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Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft

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Ein Maishächsler und zwei Schleppergespanne bei der Ernte auf einem Maisfeld
Hochbetrieb auf dem Maisfeld: Innerhalb von zwei bis drei Tagen muss die gesamte Maisernte auf den Feldern von Daniel Rüddenklau eingebracht sein. © Peer Bergholter

Im Caldener Ortsteil Westuffeln betreiben Vater Günter und Sohn Daniel Rüddenklau ihren landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Dort bewirtschaften sie rund 350 Hektar Ackerfläche, auf der sie 14 verschiedene Kulturpflanzen ökologisch anbauen. Eine dieser Kulturpflanzen ist Mais, der in diesen Tagen geerntet wird. Auf einem ihrer Felder zieht gerade ein Maishäcksler seine Bahnen.

Dieser schneidet die komplette Maispflanze kurz über dem Boden ab und zerkleinert die Pflanze mitsamt den Kolben, um die so gewonnene Maissilage im hohen Bogen auf ein begleitendes Schleppergespann zu bringen. Ein unbedarfter Beobachter mag sich wundern, dass selbst die Kolben gehäckselt werden, lassen sich diese doch äußerst schmackhaft zubereiten. Doch Daniel Rüddenklau klärt auf: „Wir nutzen diese Sorte Mais weder als Tierfutter noch zum Verzehr oder als Rohstoff für Maismehl, sondern als Energiepflanze für unsere Biogasanlage.“ Mais sei in unseren Gefilden eine äußerst beliebte Energiepflanze, da er keine großen Ansprüche an den Boden stelle und einen verhältnismäßig geringen Wasserbedarf habe, so der 34-jährige Landwirtschaftsmeister.

Daniel Rüddenklau kniet in der Maissilage und lässt diese durch die Finger rieseln. Im Hintegrund ist die Biogasanlage zu sehen.
Landwirtschaftsmeister Daniel Rüddenklau © Peer Bergholter

Währenddessen ist das erste Gespann gut gefüllt und macht dem nächsten Platz. Auf dem Feld herrscht Hochbetrieb, denn innerhalb von zwei bis drei Tagen soll bei Rüddenklau die Maisernte abgeschlossen sein.

Der Schlepper mit seinem beladenen Anhänger bringt die Maissilage direkt zur Biogasanlage, die am Rande der Ortschaft Westuffeln liegt. Dort angekommen, wird der kleingehäckselte Mais vom Anhänger auf der sogenannten Maismiete abgeladen, von einem weiteren Schlepper großflächig verteilt und anschließend festgefahren. Durch das häufige Hin- und Herfahren des schweren Walz-Schleppers auf der Maismiete wird die Luft aus der Maissilage gepresst. Dies ist nötig, damit der eingefahrene Mais – nachdem er rund vier Wochen unter einer luftdichten Plane ruht – gären kann. Dieser Prozess wird auch „Silieren“ genannt, der Mais wird quasi wie Sauerkraut haltbar gemacht. Die haltbare Maissilage kann dann das ganze Jahr über als Substrat in der Biogasanlage verfüttert werden, um Strom und Wärme zu produzieren.

Luftaufnahme: Der gehäckselte Mais wird auf der Maismiete an der Biogasanlage von Schleppern großflächig verteilt und anschließend festgefahren
Der gehäckselte Mais wird auf der Maismiete an der Biogasanlage von Schleppern großflächig verteilt und anschließend festgefahren. © Privat

Unter den Energiepflanzen eignen sich Mais und Zuckerrüben besonders gut für die Biogasgewinnung, da sie die beste Ausbeute versprechen: „Mais setzt Energie durch Sonneneinstrahlung um und nimmt verhältnismäßig viel CO2 auf – je mehr CO2, desto besser ist es für die Gasgewinnung“, erläutert Daniel Rüddenklau.

Im Gärprozess setze Mais bereits nach zwei bis drei Tagen Energie frei, Mist hingegen brauche dafür etwa vier bis sechs Wochen.
Die eingesetzte Maissilage stellt nur eine von insgesamt acht bis zehn Komponenten dar, mit denen Rüddenklau seine Biogasanlage befüllt. Mist und Gülle, die von den Landwirten der Region angeliefert werden, sind weitere Komponenten. „Der ausgewogene Mix der verschiedenen Komponenten ist wichtig“, erklärt der 34-Jährige und konkretisiert: „Ich füttere eigentlich die Bakterien, die im Fermenter den Gärprozess in Gang setzen und die Biomasse in die Bestandteile Eiweiß, Fett und Kohlehydrate zerlegen. Daraus entsteht letztlich das Biogas.“

Der Fermenter ist einer von insgesamt drei Behältern der Biogasanlage, die man häufig an Ortsrändern sieht und die an überdimensionierte Zipfelmützen oder typisch mongolische Rundzelte erinnern. In der Hauptgärstufe in den Fermentern werden rund 80 Prozent des Biogases gewonnen. Das restliche Biogas wird in den zwei weiteren Behältern, im sogenannten Nachgärer und im Gärsubstratlager gewonnen.

Das entstandene Gas wird dann in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) verbrannt und zur Stromerzeugung genutzt. Familie Rüddenklau betreibt drei solcher BHKW, eines direkt an der Anlage, zwei weitere im Ort. „Wir legen bei unserer Anlage den Fokus auf die Stromgewinnung, die Abwärme der drei Motoren im BHKW ist eher ein Nebenprodukt“, sagt Daniel Rüddenklau. Die Wärmeenergie bleibt im Ort, wo derzeit 40 Haushalte über ein Nahwärmenetz mit Warmwasser versorgt werden, der Strom wird ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Tendenz und Nachfrage steigend: „Wir können problemlos noch weitere Haushalte anschließen“, so der Landwirtschaftsmeister, der die Dimensionen der Energiegewinnung einordnet: „In zehn Stunden produziert die Anlage genug Strom für den Jahresverbrauch eines Einfamilienhauses, in 20 Stunden entsteht dort auch genug Wärme, um den Bedarf eines Einfamilienhauses für ein Jahr zu decken.“

Seine Biogasanlage brauche rund 50 Tonnen „Futter“ pro Tag, also etwa 15 000 Tonnen im Jahr, so Rüddenklau. Die Biomasse verbleibt 150 Tage in der Anlage, davon 90 Tage im Fermenter. Wie viel Biomasse er seiner Anlage zuführt, wird allwöchentlich anhand einer Bedarfsanalyse ermittelt, die Menge an produzierten Strom kann Rüddenklau direkt an der Anlage steuern. Grundsätzlich lasse sich Biogas gut speichern, sodass es bedarfsgerecht eingesetzt werden kann. Wenn aufgrund der Witterungsverhältnisse beispielsweise verhältnismäßig wenig Strom aus Windkraft und Photovoltaik gewonnen werden kann, der Strombedarf jedoch insgesamt hoch ist, so könne die Anlage entsprechend geregelt und bedarfsgerecht Strom produziert werden.

Da der eingesetzte Mix aus Biomasse nicht komplett in der Anlage vergärt wird, stellt sich abschließend die Frage: Was passiert mit den sogenannten Gärresten? „Diese verfügen noch über ausreichend Nährstoffe, sodass sie wieder als Dünger auf die Felder ausgebracht werden. Es ist eine nachhaltige, regionale Kreislaufwirtschaft“, unterstreicht Daniel Rüddenklau, der die gute Kooperation sowohl mit anderen Landwirten wie auch mit übrigen Biogasanlagen-Betreibern betont.

Von Peer Bergholter

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