Jugendliche Mountain-Biker in Calden wollen wieder trainieren können – Bislang fehlt ein Gelände

Eine neue Piste: Wunsch für 2010

Sprungtalente: Die jugendlichen Caldener Mountain-Biker beherrschen ihren Sport perfekt. Nur eine legale Strecke fehlt ihnen noch. Hier trainiert René Gorzelany ersatzweise neben dem eigenen Grundstück. Foto: Binienda-Beer

Calden. Ihr Wohnort ist Calden, als leidenschaftliche Mountainbiker aber fühlen sie sich heimatlos: Ein knappes Dutzend Jungs zwischen zehn und 18 Jahren wünschen sich sehnlichst einen eigenen Parcours für ihren Freiluftsport mit Nervenkitzel. Eine Trainingsgelegenheit mit Erdhügeln und Holzhindernissen hatten sie sich zwar im Laufe der Jahre unweit des Schwimmbades im Wald selbst angelegt, doch die Strecke war illegal. Revierförster und Gemeinde als Waldeigentümerin mussten die Benutzung untersagen.

Wohin jetzt mit den jungen Bikern, und wie ließe sich der nicht risikofreie Sportbetrieb auf einer Alternativstrecke rechtlich absichern? Das sind Fragen, die neben den Betroffenen auch die Gemeindeverwaltung aktuell beschäftigen. Auf der Suche nach einer verträglichen Lösung könnte der TSV Jahn Calden eine entscheidende Rolle spielen.

Wie alles begann: Vor sechs Jahren bereits entdeckten zwei Freunde im Schüleralter ihre Leidenschaft für Freeride Bike und Dirt Bike, zwei Unterformen des Mountainbikesports. Bald schlossen sich weitere jugendliche Gelände-Biker an. Eine erste selbst geschaffene, inoffizielle Trainingspiste beim Steinbruch am Flughafen wurde zum Kummer der Jungs eingeebnet. Im Waldgebiet Thiergarten fanden sie eine für ihre Zwecke geeignete neue Abwärtsstrecke. Die Fahrergruppe wuchs und mit ihr der Parcours. Für die Gemeinde aber kam aus Haftungsgründen eine Duldung nicht infrage. Zudem hatten sich die Jugendlichen ihre Route auf einem Bodendenkmal modelliert.

Niedergeschlagen

René Gorzelany, Dominik Vogt, Roland Esplugas und ihre Freunde sind niedergeschlagen. In der gesamten Umgebung gebe es für ihren Sport keinen ausgewiesenen Parcours, bedauern sie. Wilde Strecken in Kassel und Espenau wurden ebenfalls geschlossen. Bedarf bestehe also auch bei Nicht-Caldenern, geben die Jungs zu bedenken. Für die Ausübung ihres rasanten Hobbys kommen nur die MTB-Hochburgen Willingen und Winterberg infrage – in 80 bzw. 100 Kilometern Entfernung. Genau dort wollen drei von ihnen in diesem Jahr bei den beiden großen Bike-Festivals starten. Aber wie ohne Parcours daheim trainieren?, fragen sich die Free-Rider.

Bereits zwei Besprechungen gab es im Caldener Rathaus. Dort fühlen sich die Jugendlichen mit ihrem Wunsch „wirklich ernst genommen“. Auch in einer erweiterten Vorstandssitzung des TSV machten sie sich für ihre Sache stark. In der Haftungsfrage zeichnet sich womöglich eine Lösung ab: Schließen sich die Mountain-Biker dem Sportverein an, würde für sie Versicherungsschutz bestehen. So jedenfalls lautet die, bisher allerdings nur mündlich erteilte Antwort des Landessportbundes auf eine entsprechende Anfrage des TSV. Dennoch gibt es noch eine Reihe wichtiger Fragen zwischen den Bikern und dem TSV zu klären.

Sollte das Problem der Verkehrssicherungspflicht gelöst sein, wäre die Gemeinde bereit, den jungen Zweiradsportlern bei Knackpunkt Nummer zwei, der Grundstücksfrage, weiter zu helfen (siehe Das sagt der Bürgermeister).

Die Mountain-Biker: „Wir hoffen, dass alles klappt. Wir sind eine so tolle Gemeinschaft. Und der gemeinsame Sport in der Natur ist für uns eine echte Alternative zum sinnlosen Herumhängen.“ So sieht Jugendarbeit in Eigenregie aus.

Von Dorina Binienda-Beer

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