Reinhard Bolte arbeitet 36 Jahre auf der Fähre in Veckerhagen – Sohn auch an Bord

Job am eisernen Faden

Von Niedersachsen nach Hessen: Mit der Fähre gelangen Anlieger und Radsportler ans andere Ufer der Weser. Foto: Schlüter

Veckerhagen. „Ja, wir fahren wieder.“ Viel mehr Worte braucht Reinhard Bolte am Telefon nicht. Zig mal rufen in diesen Tagen Kunden des Fährschiffers bei ihm an. Zu Hause oder am Handy – Bolte gibt immer Auskunft. Das gehört zu seinem Job.

Sein Job, das ist der Fährbetrieb von Veckerhagen nach Hemeln. Bereits 36 Jahre arbeitet Bolte auf der kleinen Fähre, die die beiden Weser-Dörfer verbindet. Seit 1995 ist er selbstständiger Unternehmer, pachtet er die „Veckerhagen“ vom Land Hessen. Nach fünf Jahrzehnten war am Ende des Jahrhunderts das alte Fährschiff durchgerostet. Wieder einmal wurde der Bau einer Brücke erwogen, am Ende entschied sich das Land aber für den Kauf einer neuen Fähre. Im Jahr 2000 wurde es in einer Werft in Brandenburg gebaut. „Das Schiff wird wohl auch noch 50 Jahre halten“, sagt Bolte.

Immer vorausgesetzt, es wird nicht doch eine Brücke errichtet. Aber die würde viel Geld kosten. Immerhin ist die Weser recht breit. Von einer neuen Weser-Brücke will Bolte nichts wissen. Sein stärkstes Argument: „Dann würde ja der ganze Schwerlastverkehr hier durch die Tourismus-Gemeinden fließen.“

Was für Außenstehende so einfach aussieht, ist kein einfacher Job. Es gilt, die am Seil geführte Fähre sicher ans andere Ufer zu bringen. Nichts darf beschädigt werden, und selbstverständlich sollte kein Passagier über Bord gehen. Jetzt, während des Hochwassers, ist das Manövrieren schwieriger. Da muss der Fährführer auch mal zur Eisenstange greifen, sie geschickt an der richtigen Stelle unter die Fähre bugsieren und anheben. Schon setzt das Schiff nicht mehr am betonierten Ufer auf. Üblicherweise muss eine Strecke von rund 80 Metern quer über die Weser zurückgelegt werden, derzeit sind es 110 Meter. Die Wege an den Rampen sind extrem verkürzt.

Der 61-jährige Reinhard Bolte zieht sich aus gesundheitlichen Gründen langsam zurück. Sein Sohn Benjamin hat bereits den Fährführerschein erworben, ebenso wie ein Angestellter. Sechs Monate musste Benjamin seinen Vater auf der Fähre begleiten, dann sowohl eine schriftliche als auch eine praktische Prüfung beim Wasser- und Schifffahrtsamt Minden ablegen.

Um 6.30 Uhr geht es morgens los, abends ist um 19 Uhr Schluss, im Hochsommer noch eine halbe Stunde später. Immer hin und her zwischen Hessen und Niedersachsen. 80 000 Personen befördert die „Veckerhagen“ jedes Jahr. Pro Fahrt passen aber nur sechs Autos auf die Fähre.

Im Sommer kommen Radtouristen und Motorradfahrer hinzu. Doch die meisten Fahrgäste sind Pendler. Reinhard Bolte kennt sie fast alle.

Von Jan Schlüter

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