im Terminal, „aber selbst Flieger zu chartern ist natürlich noch einmal eine ganz andere Nummer“, sagt er. Natürlich sei er nervös gewesen, aber es laufe gut. „Wir wollen die Verbindungen auch nächstes Jahr anbieten, daran arbeiten wir bereits.“

Offizieller Auftakt: (v.l.) Veranstalter Christian Henkel, Copilot David Simrock, Flugbegleiterin Gabriele Weber, Kapitän Gregor Kluyken, Airport-Geschäftsführer Lars Ernst.

Stephan Löber, Vorsitzender des Vereins Pro Kassel Airport, steht neben Henkel auf dem Rollfeld, während im Hintergrund die Koffer in die Dornier geladen werden. „Man muss manchmal etwas wagen, und Christian Henkel hat etwas gewagt“, sagt er. Auch Airport-Geschäftsführer Lars Ernst lobt die Initiative: „Wir versuchen, das mit unseren Kontakten zu unterstützen.“ Noch kurz das offizielle Bild für eine Handvoll Fotografen, dann dürfen die Urlauber ins Flugzeug. Alle 31 Plätze sind gebucht, die meisten Passagiere kommen aus dem Großraum Nordhessen, doch Einzelne sogar aus Süddeutschland – großteils im oder in Richtung Rentenalter. Eine Zielgruppe, die sich nicht unbedingt lange Autofahrten Richtung Ostsee zumuten will, sagt Henkel.

Das ist auch der Tenor, den man von Passagieren hört. Man sei früher öfter auf Usedom gewesen, sagt eine Frau. Nun nutzen sie und ihr Mann die Gelegenheit, von der sie in der Zeitung gelesen haben. „Nur eine Stunde, und wir müssen nicht fahren.“ Mit dem Auto müsste man mindestens das fünffache einkalkulieren – reine Fahrtzeit, Staus und Pausen obendrauf.

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Der Start

Mit dem Flugzeug steht – oder besser: fliegt – man über diesen Dingen. Pilot Kluyken bringt die Maschine auf Touren, es geht nach oben, und wenig später ist der nordhessische Nebel vergessen. Der Blick schweift über ein Wolkenmeer vor blauem Himmel, Lücken geben Blicke auf Felder, Orte und Wälder frei.

Der Ausblick

Ein Ausblick, den Gabriele Weber auch nach gut zwei Jahrzehnten als Flugbegleiterin noch genießt. „Ich schaue jedes Mal aus dem Fenster“, sagt sie. Da die kleine Maschine auf solchen Strecken bei einem Tempo von 550 Stundenkilometern mit knapp 6400 Metern vergleichsweise niedrig fliegt, kann man am Boden vieles gut erkennen. Lange war Weber bei der Lufthansa, doch auch der Job bei einer kleinen Airline mache Spaß und sei abwechslungsreich. Sie betreut nicht nur Touristen: Auch Fußballteams wie Eintracht Frankfurt zählen bei Reisen zu Spielen zu den Passagieren.

Fensterplatz: Im Anflug auf die Ostsee-Region bieten sich den Passagieren solche Ausblicke – beim Erstflug spielte auch das Wetter mit.

„Wir beginnen jetzt unseren Landeanflug“, tönt die Stimme des Piloten aus den Lautsprechern. „Es sind 18 Grad, leicht bewölkt, Sonnenschein.“ Am Fenster tauchen Usedom und die Ostsee auf, die Maschine fliegt eine Kurve. Dann sinkt sie und setzt auf dem Flughafen Heringsdorf auf, wo wieder eine Wasserdusche wartet. „Schönen Urlaub“, wünscht Gabriele Weber den Fluggästen.

Die Rückkehr

Eine halbe Stunde später geht es wieder zurück. Diesmal sind, dem Erstflug geschuldet, nur zwei Passagiere an Bord. Das wird bei den nächsten Touren anders sein, wenn die Rückkehrer an Bord sind. Wieder über Wolken und Felder geht es nach Calden. Bei der Landung zeigt sich dann auch Nordhessen von seiner besseren Seite: Die Sonne hat den zähen Nebel auch dort endlich verdrängt.

Die Infos

Die neue Verbindung von Calden nach Usedom ist die zweite innerdeutsche Verbindung am Kassel Airport neben Sylt (seit 2019). Im September und Oktober starten die einstündigen Flüge um 12 Uhr in Calden, Rückflüge gibt es jeweils um 13.40 Uhr. Infos: kassel-usedom.de. (Matthias Müller)

Transparenzhinweis: Der Veranstalter hat unserem Berichterstatter die Flugtickets bereitgestellt.

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